Die Kla­ge gegen einen Null­be­scheid

Die Beschwer durch einen Steu­er­be­scheid ergibt sich grund­sätz­lich aus der Steu­er­fest­set­zung. Eine auf 0 EUR lau­ten­de Steu­er­fest­set­zung belas­tet den Steu­er­pflich­ti­gen regel­mä­ßig nicht. Des­halb ist eine Anfech­tungs­kla­ge gegen einen sog. Null­be­scheid im All­ge­mei­nen unzu­läs­sig [1].

Die Kla­ge gegen einen Null­be­scheid

Die­ser Grund­satz erfährt jedoch eine Aus­nah­me, wenn die zu nied­ri­ge Steu­er­fest­set­zung sich in bin­den­der Wei­se auf einem ande­ren recht­li­chen Gebiet ungüns­tig aus­wirkt, weil der Rege­lungs­ge­halt des Steu­er­be­scheids aus­nahms­wei­se über die blo­ße Steu­er­fest­set­zung hin­aus­reicht [2]. Die­ser Maß­stab ist auch bei sog. Null-Fest­set­zun­gen anzu­wen­den [3].

Eine sol­che inhalt­li­che Ver­knüp­fung zwi­schen Steu­er­fest­set­zungs- und Steu­er­erhe­bungs­ver­fah­ren stellt die Rege­lung des § 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG her. Danach wird auf die Ein­kom­men­steu­er die durch Steu­er­ab­zug erho­be­ne Ein­kom­men­steu­er ange­rech­net, soweit sie auf die bei der Ver­an­la­gung erfass­ten Ein­künf­te ent­fällt und nicht die Erstat­tung bean­tragt oder durch­ge­führt wor­den ist. Der BFH hat aus die­sem Grun­de die Anfech­tung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids mit dem Ziel der Anrech­nung der Abzugs­steu­er als zuläs­sig ange­se­hen [4].

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 15.04.2010 – V R 11/​09, BFH/​NV 2010, 1830, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 17.06.2009 – VI R 46/​07, BFHE 226, 53, BStBl II 2010, 72[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 01.08.2008 – VIII B 154/​07[]
  4. BFH, Urteil vom 19.07.1994 – VIII R 58/​92, BFHE 176, 317, BStBl II 1995, 362; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 08.11.1985 – VI R 238/​80, BFHE 145, 198, BStBl II 1986, 186, und vom 13.11.1987 – VI R 4/​84, BFH/​NV 1988, 566[]