Die Wahl zum neu­en Lan­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Unter­la­gen

Ist das Wahl­ver­fah­ren für die Neu­be­set­zung der Stel­le des Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR nicht zu bean­stan­den, kann dem Minis­ter­prä­si­den­ten des Lan­des nicht unter­sagt wer­den, die neu gewähl­te Per­son zur Lan­des­be­auf­trag­ten zu ernen­nen. Eine wei­ter­ge­hen­de gericht­li­che Kon­troll­mög­lich­keit besteht nicht.

Die Wahl zum neu­en Lan­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Unter­la­gen

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Eil­an­tra­ges eines Mit­be­wer­bers ent­schie­den, der damit die Ernen­nung von Frau Neu­mann-Becker als vom Land­tag Sach­sen-Anhalts gewähl­te neue Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR ver­hin­dern woll­te.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Hal­le waren kei­ne Feh­ler beim Wahl­ver­fah­ren fest­zu­stel­len. Eine voll­stän­di­ge gericht­li­che Kon­trol­le sei aber bei der durch die Wahl im Land­tag getrof­fe­ne Aus­wahl­ent­schei­dung nicht mög­lich. So kön­ne das Gericht das Wahl­ver­fah­ren und die Fest­stel­lung des Ergeb­nis­ses über­prü­fen. Dazu gehö­re auch die Fra­ge, ob Kan­di­da­ten zu Unrecht aus­ge­schlos­sen wor­den sei­en. Nicht aber kön­ne das Gericht das poli­ti­sche Ermes­sen über­prü­fen, das bei der Beset­zung von öffent­li­chen Ämtern auf der Grund­la­ge von Wah­len immer vor­han­den sein müs­se.

In der Fra­ge, ob die vom Mit­be­wer­ber gerüg­te gesetz­li­che Rege­lung, wonach der Lan­des­be­auf­trag­te bis zum 9. Novem­ber 1989 sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in den neu­en Bun­des­län­dern gehabt haben soll, zu bean­stan­den ist, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt offen gelas­sen. Die­se Rege­lung habe sich näm­lich nicht zu Las­ten des Mit­be­wer­bers aus­ge­wirkt. Die­ser erfül­le zwar die­se Vor­aus­set­zung nicht, sei aber gleich­wohl zur Wahl im Land­tag zuge­las­sen wor­den. Auch sei die­se Vor­aus­set­zung weder in der Beschluss­vor­la­ge des Land­ta­ges noch in der Land­tags­sit­zung selbst the­ma­ti­siert wor­den. Viel­mehr gehör­te der Mit­be­wer­ber zu den Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern, die dem Land­tag zur Wahl vor­ge­schla­gen wor­den sei­en. In der Beschluss­vor­la­ge des Land­ta­ges hei­ße es, aus die­sem Bewer­ber­kreis kön­ne der Land­tag eine Landesbeauftragte/​einen Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR wäh­len.

Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le, Beschluss vom 9. August 2012 – 5 B 216/​12 HAL