„Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“

Ist eine Wort­fol­ge (hier: Deutsch­lands schöns­te Sei­ten) für die Ware „Druck­schrif­ten“ inhalts­be­schrei­bend und nicht unter­schei­dungs­kräf­tig, wird dies im Regel­fall auch für die Dienst­leis­tun­gen gel­ten, die sich auf die Ver­öf­fent­li­chung und Her­aus­ga­be von Druck­schrif­ten bezie­hen. Eine Aus­nah­me kommt aller­dings für die frag­li­chen Dienst­leis­tun­gen in Betracht, wenn die Wort­fol­ge sich nur zur Beschrei­bung eines eng begrenz­ten The­mas eig­net.

„Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“

Der ange­mel­de­ten Wort­fol­ge „Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“ fehlt auch bei Anle­gung des gebo­te­nen groß­zü­gi­gen Maß­stabs jeg­li­che­Un­ter­schei­dungs­kraft, wenn sie sich für die bean­spruch­ten Waren und Dienst­leis­tun­gen in einer beschrei­ben­den Sach­an­ga­be erschöpft [1] oder nur als Anprei­sung oder Wer­be­aus­sa­ge all­ge­mei­ner Art auf­ge­fasst wird [2]. Die Wort­fol­ge „Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“ weist für die bean­spruch­ten Waren – Klas­se 16:
Bücher, Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten, Maga­zi­ne, Druck­schrif­ten, gedruck­te Publi­ka­tio­nen, Prin­ter­zeug­nis­se, Ver­lags­er­zeug­nis­se (Dru­cke­rei­er­zeug­nis­se), Foto­gra­fien, Dru­cke­rei­er­zeug­nis­se, Lehr- und Unter­richts­mit­tel (aus­ge­nom­men Appa­ra­te) – und Dienst­leis­tun­gen – Klas­se 41: Ver­öf­fent­li­chung und Her­aus­ga­be von Zeit­schrif­ten, Büchern und Zei­tun­gen – nach den rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Bun­des­pa­tent­ge­richts eine all­ge­mei­ne Sach­aus­sa­ge auf.

Die Rechts­be­schwer­de rügt ohne Erfolg, das Bun­des­pa­tent­ge­richt habe trotz der Mehr­deu­tig­keit und Inter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­tig­keit der Wort­fol­ge deren Unter­schei­dungs­kraft ver­neint und damit zu stren­ge Maß­stä­be ange­legt. Die ange­mel­de­te Mar­ke sei durch die dop­pel­te Bedeu­tung des Wor­tes „Sei­ten“ in dem zusam­men­ge­setz­ten Zei­chen ein wit­zi­ges Wort­spiel. Zu berück­sich­ti­gen sei auch das unter­schied­li­che Ver­ständ­nis von „schön“ als sub­jek­tiv objek­ti­ver Sin­nes­ein­druck und im über­tra­ge­nen Sin­ne als „gut“, „sehens­wert“ und „inter­es­sant“.

Der Annah­me des Bun­des­pa­tent­ge­richts, das Zei­chen „Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“ ver­fü­ge im Zusam­men­hang mit den in Rede ste­hen­den Waren nicht über Unter­schei­dungs­kraft im Sin­ne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG, steht nicht der Umstand ent­ge­gen, dass die Wort­fol­ge kei­nen klar umris­se­nen Inhalt hat. Das Bun­des­pa­tent­ge­richt ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Wort­fol­ge eine ohne wei­te­res ver­ständ­li­che Rede­wen­dung ist, die nur den Inhalt der bean­spruch­ten Waren beschreibt. Eine auch nur gerin­ge Unter­schei­dungs­kraft erlangt die Wort­fol­ge nicht auf­grund unter­schied­li­cher Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten, weil sämt­li­che Bedeu­tun­gen sich auf ohne wei­te­res ver­ständ­li­che Sach­aus­sa­gen beschrän­ken.

