Kün­di­gung erst in der Beru­fungs­in­stanz

Jeden­falls dann, wenn es eine Par­tei allei­ne in der Hand hat, durch eine eige­ne Erklä­rung, etwa durch die Kün­di­gung eines Dar­le­hens­ver­trags, schon im ers­ten Rechts­zug ihrer Kla­ge zu Erfolg zu ver­hel­fen, sie dies aber unter­lässt, hat sie die Kos­ten des Beru­fungs­rechts­zu­ges zu tra­gen.

Kün­di­gung erst in der Beru­fungs­in­stanz

Bei der Ent­schei­dung über die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Klä­ge­rin nur auf Grund der erst nach Abschluss der ers­ten Instanz erklär­ten Kün­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges obsiegt hat. Eine obsie­gen­de Par­tei hat die Kos­ten der Beru­fung zu tra­gen, wenn der Rechts­streit dort zu ihren Guns­ten auf Grund eines neu­en Vor­brin­gens ent­schie­den wird, das sie schon in der ers­ten Instanz recht­zei­tig hät­te gel­tend machen kön­nen (§ 97 Abs. 2 ZPO). Die­se gesetz­li­che Rege­lung bringt einen all­ge­mei­nen Grund­satz zum Aus­druck und ist der ent­spre­chen­den Anwen­dung fähig: Wenn eine Par­tei erst in der Rechts­mit­tel­in­stanz infol­ge eines dort ein­ge­tre­te­nen Umstan­des obsiegt, der nicht dem Bereich der Gegen­par­tei, son­dern ihrem eige­nen Bereich zuzu­rech­nen ist, dann sind die dadurch ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten vom obsie­gen­den Teil zu tra­gen 1. Dies ist ins­be­son­de­re auch der Fall, wenn eine Par­tei die mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ihr Obsie­gen bereits wäh­rend des ers­ten Rechts­zugs hät­te schaf­fen kön­nen 2. Letz­te­res trifft vor­lie­gend ange­sichts des schon im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren durch das Land­ge­richt erfolg­ten Hin­wei­ses auf die Erfor­der­lich­keit einer Kün­di­gung des Dar­le­hens für die Her­bei­füh­rung der Fäl­lig­keit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Anspruchs zu. Jeden­falls dann, wenn es eine Par­tei – wie vor­lie­gend die Klä­ge­rin – allei­ne in der Hand hat, durch eine eige­ne Erklä­rung schon im ers­ten Rechts­zug ihrer Kla­ge zu Erfolg zu ver­hel­fen, sie dies aber unter­lässt, hat sie die Kos­ten des Beru­fungs­rechts­zu­ges zu tra­gen 3.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 4. Febru­ar 2013 – 1 U 168/​12

  1. vgl. BGH NJW 1960, 766-768, 768[]
  2. vgl. OLG Koblenz NJW 1988, 3099, 3099; Musielak/​Lackmann, ZPO, 9. Aufl. 2012, § 97 Rn. 11; Zöller/​Herget, ZPO, 29. Aufl. 2012, § 97 Rn. 14; BeckOK/​Vorwerk/​Wolf, ZPO, 30.10.2012, § 97 Rn. 26; Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 4. Aufl. 2013, § 97 Rn. 23; und Anders/​Gehle, Antrag und Ent­schei­dung im Zivil­pro­zess, 3. Aufl. 2000, Rn. B 583; a.A. BGH, Urteil vom 07.05.1954 – V ZR 98/​53, BeckRS 1954, 31200468[]
  3. vgl. OLG Hamm MDR 1990, 450, 450[]