Die Betei­li­gung der Frau­en­ver­tre­te­rin bei der Abmah­nung

Nach dem Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­setz Ber­lin ist die Frau­en­ver­tre­te­rin bei allen sozia­len, orga­ni­sa­to­ri­schen und per­so­nel­len Maß­nah­men zu betei­li­gen, unab­hän­gig davon, ob im kon­kre­ten Fall ein Mann oder eine Frau betrof­fen ist. Zu die­sen Maß­nah­men zählt auch die Abmah­nung eines Beschäf­tig­ten.

Die Betei­li­gung der Frau­en­ver­tre­te­rin bei der Abmah­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Betei­li­gungs­rech­te der Frau­en­ver­te­te­rin der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) als ver­letzt ange­se­hen. Die BVG hat­te im Juni 2012 einen Omni­bus­fah­rer abge­mahnt, weil die­ser in drei Fäl­len einen Bus über meh­re­re Meter frei­hän­dig geführt haben soll. Die Klä­ge­rin, die zustän­di­ge Frau­en­ver­tre­te­rin der BVG, war hier­an nicht betei­ligt wor­den. Mit ihrer Fest­stel­lungs­kla­ge mach­te die Klä­ge­rin die Ver­let­zung ihrer Betei­li­gungs­rech­te gel­tend. Bei der Abmah­nung han­de­le es sich um eine per­so­nel­le Maß­nah­me, die die Rechts­stel­lung des Beschäf­tig­ten berüh­re. Für die Betei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung habe das Bun­des­ar­beits­ge­richt dies in par­al­le­len Fäl­len bereits ent­schie­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin sich auf das Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­setz bezo­gen, nach dem die Frau­en­ver­tre­te­rin bei allen sozia­len, orga­ni­sa­to­ri­schen und per­so­nel­len Maß­nah­men zu betei­li­gen sei. Die Abmah­nung stel­le eine sol­che per­so­nel­le Maß­nah­me dar, weil sie vom Arbeit­ge­ber etwa im Rah­men eines künf­ti­gen Kün­di­gungs­ver­fah­rens oder eines Zeug­nis­ses zulas­ten des Beschäf­tig­ten berück­sich­tigt wer­den kön­ne. Uner­heb­lich sei, dass die Abmah­nung die aktu­el­le Rechts­stel­lung des Beschäf­tig­ten nicht beein­träch­ti­ge. Eine Abmah­nung sei auch ein Mit­tel, das vom Arbeit­ge­ber dis­kri­mi­nie­rend ein­ge­setzt wer­den könn­te, etwa indem er Frau­en und Män­ner unter­schied­lich abmah­ne. Um eine sol­che poten­ti­el­le Dis­kri­mi­nie­rung von vorn­her­ein aus­zu­schlie­ßen, sei es nach der Ziel­set­zung des Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­set­zes erfor­der­lich, die Frau­en­ver­tre­te­rin bei jeder Abmah­nung zu betei­li­gen, unab­hän­gig davon, ob im kon­kre­ten Fall ein Mann oder eine Frau betrof­fen sei und ob das vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten gleich­stel­lungs­recht­lich rele­vant sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – VG 5 K 379.12