Schü­ler­be­för­de­rung zur Mis­si­ons­schu­le

Für die Über­nah­me von Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten ist nicht immer die Ent­fer­nung zur nächs­ten Schu­le (etwa zum nächs­ten Gym­na­si­um) ent­schei­dend. Die Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten müs­sen nach dem Nie­der­säch­si­schen Lan­des­schul­ge­setz viel­mehr auch beim Besuch einer wei­ter ent­fernt lie­gen­den Schu­le über­nom­men wer­den, wenn deren Besuch (statt dem der nächst­ge­le­ge­nen) auf nach­voll­zieh­ba­ren päd­ago­gi­schen Erwä­gun­gen beruht.

Schü­ler­be­för­de­rung zur Mis­si­ons­schu­le

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück den den Land­kreis Graf­schaft Bent­heim ver­pflich­tet, die Kos­ten der Beför­de­rung einer Schü­le­rin zum Mis­si­ons­gym­na­si­um Bar­del zu über­neh­men. Der Land­kreis Graf­schaft Bent­heim hat­te dies abge­lehnt, weil er mein­te, maß­geb­lich für die Über­nah­me der Beför­de­rungs­kos­ten sei die Ent­fer­nung zur nächst­ge­le­ge­nen Schu­le – im kon­kre­ten Fall war dies das Burg­gym­na­si­um in Bad Bent­heim -, an der das Abitur abge­legt wer­den kön­ne.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück ent­schied dage­gen, dass es nicht auf die Ent­fer­nung zur nächst­ge­le­ge­nen Schu­le ankom­me, auf der die All­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe erwor­ben wer­den kön­ne, son­dern auf die Ent­fer­nung zwi­schen dem Wohn­ort der Schü­le­rin und dem Mis­si­ons­gym­na­si­um. Denn der vom Mis­si­ons­gym­na­si­um Bar­del zugleich mit dem Abitur ange­bo­te­ne, auf ver­tief­tem, fächer­über­grei­fen­dem bilin­gua­len Unter­richt beru­hen­de "A‑level"-Abschluss stel­le einen eigen­stän­di­gen Bil­dungs­gang im Sin­ne der hier maß­geb­li­chen Vor­schrift des § 114 Abs. 3 S. 1 Nie­der­säch­si­sches Schul­ge­setz dar. Der genann­te Abschluss berech­tig­te näm­lich ins­be­son­de­re zur unmit­tel­ba­ren Auf­nah­me eines Stu­di­ums in angel­säch­si­schen Län­dern.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 28. Juni 2011 – 1 A 70/​11