Ein­gren­zung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung – in den Entscheidungsgründen

Die Zulas­sung der Revi­si­on kann auf einen selb­stän­di­gen Teil des Gesamt­streit­stoffs beschränkt werden.

Ein­gren­zung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung – in den Entscheidungsgründen

Die Ein­gren­zung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung kann sich bei – wie hier – unein­ge­schränk­ter Zulas­sung im Tenor auch aus den Ent­schei­dungs­grün­den des Beru­fungs­ur­teils erge­ben [1]. Dies kann der Fall sein, wenn die Zulas­sung nur wegen einer bestimm­ten Rechts­fra­ge aus­ge­spro­chen wird. Bezieht sich die Rechts­fra­ge, zu deren Klä­rung das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on zuge­las­sen hat, auf einen abtrenn­ba­ren Teil des Streit­stoffs, ist die Ent­schei­dung grund­sätz­lich so aus­zu­le­gen, dass die Revi­si­on ledig­lich beschränkt auf die­sen Teil des Streit­ge­gen­stands zuge­las­sen wor­den ist [2]. Dem­ge­gen­über ist eine Beschrän­kung der Zulas­sung auf ande­re Rechts­fra­gen, Anspruchs­ele­men­te oder ein­zel­ne von meh­re­ren Anspruchs­grund­la­gen nicht zuläs­sig [3].

So ist auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall den Grün­den des Beru­fungs­ur­teils zu ent­neh­men, dass es dem Beru­fungs­ge­richt bei der Zulas­sungs­ent­schei­dung – wegen einer Diver­genz zum dort erwähn­ten Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen – allein auf die Klä­rung der Fra­ge nach der Pflicht zur Auf­klä­rung über (wei­ter­ge­hen­de) Innen­pro­vi­sio­nen ankam.

Die Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung auf die­se Fra­ge ist zuläs­sig, wenn es sich um einen recht­lich selb­stän­di­gen und abtrenn­ba­ren Teil des Streit­stoffs han­delt, auf den der Klä­ger selbst sei­ne Revi­si­on hät­te begren­zen kön­nen [4].

Vor­aus­set­zung dafür ist eine Selb­stän­dig­keit des von der Zulas­sungs­be­schrän­kung erfass­ten Teils des Streit­stoffs in dem Sin­ne, dass die­ser in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Pro­zess­stoff beur­teilt wer­den und auch im Fall einer Zurück­ver­wei­sung kein Wider­spruch zum nicht anfecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs auf­tre­ten kann [5].

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Es muss sich indes­sen weder um einen eige­nen Streit­ge­gen­stand han­deln, noch muss der betrof­fe­ne Teil des Streit­stoffs auf der Ebe­ne der Beru­fungs­in­stanz teil­ur­teils­fä­hig sein [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. August 2020 – III ZR 148/​19

  1. s. zB BGH, Urtei­le vom 12.12.2013 – III ZR 404/​12, NZG 2014, 144 Rn. 7; vom 18.10.2018 – III ZR 497/​16, NJW 2019, 215, 216 Rn. 11; vom 10.01.2019 – III ZR 109/​17, BKR 2020, 39, 40 Rn. 14; vom 16.05.2019 – III ZR 176/​18, WM 2019, 1203, 1204 Rn. 7; und vom 27.06.2019 – III ZR 93/​18, NVwZ 2019, 1696 Rn. 7; BGH, Urtei­le vom 24.06.2014 aaO Rn.19; und vom 12.05.2015 aaO Rn.19; jeweils mwN[]
  2. s. zB BGH, Urtei­le vom 18.10.2018 aaO; und vom 16.05.2019 aaO; s. auch BGH, Urtei­le vom 24.06.2014 aaO; und vom 12.05.2015 aaO; jeweils mwN[]
  3. s. zB BGH, Urtei­le vom 18.10.2018 aaO; und vom 27.06.2019 aaO; BGH, Urteil vom 19.04.2013 – V ZR 113/​12, NJW 2013, 1948 Rn. 9; jeweils mwN[]
  4. s. dazu zB BGH, Urtei­le vom 12.12.2013 aaO S. 144 f Rn. 8; und vom 18.10.2018 aaO Rn. 13; BGH, Urtei­le vom 24.06.2014 aaO Rn. 18, 20; und vom 12.05.2015 aaO Rn. 18, 20; jeweils mwN[]
  5. s. zB BGH, Urtei­le vom 18.10.2018 aaO; vom 10.01.2019 aaO S. 41 Rn. 16; vom 16.05.2019 aaO Rn. 5; und vom 27.06.2019 aaO; jeweils mwN[]
  6. s. BGH, Urtei­le vom 18.10.2018 aaO; und vom 16.05.2019 aaO; jeweils mwN[]

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