Voll­stän­di­ger Vor­trag beim Wie­der­ein­set­zungs­an­trag

Nach § 234 Abs. 1, § 236 Abs. 2 ZPO müs­sen alle Tat­sa­chen, die für die Gewäh­rung der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand von Bedeu­tung sein kön­nen, inner­halb der zwei­wö­chi­gen Antrags­frist vor­ge­tra­gen wer­den. Die Umstän­de, aus denen sich ergibt, auf wel­che Wei­se und durch wes­sen Ver­schul­den es zur Ver­säu­mung der Frist gekom­men ist, müs­sen durch eine geschlos­se­ne, aus sich her­aus ver­ständ­li­che Schil­de­rung der tat­säch­li­chen Abläu­fe inner­halb der Frist des § 234 ZPO dar­ge­legt wer­den 1. Kom­men meh­re­re Pflicht­ver­let­zun­gen in Betracht, deren Zusam­men­wir­ken zu der Ver­säu­mung der Frist in dem Sinn geführt haben kön­nen, dass bei Beob­ach­tung bereits einer der Pflich­ten die Frist gewahrt wor­den wäre, so ist zu bei­den Pflich­ten in tat­säch­li­cher Hin­sicht vor­zu­tra­gen.

Voll­stän­di­ger Vor­trag beim Wie­der­ein­set­zungs­an­trag

Der vor­ge­nann­te Vor­trag wäre nach Ablauf der Wie­der­ein­set­zungs­frist nicht mehr zuläs­sig gewe­sen. Dem­entspre­chend war der Beschwer­de­füh­rer nicht gemäß § 139 ZPO auf die Not­wen­dig­keit wei­te­ren Vor­trags hin­zu­wei­sen. Zwar dür­fen erkenn­bar unkla­re oder ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben, deren Auf­klä­rung nach § 139 ZPO gebo­ten ist, noch nach Frist­ab­lauf erläu­tert oder ver­voll­stän­digt wer­den 2. Um einen sol­chen Fall han­delt es sich vor­lie­gend jedoch nicht. Viel­mehr war zu einer geschlos­se­nen, aus sich her­aus ver­ständ­li­chen Schil­de­rung der tat­säch­li­chen Abläu­fe auch zu der Bear­bei­tung der Sache vor der Fris­ten­kon­trol­le am 13./14.02.2013 vor­zu­tra­gen.

Die sich auf die feh­ler­haf­te Fris­ten­kon­trol­le beschrän­ken­den Anga­ben in dem Wie­der­ein­set­zungs­an­trag vom 14.02.2013 waren vor die­sem Hin­ter­grund nicht ledig­lich unklar oder ergän­zungs­be­dürf­tig. Viel­mehr fehl­te der nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen erfor­der­li­che Vor­trag zur Bear­bei­tung der Frist­sa­che vor Frist­ab­lauf voll­stän­dig. Nach Ablauf der Antrags­frist nach­ge­scho­be­ne Tat­sa­chen, die nicht der Erläu­te­rung oder Ergän­zung frist­ge­recht gel­tend gemach­ter Wie­der­ein­set­zungs­vor­aus­set­zun­gen die­nen, müs­sen indes­sen unbe­rück­sich­tigt blei­ben 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2013 – III ZB 84/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 03.07.2008 – IX ZB 169/​07, NJW 2008, 3501 Rn. 15 und vom 12.05.1998 – VI ZB 10/​98, NJW 1998, 2678, 2679; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 21.10.2010 – IX ZB 73/​10, NJW 2011, 458 Rn. 17 und vom 05.10.1999 – VI ZB 22/​99, NJW 2000, 365; jeweils mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 12.05.1998 aaO mwN[]