Anwalt­li­che Prü­fungs­pflich­ten bei der Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Von einem Rechts­an­walt, der das Man­dat zur Füh­rung eines Pro­zes­ses vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt annimmt, ist zu ver­lan­gen, dass sein Sach­vor­trag voll­stän­dig ist und er die Erfolgs­aus­sich­ten einer beab­sich­tig­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­hend abwägt.

Anwalt­li­che Prü­fungs­pflich­ten bei der Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Das zumin­dest urteil­te jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und ver­häng­te gegen den Rechts­an­walt eine Miss­brauchs­ge­bühr von 500,- €. Denn, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben darf das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht durch eine sinn­ent­leer­te Inan­spruch­nah­me sei­ner Arbeits­ka­pa­zi­tät behin­dert wer­den 1.

Die­sem Ver­dikt der Karls­ru­her Ver­fas­sungs­rich­ter lag eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zugrun­de, in der eine Kos­ten­ent­schei­dung eines Amts­ge­richts ange­foch­ten wur­de, obwohl von der Gegen­sei­te bereits eine Beru­fung ein­ge­legt wor­den war. Eine Ände­rung bzw. nach­träg­li­che Recht­fer­ti­gung der – wohl objek­tiv will­kür­li­chen – Kos­ten­ent­schei­dung hät­te im Beru­fungs­ver­fah­ren des Geg­ners oder durch die Ein­le­gung einer Anschluss­be­ru­fung der Beschwer­de­füh­re­rin (§ 524 ZPO) erreicht wer­den kön­nen 2. Ihr war die Ein­le­gung der Anschluss­be­ru­fung auch zumut­bar (vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.01.2006 – 1 BvR 2483/​05, NJW 2006, 1505)). Im vor­lie­gen­den Fall kommt, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den, hin­zu, dass schon die Beru­fungs­ein­le­gung durch die Gegen­sei­te die Mög­lich­keit eröff­ne­te, dass die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­ne – wohl objek­tiv will­kür­li­che – Kos­ten­ent­schei­dung des Amts­ge­richts ent­we­der geän­dert oder auf­grund einer abwei­chen­den Ent­schei­dung des Land­ge­richts in der Haupt­sa­che nach­träg­lich gerecht­fer­tigt wür­de 3.

Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beschwer­de­füh­re­rin hat­te dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die dafür maß­geb­li­chen Tat­sa­chen nicht mit­ge­teilt. Von einem Rechts­an­walt, der das Man­dat zur Füh­rung eines Pro­zes­ses vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt annimmt, ist aber zu ver­lan­gen, dass sein Sach­vor­trag voll­stän­dig ist und er die Erfolgs­aus­sich­ten einer beab­sich­tig­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­hend abwägt.

Die Miss­brauchs­ge­bühr wur­de nicht gegen den Beschwer­de­füh­rer ver­hängt, son­dern gegen des­sen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten.

Aber auch einen zwei­ten Beschwer­de­füh­rer traf die Ver­hän­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: Die von einem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de, der sich auf Art. 3 und Art. 14 GG beruft, weil er zu rück­stän­di­gen Wohn­gel­dern ver­ur­teilt wur­de, war eben­falls nicht erfolg­reich. Die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor­ge­brach­ten Rügen waren ohne ver­fas­sungs­recht­li­che Sub­stanz und die Anru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts war des­halb daher offen­sicht­lich aus­sichts­los. Macht nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts eine Miss­brauchs­ge­bühr in Höhe von 300,– € gegen den Beschwer­de­füh­rer.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2009 – 1 BvR 829/​09
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Okto­ber 2009 – 2 BvR 2300/​09

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.11.1995 – 2 BvR 1806/​95, NJW 1996, 1273, 1274; stRspr[]
  2. vgl. BGHZ 17,392, 397[]
  3. vgl. Heß­ler, in: Zöl­ler, ZPO, 28. Aufl. 2010, § 524 Rn. 35 m.w.N.[]