Ver­schie­de­ne Scha­dens­po­si­tio­nen – und das Grund­ur­teil

Macht der Klä­ger einen auf dem­sel­ben tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grund beru­hen­den Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend, der sich aus meh­re­ren Posi­tio­nen berech­net, von denen das Gericht ein­zel­ne als unbe­rech­tigt erkennt, steht dies dem Erlass eines Grund­ur­teils nicht ent­ge­gen und erfor­dert dies auch kei­ne teil­wei­se Klag­ab­wei­sung, denn die Prü­fung, ob und inwie­weit die ein­zel­nen Scha­dens­po­si­tio­nen in einem Ursa­chen­zu­sam­men­hang zur scha­dens­stif­ten­den Hand­lung ste­hen, kann dem Betrags­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben.

Ver­schie­de­ne Scha­dens­po­si­tio­nen – und das Grund­ur­teil

Die in stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH 1 ange­wand­te Aus­le­gungs­re­gel, nach der sog. unter­neh­mens­be­zo­ge­ne Geschäf­te grund­sätz­lich auf ein Han­deln im Namen des Inha­bers hin­deu­ten, wenn nicht beson­de­re Umstän­de etwas Ande­res erge­ben, kommt nur dann zum Tra­gen, wenn der Han­deln­de sein Auf­tre­ten für ein Unter­neh­men hin­rei­chend deut­lich macht. Bestehen Zwei­fel an der Unter­neh­mens­be­zo­gen­heit eines Geschäf­tes – etwa weil das Geschäft auch das eige­ne Unter­neh­men des Ver­tre­ters betref­fen kann – geht dies zu Las­ten des Erklä­ren­den und es greift aus Grün­den der Ver­kehrs­si­cher­heit der Aus­le­gungs­grund­satz des Han­delns im eige­nen Namen ein.

Beauf­tragt ein Bau­herr ver­schie­de­ne Archi­tek­ten mit der Pla­nung unter­schied­li­cher Berei­che und sind die Plä­ne des einen für die Pla­nung des ande­ren von Bedeu­tung, muss der Bau­herr sich etwai­ge Feh­ler in den Plä­nen des einen Archi­tek­ten gegen­über dem ande­ren Archi­tek­ten dann nicht im Sin­ne eines Ver­schul­dens gegen sich selbst nach §§ 254 Abs. 2 Satz 2, 278 BGB als Mit­ver­schul­den zurech­nen las­sen 2, wenn die Pla­nungs­feh­ler den Bereich betref­fen, mit des­sen Pla­nung der ande­re Archi­tekt selbst beauf­tragt war.

Ein Grund­ur­teil darf nur erge­hen, wenn ein Anspruch nach Grund und Höhe strei­tig ist, alle Fra­gen, die zum Grund des Anspruchs gehö­ren, erle­digt sind und nach dem Sach- und Streit­stand zumin­dest wahr­schein­lich ist, dass der Anspruch in irgend­ei­ner Höhe besteht 3. Bei einem Kla­ge­be­geh­ren, das sich aus meh­re­ren – wenn auch in einem ein­zi­gen Leis­tungs­an­trag zusam­men­ge­fass­ten – Teil­an­sprü­chen zusam­men­setzt, darf ein ein­heit­li­ches Grund­ur­teil aller­dings nur dann erge­hen, wenn fest­steht, dass jeder Teil­an­spruch dem Grun­de nach gerecht­fer­tigt ist 4. Das gilt jeden­falls dann unein­ge­schränkt und ohne dass pro­zess­öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen zu einem ande­ren Ergeb­nis füh­ren könn­ten, wenn es sich nicht nur um die Fra­ge han­delt, ob die Ursäch­lich­keit des scha­den­stif­ten­den Ereig­nis­ses hin­sicht­lich aller ein­zel­ner Scha­dens­pos­ten zu beja­hen ist, son­dern wenn das Gericht sogar den Haf­tungs­grund ins­ge­samt für jede ein­zel­ne Teil­for­de­rung in sei­nem Grund­ur­teil nicht beja­hen kann 5.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen eines Grund­ur­teils sind hier erfüllt, denn das Land­ge­richt hat zu jedem ein­zel­nen, der von der Klä­ge­rin behaup­te­ten Män­gel Fest­stel­lun­gen getrof­fen und aus­ge­führt, wel­che die­ser Män­gel vor­lie­gen und inwie­weit die Beklag­ten jeweils aus wel­chem Grund für wel­chen die­ser Män­gel ein­zu­ste­hen haben.

Das Grund­ur­teil ist auch nicht des­halb feh­ler­haft ergan­gen, weil das Land­ge­richt einen Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin wegen ein­zel­ner, von ihr behaup­te­ter Män­gel ver­neint, die Kla­ge aber inso­weit nicht teil­wei­se abge­wie­sen hat.

Auch wenn sowohl die haf­tungs­be­grün­den­de als auch die haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät zum Grund des Anspruchs gehö­ren, muss im Grund­ver­fah­ren der Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der began­ge­nen Ver­let­zung und dem ein­ge­tre­te­nen Scha­den nicht abschlie­ßend geklärt wer­den 6. Wird ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend gemacht, der auf dem­sel­ben tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grund beruht und der zum Zwe­cke der Berech­nung in Ein­zel­pos­ten auf­ge­glie­dert ist, dann kann dem Betrags­ver­fah­ren die Prü­fung vor­be­hal­ten wer­den, ob und inwie­weit die ein­zel­nen Scha­dens­pos­ten in einem Ursa­chen­zu­sam­men­hang zur scha­dens­stif­ten­den Hand­lung ste­hen (eben­da). Wer­den dage­gen Ein­zel­pos­ten eines gel­tend gemach­ten Gesamt­scha­dens auf recht­lich selb­stän­di­ge Ansprü­che gestützt, dann muss die Ursäch­lich­keit des schä­di­gen­den Ereig­nis­ses für jeden Ein­zel­an­spruch im Grund­ver­fah­ren geklärt wer­den.

Das Land­ge­richt hat Ansprü­che der Klä­ge­rin auf Scha­dens­er­satz gegen­über dem Beklag­ten zu 1., der Beklag­ten zu 2. und dem Beklag­ten zu 3. dem Grun­de nach fest­ge­stellt. Ob die ein­zel­nen Posi­tio­nen, die sich zu den von der Klä­ge­rin mit den in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.01.2013 gestell­ten Anträ­gen zu 1. bis 3. gel­tend gemach­ten Beträ­gen auf­sum­mie­ren, tat­säch­lich auf die jeweils fest­ge­stell­ten Män­gel zurück­zu­füh­ren sind, kann dem Betrags­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben.

Die Kla­ge war des­halb nicht nach § 301 Abs. 1 ZPO teil­wei­se abzu­wei­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 24. Juli 2014 – 16 U 59/​13

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 18.05.1998 – II ZR 355/​95[]
  2. BGH Urteil vom 27.11.2008 – VII ZR 206/​06; Urteil vom 15.05.2013 – VII ZR 257/​11[]
  3. vgl. BGH NJW-RR 2007, 305; NJW-RR 2005, 928; NJW 2001, 224[]
  4. vgl. BGH NJW 2001, 224; Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 20.03.2014 – 16 U 57/​13[]
  5. OLG Cel­le, a. a. O.[]
  6. vgl. Musielak in: Musielak, ZPO, 11. Aufl.2014, § 304, Rn.20[]