Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Kon­sum im Über­maß

Der Hang im Sin­ne von § 64 StGB ver­langt eine chro­ni­sche, auf kör­per­li­cher Sucht beru­hen­de Abhän­gig­keit oder zumin­dest eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­scher Dis­po­si­ti­on beru­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne inten­si­ve Nei­gung, immer wie­der Alko­hol oder ande­re Rausch­mit­tel im Über­maß zu sich zu neh­men.

Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Kon­sum im Über­maß

Aus­rei­chend für die Annah­me eines Hangs zum über­mä­ßi­gen Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls, dass der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Kon­sum­ge­wohn­hei­ten sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint.

Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­ge­nuss bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit erheb­lich beein­träch­tigt sind, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Hangs zukom­men. Das Feh­len die­ser Beein­träch­ti­gun­gen schließt indes nicht not­wen­di­ger­wei­se die Beja­hung eines Hangs aus, der ins­be­son­de­re bei Beschaf­fungs­kri­mi­na­li­tät in Betracht kommt 1.

Auch ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Maß­re­gel des § 64 StGB in ers­ter Linie dem Schutz der Öffent­lich­keit vor gefähr­li­chen Tätern dient 2 und des­halb auch die Gefähr­lich­keit des Täters für das Merk­mal des Hangs wesent­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. August 2016 – 3 StR 287/​16

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210; Beschluss vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198, 199 mwN; Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13 10[]
  2. BGH, Urteil vom 21.03.1979 – 2 StR 743/​78, BGHSt 28, 327, 328, 332; Beschluss vom 15.05.1996 – 1 StR 257/​96, NStZ-RR 1996, 257[]
  3. zum beschei­nig­ten Zeit­punkt[]