Die Nich­tig­keit einer Betriebs­rats­wahl

Der Antrag, eine Betriebs­rats­wahl „für unwirk­sam” zu erklä­ren, macht nicht nur die Anfecht­bar­keit einer Wahl, son­dern dar­über hin­aus auch die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit zum Gegen­stand des Ver­fah­rens 1.

Die Nich­tig­keit einer Betriebs­rats­wahl

Nach der zutref­fen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts 2 kann von der Nich­tig­keit einer Betriebs­rats­wahl nur in ganz beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len aus­ge­gan­gen wer­den.

Die­ses ist in sol­chen Fäl­len anzu­neh­men, in denen gegen all­ge­mei­ne Grund­sät­ze jeder ord­nungs­ge­mä­ßen Wahl in so hohem Maße ver­sto­ßen wor­den ist, dass auch der Anschein einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Wahl nicht mehr vor­liegt. Vor­aus­set­zung ist, dass der Man­gel offen­kun­dig und des­halb ein Ver­trau­ens­schutz in die Gül­tig­keit der Wahl zu ver­sa­gen ist. Die Betriebs­rats­wahl muss „den Stem­pel der Nich­tig­keit auf der Stirn tra­gen”. Im Unter­schied zur Wahl­an­fech­tung kann die Nich­tig­keit der Wahl auch außer­halb der in § 19 Abs. 2 Satz 2 BetrVG bestimm­ten Anfech­tungs­frist jeder­zeit von jeder­mann gel­tend gemacht wer­den, der dar­an ein berech­tig­tes Inter­es­se hat. 3.

Ver­stö­ße gegen die Vor­ga­be in § 7 BetrVG sowie § 2 Abs. 4 S. 1 WO-BetrVG, wonach der Kreis der wahl­be­rech­tig­ten Beschäf­tig­ten bestimmt ist und unter ande­rem ein Abdruck der Wäh­ler­lis­te bis zum Abschluss der Stimm­ab­ga­be an geeig­ne­ter Stel­le im Betrieb aus­zu­le­gen ist, ist jeden­falls nicht als beson­ders grob ein­zu­stu­fen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Beschluss vom 16. Juli 2015 – 18 TaBV 1/​15

  1. sie­he dazu BAG, 10.06.1983 – 6 ABR 50/​82
  2. zuletzt BAG 23.07.2014 – 7 ABR 23/​12 – juris; BAG 13.03.2013 – 7 ABR 70/​11
  3. st. Rspr., vgl. BAG 23.07.2014 – 7 ABR 23/​12 aaO. mwN.