Alt­recht­li­che Dienst­bar­kei­ten als Rechts­man­gel – und die Kennt­nis des Käu­fers

Ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz bestün­de nach § 439 BGB a.F. nicht, wenn die Käu­fe­rin den Rechts­man­gel gekannt haben soll­te. Kennt­nis erfor­dert posi­ti­ve Gewiss­heit. Anders als nach dem gel­ten­den § 442 Abs. 1 Satz 2 BGB genügt (grob) fahr­läs­si­ge Unkennt­nis nicht. Die Kennt­nis der Käu­fe­rin kann des­halb nicht damit begrün­det wer­den, dass Käu­fer von Grund­stü­cken im Bei­tritts­ge­biet all­ge­mein mit dem Vor­han­den­sein nicht ein­ge­tra­ge­ner ding­li­cher Rech­te rech­nen muss­ten.

Alt­recht­li­che Dienst­bar­kei­ten als Rechts­man­gel – und die Kennt­nis des Käu­fers

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 07.11.2014 1. Mit dem ange­führ­ten Argu­ment hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­in nicht die Kennt­nis des Käu­fers von einem kon­kre­ten Recht begrün­det, son­dern ledig­lich die Zuord­nung des Ent­schä­di­gungs­an­spruchs nach § 9 Abs. 3 GBBerG an den­je­ni­gen gerecht­fer­tigt, der bei Begrün­dung der Dienst­bar­keit Eigen­tü­mer des belas­te­ten Grund­stücks war.

Kennt­nis ist fer­ner nicht schon gege­ben, wenn der Käu­fer Kennt­nis von Anknüp­fungs­tat­sa­chen – hier etwa dem Vor­han­den­sein von Kanal­de­ckeln oder Anla­gen, die auf Abwas­ser­lei­tun­gen hin­deu­ten – hat­te. Es muss viel­mehr hin­zu­kom­men, dass er auch die recht­li­chen Fol­gen sol­cher ihm bekann­ter Tat­sa­chen kennt 2. Dabei wäre hier zu berück­sich­ti­gen, dass die Dienst­bar­kei­ten nicht schon durch § 9 GBBerG begrün­det wor­den sind, son­dern erst mit dem Inkraft­tre­ten von § 1 Satz 1 SachenR-DV, durch den § 9 GBBerG auf die in § 9 Abs. 9 Nr. 1 GBBerG bezeich­ne­ten Abwas­ser­ent­sor­gungs­lei­tun­gen und anla­gen erstreckt wur­de. Mit die­ser Erstre­ckung sind Dienst­bar­kei­ten nicht zur Absi­che­rung jeder Abwas­ser­lei­tung, son­dern nur für Abwas­ser­lei­tun­gen und Anla­gen zur Fort­lei­tung von Abwas­ser begrün­det wor­den, die zur öffent­li­chen Abwas­ser­ent­sor­gung gehö­ren. Kei­nes­wegs ein­deu­tig sind schließ­lich Lage und Umfang sol­cher Rech­te 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2015 – V ZR 133/​14

  1. BGH, Urteil vom 07.11.2014 – V ZR 250/​13, ZfIR 2015, 107 Rn. 18[]
  2. BGH, Urteil vom 29.05.1954 – – II ZR 163/​53, BGHZ 13, 341, 345[]
  3. vgl. zum Schutz­strei­fen bei Was­ser­lei­tun­gen: BGH, Urteil vom 09.05.2014 – V ZR 176/​13, NJW 2014, 2959 Rn. 13[]