Steu­er­haf­tung – und die Fest­set­zungs­frist für die Haf­tungs­be­trä­ge

Die Fest­set­zungs­frist für die Haf­tungs­be­trä­ge beträgt grund­sätz­lich vier Jah­re (§ 191 Abs. 3 Satz 2 AO).

Steu­er­haf­tung – und die Fest­set­zungs­frist für die Haf­tungs­be­trä­ge

Die Fest­set­zungs­frist beginnt nach § 191 Abs. 3 Satz 3 AO mit Ablauf des Kalen­der­jah­res, in dem der Tat­be­stand ver­wirk­licht wor­den ist, an den das Gesetz die Haf­tungs­fol­ge knüpft.

Inso­weit ist auf die Ver­wirk­li­chung der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen einer Haf­tungs­norm sowie die Ent­ste­hung der Steu­er­schuld abzu­stel­len.

Es ergibt sich kei­ne Ver­län­ge­rung der Fest­set­zungs­frist zum Erlass des Haf­tungs­be­schei­des auf zehn oder fünf Jah­re gemäß § 169 Abs. 2 Satz 2 AO, wenn die Finanz­be­hör­de die Inhaf­tung­nah­me nicht mehr auf § 71 AO, son­dern allein auf § 69 AO stützt. Hier­für gelangt die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rung zur Anwen­dung 1.

Jedoch kann die Ablauf­hem­mung nach § 171 Abs. 5 in Ver­bin­dung mit § 191 Abs. 3 Satz 1 AO ein­tre­ten: Der § 171 Abs. 5 AO fin­det über den Ver­weis in § 191 Abs. 3 Satz 1 AO grund­sätz­lich auch für Haf­tungs­be­schei­de Anwen­dung 2.

Vor­aus­set­zung für die ver­jäh­rungs­hem­men­de Wir­kung der Ermitt­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen ist nach dem Geset­zes­wort­laut, dass Ermitt­lungs­hand­lun­gen vor Ablauf der Fest­set­zungs­frist tat­säch­lich vor­ge­nom­men wor­den sind. Dar­über hin­aus muss für den Steu­er­pflich­ti­gen erkenn­bar sein, dass in sei­nen Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten ermit­telt wird 3.

§ 171 Abs. 5 AO bestimmt kei­ne Frist, inner­halb derer die Ermitt­lungs­er­geb­nis­se des Steu­er­straf­ver­fah­rens durch den Erlass von Steu­er­be­schei­den aus­zu­wer­ten sind. Dies hat zur Fol­ge, dass die Ablauf­hem­mung trotz Abschlus­ses der Ermitt­lun­gen wei­ter­läuft, solan­ge von der Finanz­be­hör­de kei­ne Steu­er­be­schei­de erlas­sen wor­den sind. Eine zeit­li­che Gren­ze für die Ablauf­hem­mung ergibt sich nicht aus einer ana­lo­gen Anwen­dung des § 171 Abs. 4 Satz 3 AO, da es hier­für auf­grund des aus­drück­li­chen Ver­wei­ses in § 171 Abs. 5 Satz 1 AO auf § 171 Abs. 4 Satz 2 AO an einer Geset­zes­lü­cke fehlt. Die Dau­er der Ablauf­hem­mung des § 171 Abs. 5 AO wird daher nur durch das Insti­tut der Ver­wir­kung begrenzt. Die­se tritt nicht allein durch Zeit­ab­lauf ein, son­dern setzt wei­te­re Umstän­de vor­aus, die eine Auf­ga­be des Ein­fuhr­ab­ga­ben­an­spruchs durch die Zoll­be­hör­den schlie­ßen las­sen 4.

Finanz­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 19. Okto­ber 2016 – 3 K 86/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 22.04.2008 – VII R 21/​07, BFHE 220, 319, BSt­Bl II 2008, 735[]
  2. vgl. FG Ham­burg Urteil vom 30.05.2011 – 2 K 154/​10, EFG 2012, 13[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 16.04.1997 – XI R 61/​94, BFHE 183, 13, BSt­Bl II 1997, 595[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 17.12 2015 – V R 58/​14, BFHE 252, 5, BSt­Bl II 2016, 574[]