Stö­rung der Affekt­ver­ar­bei­tung – und die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Die Anord­nung der Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus setzt u.a. die posi­ti­ve Fest­stel­lung eines län­ger andau­ern­den, nicht nur vor­über­ge­hen­den Zustands vor­aus, der zumin­dest eine erheb­li­che Ein­schrän­kung der Schuld­fä­hig­keit im Sin­ne des § 21 StGB sicher begrün­det [1].

Stö­rung der Affekt­ver­ar­bei­tung – und die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Die auf eine Per­sön­lich­keits­stö­rung in Kom­bi­na­ti­on mit der Grund­an­span­nung zurück­zu­füh­ren­de Dis­po­si­ti­on des Ange­klag­ten, in bestimm­ten Belas­tungs­si­tua­tio­nen wegen man­geln­der Fähig­keit zur Impuls­kon­trol­le in den Zustand erheb­lich ver­min­der­ter Steue­rungs­fä­hig­keit zu gera­ten, reicht zur Beja­hung eines dau­ern­den Zustands im Sin­ne des § 63 StGB nicht aus [2].

Denn die Stö­rung der Affekt­ver­ar­bei­tung führt erst in Kom­bi­na­ti­on mit der – auf­grund sozia­ler Ver­ein­sa­mung und Iso­la­ti­on ent­stan­de­ner – Grund­an­span­nungs­la­ge und einer zusätz­li­chen Belas­tungs­si­tua­ti­on zur tief­grei­fen­den Bewusst­seins­stö­rung, wobei der Alko­hol­kon­sum „zu einer zusätz­li­chen Ent­hem­mung“ führt. Ein dau­er­haft bestehen­der, den Täter beein­träch­ti­gen­der psy­chi­scher Zustand ist damit nicht aus­rei­chend belegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Juni 2015 – 2 StR 358/​14

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 06.03.1986 – 4 StR 40/​86, BGHSt 34, 22, 27; Beschluss vom 06.02.1997 – 4 StR 672/​96, BGHSt 42, 385 f.; BGH, Beschluss vom 01.04.2014 – 2 StR 602/​13, inso­weit in NStZ-RR 2014, 207 nicht abge­druckt[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.12 2004 – 4 StR 452/​04; vom 26.01.2007 – 2 StR 582/​06, BGHR StGB § 63 Zustand 39; vom 10.01.2008 – 4 StR 626/​07, NStZ-RR 2008, 140, 141[]