Begrün­dung einer PKH-ableh­nen­den Beschlus­ses

Wird ein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such für einen beab­sich­tig­ten Rechts­be­helf wegen des­sen man­geln­der Erfolgs­aus­sicht abge­lehnt, so kann der Begrün­dungs­zwang für die­se Ent­schei­dung grund­sätz­lich nicht höher sein als bei einer Ent­schei­dung über einen bereits ein­ge­leg­ten Rechts­be­helf. Andern­falls käme die nicht hin­rei­chend bemit­tel­te Par­tei in den Vor­teil, eine Vor­ab-Aus­kunft über die von ihr beab­sich­tig­te Rechts­mit­tel­be­grün­dung zu erlan­gen.

Begrün­dung einer PKH-ableh­nen­den Beschlus­ses

Ent­schei­dun­gen über eine tat­säch­lich schon ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de erge­hen durch Beschluss, § 72a Abs. 5 Satz 2 ArbGG. Dem Beschluss soll eine kur­ze Begrün­dung bei­gefügt wer­den, § 72a Abs. 5 Satz 4 ArbGG. Davon kann bei einem die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zurück­wei­sen­den oder ver­wer­fen­den Beschluss abge­se­hen wer­den, wenn die Begrün­dung nicht geeig­net wäre, zur Klä­rung der Vor­aus­set­zun­gen bei­zu­tra­gen, unter denen eine Revi­si­on zuzu­las­sen ist, § 72a Abs. 5 Satz 5 ArbGG. Kom­men also bei einer Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de als unbe­grün­det oder bei ihrer Ver­wer­fung als unzu­läs­sig nur bereits geklär­te Vor­aus­set­zun­gen einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zur Anwen­dung, kann von einer Begrün­dung abge­se­hen wer­den.

Gegen erst­in­stanz­li­che Ableh­nun­gen eines Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­suchs kann der Antrag­stel­ler unter Umstän­den sofor­ti­ge Beschwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­le­gen, § 11a Abs. 3 ArbGG iVm. § 127 Abs. 2 Satz 2 ZPO. Gegen Ent­schei­dun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts in Pro­zess­kos­ten­hil­fe­sa­chen ist die Rechts­be­schwer­de statt­haft, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt sie zuge­las­sen hat, § 78 Satz 2 iVm. § 72 Abs. 2 ArbGG, § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Gegen Beschlüs­se des Bun­des­ar­beits­ge­richts in Pro­zess­kos­ten­hil­fe­sa­chen, ob sie Rechts­be­schwer­de­ent­schei­dun­gen oder Ent­schei­dun­gen über die Pro­zess­kos­ten­hil­fe in drit­ter Instanz betref­fen, sind Rechts­mit­tel nicht gege­ben. Grund­sätz­lich bedür­fen mit ordent­li­chen Rechts­mit­teln nicht mehr anfecht­ba­re letzt­in­stanz­li­che gericht­li­che Ent­schei­dun­gen von Ver­fas­sungs wegen kei­ner Begrün­dung 1.

Dies gilt auch für Ent­schei­dun­gen der obers­ten Bun­des­ge­rich­te, mit denen eine Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on im Ergeb­nis zurück­ge­wie­sen wird 2. An die­sen Grund­sät­zen zur Begrün­dung letzt­in­stanz­li­cher Ent­schei­dun­gen ändert sich auch dann nichts, wenn mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör durch die Vor­in­stanz gerügt wird. Von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten ist ledig­lich eine ein­ma­li­ge Kon­trol­le gericht­li­chen Ver­fah­rens­han­delns auf eine Gehörs­ver­let­zung, nicht aber eine Begrün­dung der hier­auf erge­hen­den Ent­schei­dung 3. Die Begrün­dungs­er­leich­te­rung gilt erst recht bei der Ent­schei­dung über die Anhö­rungs­rü­ge.

Somit kann eine Begrün­dung letzt­in­stanz­li­cher gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen nur aus­nahms­wei­se gebo­ten sein. Eine sol­che Aus­nah­me kann vor­lie­gen, wenn von dem ein­deu­ti­gen Wort­laut einer Norm abge­wi­chen wer­den soll und der Grund hier­für nicht ohne Wei­te­res erkenn­bar ist 4 oder sich die Zulas­sungs­grün­de nach der zweit­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung geän­dert haben 5. Eine wei­te­re Aus­nah­me kann gege­ben sein, wenn wesent­li­che, der Rechts­ver­fol­gung und ver­tei­di­gung die­nen­de Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen umfang­reich und detail­liert vor­ge­bracht wur­den und die gericht­li­che Ent­schei­dung hier­zu völ­lig schweigt 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 7. Febru­ar 2012 – 8 AZA 53/​11 (F)

  1. BVerfG 14.06.2007 – 2 BvR 1447/​05, 136/​05, BVerfGE 118, 212, 238; 4.04.1998 – 1 BvR 968/​97, NJW 1998, 3484; 14.11.1989 – 1 BvR 956/​89, BVerfGE 81, 97, 106; 22.01.1982 – 2 BvR 1506/​81, NJW 1982, 925; 28.02.1979 – 2 BvR 84/​79, BVerfGE 50, 287, 289 f.[]
  2. BVerfG 8.12.2010 – 1 BvR 1382/​10NJW 2011, 1497; 8.01.2004 – 1 BvR 864/​03, BVerfGK 2, 213, 220[]
  3. BVerfG 8.12.2010 – 1 BvR 1382/​10, Rn. 21, aaO; 30.04.2003 – 1 PBvU 1/​02, BVerfGE 107, 395, 411 ff.[]
  4. BVerfG 5.11.1985 – 2 BvR 1434/​83, BVerfGE 71, 122, 136[]
  5. BVerfG 29.09.2010 – 1 BvR 2649/​06, Rn. 25 f.[]
  6. BVerfG 25.10.2011 – 2 BvR 2407/​10, Rn. 7; 21.10.1981 – 1 BvR 1024/​79, BVerfGE 58, 353, 357; 1.02.1978 – 1 BvR 426/​77, BVerfGE 47, 182, 189[]