Der Unter­neh­mens­ver­trag mit einer Toch­ter-GmbH – und sein Auf­he­bungs­zeit­punkt

Ent­spre­chend § 296 Abs. 1 Satz 1 AktG kann ein Unter­neh­mens­ver­trag mit einer abhän­gi­gen GmbH nur zum Ende des Geschäfts­jahrs oder des sonst ver­trag­lich bestimm­ten Abrech­nungs­zeit­raums auf­ge­ho­ben wer­den 1.

Der Unter­neh­mens­ver­trag mit einer Toch­ter-GmbH – und sein Auf­he­bungs­zeit­punkt

Der Bun­des­ge­richt­hof wen­det die Vor­schrif­ten des Akti­en­ge­set­zes über die Begrün­dung und die Been­di­gung eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags mit einer abhän­gi­gen Akti­en­ge­sell­schaft auf sol­che Unter­neh­mens­ver­trä­ge mit einer abhän­gi­gen GmbH ent­spre­chend an, soweit der Schutz­zweck der Vor­schrif­ten bei einer abhän­gi­gen GmbH glei­cher­ma­ßen zutrifft und sie nicht auf Unter­schie­den der Bin­nen­ver­fas­sung zwi­schen der Akti­en­ge­sell­schaft und der GmbH beru­hen. So wird auch § 296 Abs. 1 Satz 2 AktG, wonach eine rück­wir­ken­de Auf­he­bung des Unter­neh­mens­ver­trags unzu­läs­sig ist, ent­spre­chend auf die GmbH ange­wen­det 2. Der Zeit­punkt der Been­di­gung eines Beherr­schungs- oder Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges im Fall sei­ner ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung hat kei­nen Bezug zur Bin­nen­ver­fas­sung der GmbH.

Der Schutz­zweck von § 296 Abs. 1 Satz 1 AktG trifft auf die GmbH in glei­cher Wei­se wie auf eine Akti­en­ge­sell­schaft zu. Die Beschrän­kung der Ver­trags­auf­he­bung auf das Ende des Geschäfts­jah­res oder des sonst ver­trag­lich bestimm­ten Abrech­nungs­zeit­raums ist im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit und klar­heit bestimmt wor­den 3. Dass in ande­ren Fäl­len einer unter­jäh­ri­gen Ver­trags­be­en­di­gung etwa durch Insol­venz oder Kün­di­gung eine Stich­tags­bi­lanz für die Berech­nung der Ansprü­che der Gesell­schaf­ter und zum Schutz der Gläu­bi­ger genügt 4, steht dem nicht ent­ge­gen. In die­sen Fäl­len über­wiegt das Inter­es­se an einer unter­jäh­ri­gen Been­di­gung des Unter­neh­mens­ver­tra­ges, so dass die damit ver­bun­de­nen Nach­tei­le hin­zu­neh­men sind. Dage­gen ver­ein­facht es die Abrech­nung sowohl etwai­ger Ansprü­che der Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter wie auch der Ergeb­nis­ab­füh­rung, wenn die ohne­hin zum Ende des Geschäfts­jah­res oder eines ver­ein­bar­ten Abrech­nungs­zeit­raums zu erstel­len­de Bilanz zugrun­de gelegt wer­den kann. Da die Bilanz zum Ende des Geschäfts­jah­res regel­mä­ßig geprüft wird, ist die Gefahr einer Mani­pu­la­ti­on gerin­ger als bei einer unter­jäh­ri­gen Zwi­schen­rech­nung, eben­so die Gefahr, dass eine Abrech­nung unter­las­sen wird. Zwar muss aus sol­chen Grün­den die Ver­trags­frei­heit hin­sicht­lich des Zeit­punkts bei einer Auf­he­bung nicht zwin­gend ein­ge­schränkt wer­den. Die in § 296 Abs. 1 Satz 1 AktG zum Aus­druck kom­men­de Wert­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers ist aber zu beach­ten, auch soweit es ihre Über­tra­gung auf eine GmbH betrifft.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die ein­ver­nehm­li­che Auf­he­bung nur zum Geschäfts­jah­res­en­de zuzu­las­sen, wur­de auch nicht unter der fal­schen Annah­me getrof­fen, dass eine unter­jäh­ri­ge Berech­nung oder Been­di­gung nicht mög­lich sei. Dass eine unter­jäh­ri­ge Been­di­gung eines Unter­neh­mens­ver­tra­ges in bestimm­ten Fäl­len in Betracht kom­men kann, hat der Gesetz­ge­ber nicht über­se­hen. Er hat in § 297 AktG die Kün­di­gung jeden­falls zum Teil gere­gelt und dabei gese­hen, dass eine Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund auch unter­jäh­rig mög­lich sein muss. Er hat in § 297 Abs. 1 AktG die Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund gere­gelt und in der Geset­zes­be­grün­dung aus­ge­führt, dass die übri­gen Rechts­fra­gen einer Kün­di­gung, nament­lich unter ande­rem der Zeit­punkt einer Kün­di­gung ohne wich­ti­gen Grund, der Ver­trags­frei­heit über­las­sen blei­ben sol­len. Zu der Rege­lung in § 297 Abs. 2 AktG, dass der Vor­stand der abhän­gi­gen Gesell­schaft nicht ohne Zustim­mung der außen­ste­hen­den Aktio­nä­re kün­di­gen kön­ne, hat er aus­ge­führt, dass die Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund davon aus­ge­nom­men blei­be, weil sie gera­de im Inter­es­se der außen­ste­hen­den Aktio­nä­re unter Umstän­den schnell aus­ge­spro­chen wer­den müs­se 3.

