Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz

Die Wür­di­gung der Bewei­se ist Sache des Tat­ge­richts, das sich unter dem umfas­sen­den Ein­druck der Haupt­ver­hand­lung ein Urteil über die Schuld des Ange­klag­ten zu bil­den hat (§ 261 StPO).

Beweis­wür­di­gung – und ihre Über­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz

Die tat­säch­li­chen Schluss­fol­ge­run­gen des Tat­ge­richts müs­sen nicht zwin­gend sein; es genügt, dass sie mög­lich sind und das Tat­ge­richt von ihrer Rich­tig­keit über­zeugt ist [1]. Das Revi­si­ons­ge­richt ist auf die Prü­fung beschränkt, ob die Beweis­wür­di­gung des Tat­ge­richts mit Rechts­feh­lern behaf­tet ist, weil sie Lücken oder Wider­sprü­che auf­weist, mit den Denk­ge­set­zen oder gesi­cher­tem Erfah­rungs­wis­sen nicht über­ein­stimmt oder sich so weit von einer Tat­sa­chen­grund­la­ge ent­fernt, dass sich die gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen letzt­lich als rei­ne Ver­mu­tung erwei­sen [2].

Zudem muss das Urteil erken­nen las­sen, dass das Tat­ge­richt sol­che Umstän­de, die geeig­net sind, die Ent­schei­dung zu Guns­ten oder zu Unguns­ten des Ange­klag­ten zu beein­flus­sen, erkannt und in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen hat.

Dabei dür­fen die ein­zel­nen Beweis­ergeb­nis­se nicht nur iso­liert gewer­tet wer­den, son­dern müs­sen in eine umfas­sen­de Gesamt­wür­di­gung ein­ge­stellt wor­den sein [3].

Ein Erör­te­rungs­man­gel und damit eine Lücke sind gege­ben, wenn sich der Tatrich­ter mit tat­säch­lich vor­han­de­nen Anhalts­punk­ten für nahe lie­gen­de ande­re Mög­lich­kei­ten nicht aus­ein­an­der­ge­setzt hat [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 1 StR 306/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 30.03.2004 – 1 StR 354/​03, NStZ-RR 2004, 238; vom 01.07.2008 – 1 StR 654/​07; und vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, BGHSt 58, 212; und vom 11.11.2015 – 1 StR 235/​15, NStZ-RR 2016, 47[]
  3. BGH, Urtei­le vom 05.12 2013 – 4 StR 371/​13, NStZ-RR 2014, 87; vom 02.04.2015 – 3 StR 635/​14; und vom 12.01.2017 – 1 StR 360/​16, NStZ-RR 2017, 185[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 26.01.2017 – 1 StR 385/​16 mwN[]