Aus­set­zung des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens

Nach § 74 FGO kann ein Finanz­ge­richt die Aus­set­zung eines bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­rens anord­nen, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits ganz oder zum Teil von dem Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Rechts­ver­hält­nis­ses abhängt, das den Gegen­stand eines ande­ren anhän­gi­gen Rechts­streits bil­det.

Aus­set­zung des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens

Dar­über hin­aus kommt nach der Recht­spre­chung des BFH eine Aus­set­zung des Kla­ge­ver­fah­rens ent­spre­chend § 74 FGO in Betracht, wenn vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits ein nicht als aus­sichts­los erschei­nen­des Mus­ter­ver­fah­ren gegen eine im Streit­fall anzu­wen­den­de Norm anhän­gig ist, zahl­rei­che Par­al­lel­ver­fah­ren vor­lie­gen und kei­ner der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein beson­de­res berech­tig­tes Inter­es­se an einer Ent­schei­dung über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der umstrit­te­nen gesetz­li­chen Rege­lung trotz des beim BVerfG anhän­gi­gen Ver­fah­rens hat 1.

Ein Kla­ge­ver­fah­ren darf jedoch nicht allein des­halb nach § 74 FGO aus­ge­setzt wer­den, weil bei dem BFH ein ande­rer Rechts­streit anhän­gig ist, der eine ver­gleich­ba­re Rechts­fra­ge betrifft oder als Mus­ter­ver­fah­ren geführt wird 2. In einem sol­chen Fall kön­nen viel­mehr beim Finanz­ge­richt schwe­ben­de Par­al­lel­ver­fah­ren nur gemäß § 251 ZPO i.V.m. § 155 FGO zum Ruhen gebracht wer­den, wozu es jedoch u.a. der –im vor­lie­gen­den Fall feh­len­den– Zustim­mung des Klä­gers bedarf.

Allein der Hin­weis auf vor dem BFH bereits anhän­gi­ge Ver­fah­ren, die die glei­che strei­ti­ge Rechts­fra­ge betref­fen, reicht für eine Aus­set­zung nach § 74 FGO nicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2012 – VI B 79/​12

  1. BFH, Beschluss vom 28.06.2010 – III B 73/​10, BFH/​NV 2010, 1847, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Ent­schei­dun­gen in BFH/​NV 2010, 1847; vom 06.05.2005 – XI B 181/​04, BFH/​NV 2005, 1607; vom 09.03.2004 – X B 173/​03, BFH/​NV 2004, 956; vom 28.01.2004 – I B 71/​03 u.a., BFH/​NV 2004, 915; vom 31.08.1999 – V B 20/​98, BFH/​NV 2000, 245; vom 07.02.1992 – III B 24/​91 u.a., BFHE 166, 418, BSt­Bl II 1992, 408; vom 08.06.1990 – III R 41/​90, BFHE 161, 1, BSt­Bl II 1990, 944, und vom 21.08.1986 – VI B 91/​85, BFH/​NV 1987, 43; Thür­mer in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 74 FGO Rz 90; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 74 FGO Rz 14; Stö­cker in Beermann/​Gosch, FGO § 74 Rz 5 f.; offen BFH-Ent­schei­dun­gen vom 01.04.2009 – II B 20/​09, juris, und vom 15.03.2006 – X B 8/​06, BFH/​NV 2006, 1140; a.A. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 74 Rz 12; Dum­ke in Schwarz, FGO § 74 Rz 61[]