Die Beein­träch­ti­gung der Ver­trags­frei­heit durch die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 296 Abs. 1 Satz 1 AktG wiegt auch nicht beson­ders schwer, weil die Ober­ge­sell­schaft regel­mä­ßig als Mehr­heits- oder Allein­ge­sell­schaf­ter der abhän­gi­gen GmbH ein Rumpf­ge­schäfts­jahr beschlie­ßen kann. Die Gesell­schaf­ter kön­nen durch Sat­zungs­än­de­rung das Geschäfts­jahr ver­än­dern 5.

Dabei konn­te es der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen las­sen, ob die Unwirk­sam­keit der Auf­he­bung mit sofor­ti­ger Wir­kung nur zur Unwirk­sam­keit der Rege­lung des Been­di­gungs­ter­mins führt und an sei­ne Stel­le das Ende des lau­fen­den Geschäfts­jah­res am 31.12 2000 als nächst­zu­läs­si­ger Been­di­gungs­ter­min tritt oder ob die Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung ins­ge­samt unwirk­sam ist. Denn in bei­den Fäl­len wäre der hier streit­ge­gen­ständ­li­che Ver­lust­aus­gleich zum Ende des Geschäfts­jah­res zu berech­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juni 2015 – II ZR 384/​13

  1. OLG Mün­chen, ZIP 2012, 870; Münch­Komm-GmbH­G/­Liebs­cher, 2. Aufl., § 13 Anh. Rn. 985; Ulmer/​Casper, GmbHG, Anh. § 77 Rn.199; Scholz/​Emmerich, GmbHG, Anh. § 13 Rn.195; Emme­rich in Emmerich/​Habersack, Akti­en- und GmbH-Kon­zern­recht, 7. Aufl., § 296 Rn. 7b; Paschos in Henssler/​Strohn, 2. Aufl., § 296 AktG Rn. 3; Hölters/​Deilmann, AktG, 2. Aufl., § 296 Rn. 10; Heidel/​Peres, AktG, 4. Aufl., § 296 Rn.20; Maul in Gehrlein/​Ekkenga/​Simon, GmbHG, 2. Aufl., Anh. § 13 Rn. 36; Wirth, DB 1990, 2105, 2107; Schlö­gell, GmbHR 1995, 401, 408; E. Vet­ter, ZIP 1995, 345, 353; Kall­mey­er, GmbHR 1995, 578, 579; Wes­ter­mann, Fest­schrift Hüffer, 2010, S. 1071, 1073; aA OLG Zwei­brü­cken, ZIP 2014, 1020; Baumbach/​Hueck/​Zöller/​Beurskens, GmbHG, 20. Aufl., SchlAn­hKon­zernR Rn. 72; Koppensteiner/​Schnorbus in Rowed­der/­Schmidt-Leit­hoff, GmbHG, 5. Aufl., § 52 Anh. Rn. 125; Michalski/​Servatius, GmbHG, 2. Aufl., Syst Darst. 4 Rn. 212; Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 18. Aufl., § 13 Anh. Rn. 89; Hoff­mann-Becking, WiB 1994, 57, 63; Ulrich, GmbHR 2004, 1000, 1002; Paschos/​Goslar, Der Kon­zern, 2006, 479, 482 f.; Pries­ter, NZG 2012, 641, 644; Krie­ger in U. H. Schnei­der, Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trä­ge in der Pra­xis der GmbH, 1989, S. 105[]
  2. BGH, Urteil vom 05.11.2001 – II ZR 119/​00, ZIP 2002, 35, 36[]
  3. Ent­wurf eines Akti­en­ge­set­zes, BT-Drs. IV/​171, S. 220[][]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.12 1987 – II ZR 170/​87, BGHZ 103, 1, 10 f.; Urteil vom 05.04.1993 – II ZR 238/​91, BGHZ 122, 211, 230[]
  5. BGH, Beschluss vom 14.10.2014 – II ZB 20/​13, ZIP 2015, 88 Rn. 14[]