In die­sem Zusam­men­hang kommt es auch nicht ent­schei­dend dar­auf an, dass die Bezeich­nung „Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“ den Inhalt der frag­li­chen Waren nicht genau bezeich­net. Dass die Wort­fol­ge vage und unbe­stimmt gehal­ten ist und sich des­halb zur Bezeich­nung unter­schied­li­cher The­men eig­net, macht sie nicht zu einem Unter­schei­dungs­mit­tel, das die frag­li­chen Waren als von einem bestimm­ten Unter­neh­men stam­mend kenn­zeich­net. Das ange­spro­che­ne Publi­kum wird die Bezeich­nung in dem in Rede ste­hen­den Waren­sek­tor nur als Inhalts­an­ga­be und des­halb nicht als Pro­dukt­kenn­zei­chen auf­fas­sen.

Anders als die Rechts­be­schwer­de meint, hat das Bun­des­pa­tent­ge­richt sei­ner Prü­fung auch kei­nen unzu­tref­fen­den Maß­stab zugrun­de gelegt. Es hat viel­mehr auf das Ver­ständ­nis eines nor­mal infor­mier­ten, ange­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Durch­schnitts­ver­brau­chers abge­stellt, auf den es für das Ver­kehrs­ver­ständ­nis auf dem in Rede ste­hen­den Waren­sek­tor ankommt. Des­sen Ver­ständ­nis konn­te das Bun­des­pa­tent­ge­richt, des­sen Rich­ter zu den ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­sen gehö­ren, aus eige­ner Sach­kun­de fest­stel­len. Gegen­tei­li­ges zeigt auch die Rechts­be­schwer­de nicht auf.

Der Rechts­be­schwer­de bleibt mit der Rüge, das ange­mel­de­te Wort­zei­chen ver­fü­ge für die Dienst­leis­tun­gen „Ver­öf­fent­li­chung und Her­aus­ga­be von Zeit­schrif­ten, Büchern und Zei­tun­gen“ über Unter­schei­dungs­kraft, eben­falls der Erfolg ver­sagt.

Aller­dings wird nicht jedes Zei­chen, das für Druck­wer­ke vom Ver­kehr als beschrei­bend auf­ge­fasst wird, im glei­chen Sinn auch für Ver­lags­dienst­leis­tun­gen ver­stan­den. Der Ver­kehr wird nicht gene­rell davon aus­ge­hen, die Dienst­leis­tun­gen der Ver­öf­fent­li­chung und Her­aus­ga­be von Zeit­schrif­ten, Büchern und Zei­tun­gen sei­en auf Druckerzeug­nis­se mit einem ent­spre­chen­den The­men­kreis beschränkt [3]. Ein Druckerzeug­nis­se beschrei­ben­des Zei­chen kann daher für Ver­lags­dienst­leis­tun­gen über die erfor­der­li­che Unter­schei­dungs­kraft ver­fü­gen. Dies kommt etwa in Betracht, wenn das Zei­chen sich nur zur Beschrei­bung eines bestimm­ten The­mas oder eines ein­zel­nen Druck­werks eig­net [4]. Eine Dif­fe­ren­zie­rung der Unter­schei­dungs­kraft eines Zei­chens danach, ob es sich auf die Ware „Druck­schrif­ten“ oder die Dienst­leis­tun­gen „Ver­öf­fent­li­chung und Her­aus­ga­be von Druck­schrif­ten“ bezieht, ist jedoch eher die Aus­nah­me. Im Regel­fall wird sich der für Druck­schrif­ten beschrei­ben­de Begriffs­in­halt glei­cher­ma­ßen auf die Dienst­leis­tung bezie­hen, die zur Ent­ste­hung der Druck­schrift führt [5]. Dies gilt vor allem dann, wenn das in Rede ste­hen­de Zei­chen geeig­net ist, einen wei­ten The­men­be­reich abzu­de­cken und den Inhalt einer Viel­zahl unter­schied­li­cher Druck­schrif­ten zu umschrei­ben [6].

