Glatt­stel­lung von Opti­ons­ge­schäf­ten – und die Glatt­stel­lungs­prä­mi­en

Prä­mi­en, die der Still­hal­ter für die Ein­räu­mung einer Opti­on (Eröff­nungs­ge­schäft) ver­ein­nahmt, unter­fal­len den sons­ti­gen Ein­künf­ten i.S. des § 22 Nr. 3 EStG 1990.

Glatt­stel­lung von Opti­ons­ge­schäf­ten – und die Glatt­stel­lungs­prä­mi­en

Die vom Still­hal­ter sei­ner­seits gezahl­ten Prä­mi­en für den Erwerb gleich­ar­ti­ger, gegen­läu­fi­ger Optio­nen zur Glatt­stel­lung der eröff­ne­ten Posi­ti­on sind im Rah­men eines Gegen­ge­schäf­tes als hier­auf bezo­ge­ne Wer­bungs­kos­ten (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG 1990) anzu­se­hen, weil sie auf­ge­wandt wer­den, um die Ein­nah­men aus dem Still­hal­ter­ge­schäft zu sichern1.

Zwar sind Wer­bungs­kos­ten grund­sätz­lich für das Kalen­der­jahr abzu­set­zen, in dem sie geleis­tet wor­den sind (§ 11 Abs. 2 Satz 1 EStG 1990). Sie müs­sen aber ‑wie sich aus den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in § 11 Abs. 1 und 2 EStG 1990 ergibt- nicht voll­stän­dig nach einem stren­gen Abfluss­prin­zip erfasst wer­den. Aus­nah­men kön­nen sich aus einer abwei­chen­den gesetz­li­chen Rege­lung oder zwangs­läu­fig aus der Art ein­ma­li­ger Leis­tun­gen i.S. des § 22 Nr. 3 EStG 1990 erge­ben2.

Der BFH hat hier­zu im Fall einer ein­ma­li­gen Ver­mitt­lungs­leis­tung i.S. des § 22 Nr. 3 EStG 1990 ‑im Anschluss an sei­ne Recht­spre­chung zu Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­ten (§ 22 Nr. 2, § 23 EStG 1990; s. BFH, Urteil vom 17.07.1991 – X R 6/​91, BFHE 165, 85, BSt­Bl II 1991, 916)- aus­ge­führt, dass das Abfluss­prin­zip des § 11 Abs. 2 EStG 1990 zwar bei regel­mä­ßi­gen Leis­tun­gen, nicht aber bei ein­ma­li­gen (sons­ti­gen) Leis­tun­gen anzu­wen­den ist, die eben­so wie Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te dadurch gekenn­zeich­net sind, dass sie nicht auf Wie­der­ho­lung ange­legt sind3. Glei­ches gilt im Rah­men eines Still­hal­ter­ge­schäf­tes, das eben­falls als ein­ma­li­ge sons­ti­ge Leis­tung anzu­se­hen ist4. § 22 Nr. 3 EStG 1990 ist als punk­tu­el­ler Besteue­rungs­tat­be­stand kon­tu­riert, der erst abge­schlos­sen ist, wenn end­gül­tig fest­steht, dass der Steu­er­pflich­ti­ge den Erlös behal­ten darf und kei­ne wei­te­ren Wer­bungs­kos­ten anfal­len5. Im Bereich der Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te wur­de das u.a. damit begrün­det, dass die Vor­schrift mit § 23 Abs. 3 (spä­ter Abs. 4) EStG 1990 eine eigen­stän­di­ge, § 11 Abs. 2 EStG 1990 durch­bre­chen­de „Gewinn­ermitt­lungs­vor­schrift” beinhal­te6. Hier­an anschlie­ßend hat der BFH auch für die ein­ma­li­gen (sons­ti­gen) Leis­tun­gen i.R. des § 22 Nr. 3 EStG 1990 erkannt, dass in ent­spre­chen­der Wei­se eine punk­tu­el­le Über­schuss­ermitt­lung zu erfol­gen habe, um Wer­tungs­wi­der­sprü­che zu ver­mei­den und der Eigen­art und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der ein­ma­li­gen sons­ti­gen Leis­tun­gen und der Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te gerecht zu wer­den7.

Die Glatt­stel­lungs­prä­mie, mit der das über die Deut­sche Ter­min­bör­se eröff­ne­te Still­hal­ter­ge­schäft geschlos­sen wur­de, ist danach im Jahr des Ein­nah­me­zu­flus­ses und nicht nach § 11 Abs. 2 EStG 1990 abzu­zie­hen.

Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass der Bun­des­fi­nanz­hof für das Streit­jahr 1996 ‑sowie für das Jahr 1995- auf­grund ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung im Anschluss an den (zu lau­fen­den sons­ti­gen Ein­künf­ten ergan­ge­nen) Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in BVerfGE 99, 88 das Ver­lust­aus­gleichs- und -abzugs­ver­bot des § 22 Nr. 3 Satz 3 EStG 1995 für unan­wend­bar erach­tet hat4 und die Neu­re­ge­lung einer Ver­lust­aus­gleichs­be­schrän­kung in § 22 Nr. 3 Sät­ze 3 und 4 EStG 1997 durch das Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999÷2000÷2002 vom 24.03.19998 erst ab dem 1.01.1999 ein­griff. Denn am Cha­rak­ter als Besteue­rungs­tat­be­stand für ein­ma­li­ge Leis­tun­gen und an der zu § 23 Abs. 3 bzw. 4 Satz 1 EStG 1990 par­al­le­len Über­schuss­ermitt­lung ändert der (zeit­wei­se mög­li­che) unbe­schränk­te Ver­lust­aus­gleich nichts. Dem ent­spricht es, dass der BFH auch nach der Ent­schei­dung in BFHE 217, 562, BSt­Bl II 2007, 606 an der das Abfluss­prin­zip durch­bre­chen­den Recht­spre­chung fest­ge­hal­ten hat9.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. August 2015 – I R 38/​12

  1. BFH, Urtei­le vom 10.02.2015 – IX R 8/​14, BFH/​NV 2015, 830; vom 13.02.2008 – IX R 68/​07, BFHE 220, 436, BSt­Bl II 2008, 522; vom 17.04.2007 – IX R 23/​06, BFHE 217, 562, BSt­Bl II 2007, 606; vom 29.06.2004 – IX R 26/​03, BFHE 206, 418, BSt­Bl II 2004, 995; s. auch BFH, Urteil vom 11.02.2014 – IX R 46/​12, BFH/​NV 2014, 1025
  2. vgl. nur BFH, Urteil vom 17.04.1996 – I R 78/​95, BFHE 180, 559, BSt­Bl II 1996, 571
  3. vgl. BFH, Urteil vom 03.06.1992 – X R 91/​90, BFHE 168, 272, BSt­Bl II 1992, 1017; s.a. BFH, Urteil vom 25.02.2009 – IX R 33/​07, BFH/​NV 2009, 1253, sowie Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ‑BVerfG- vom 30.09.1998 2 BvR 1818/​91, BVerfGE 99, 88
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 217, 562, BSt­Bl II 2007, 606
  5. s. BFH, Urteil in BFHE 168, 272, BSt­Bl II 1992, 1017: „Ein­mal­tat­be­stand”
  6. vgl. BFH, Urteil in BFHE 165, 85, BSt­Bl II 1991, 916
  7. vgl. BFH, Urteil in BFHE 168, 272, BSt­Bl II 1992, 1017
  8. BGBl I 1999, 402, BSt­Bl I 1999, 304
  9. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 1253