Von die­sen Maß­stä­ben ist auch das Bun­des­pa­tent­ge­richt aus­ge­gan­gen und hat zu Recht ange­nom­men, dass die Wort­fol­ge „Deutsch­lands schöns­te Sei­ten“ auch für die in Rede ste­hen­den Dienst­leis­tun­gen über kei­ne Unter­schei­dungs­kraft ver­fügt. Der Ver­kehr wird nach den Fest­stel­lun­gen des Bun­des­pa­tent­ge­richts die Wort­fol­ge, die einen wei­ten The­men­be­reich abdeckt, wegen der Nähe der in Rede ste­hen­den Dienst­leis­tun­gen zum Inhalt der Druck­schrif­ten unmit­tel­bar und ohne wei­te­res auf die Dienst­leis­tun­gen selbst bezie­hen [7]. Mit ihrer gegen­tei­li­gen Wür­di­gung setzt die Rechts­be­schwer­de nur ihre eige­ne Ansicht an die Stel­le der vom Tatrich­ter rechts­feh­ler­frei begrün­de­ten Auf­fas­sung.

Die Rechts­be­schwer­de dringt auch nicht mit ihrer Rüge durch, das Bun­des­pa­tent­ge­richt habe in die­sem Zusam­men­hang sei­ne Hin­weis­pflicht nach § 82 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenG, § 139 Abs. 1 und 2 ZPO ver­letzt. Zu einem ent­spre­chen­den Hin­weis hat­te das Bun­des­pa­tent­ge­richt kei­ne Ver­an­las­sung. Bereits das Deut­sche Patent- und Mar­ken­amt ist davon aus­ge­gan­gen, dass der pro­dukt­be­zo­ge­ne Begriffs­in­halt der ange­mel­de­ten Wort­fol­ge sich wegen des engen Zusam­men­hangs zwi­schen den Waren und Dienst­leis­tun­gen ohne wei­te­res auch auf die frag­li­chen Dienst­leis­tun­gen bezog. Die Anmel­de­rin hat­te daher Ver­an­las­sung, hier­zu vor­zu­tra­gen, und hat dies in der Beschwer­de­be­grün­dung auch getan.

Eben­falls ohne Erfolg beruft sich die Rechts­be­schwer­de auf Vor­ein­tra­gun­gen ande­rer Zei­chen. Das Bun­des­pa­tent­ge­richt hat zu Recht ange­nom­men, dass die von der Anmel­de­rin ange­führ­ten Vor­ein­tra­gun­gen zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis füh­ren. Etwai­ge Ent­schei­dun­gen über ähn­li­che Anmel­dun­gen sind zwar, soweit sie bekannt sind, im Rah­men der Prü­fung zu berück­sich­ti­gen, ob im glei­chen Sinn zu ent­schei­den ist oder nicht; sie sind aber kei­nes­falls bin­dend [8]. Da das Bun­des­pa­tent­ge­richt das Schutz­hin­der­nis nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG zutref­fend bejaht hat, kommt es auf die wei­te­ren Vor­ein­tra­gun­gen nicht an, weil zum einen aus zu Unrecht vor­ge­nom­me­nen Ein­tra­gun­gen ande­rer Mar­ken kei­ne wei­ter­ge­hen­den Infor­ma­tio­nen im Hin­blick auf die Beur­tei­lung der kon­kre­ten Anmel­dung ent­nom­men wer­den kön­nen und zum ande­ren auch unter Beru­fung auf den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht von einer den recht­li­chen Vor­ga­ben ent­spre­chen­den Ent­schei­dung abge­se­hen wer­den darf [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2012 – I ZB 68/​11

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 04.12.2008 I ZB 48/​08, GRUR 2009, 778 Rn. 14 = WRP 2009, 813 Will­kom­men im Leben[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.11.2000 I ZB 34/​98, GRUR 2001, 735, 736 = WRP 2001, 692 Test it.[]
  3. vgl. BGH, GRUR 2001, 1043, 1045 Gute Zei­ten – Schlech­te Zei­ten[]
  4. vgl. BPatG, Beschluss vom 26.01.2010 – 33 W (pat) 100/​07, für die Bezeich­nung „AIR FORCE ONE“[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 05.12.2002 – I ZB 19/​00, GRUR 2003, 342, 343 = WRP 2003, 519 Win­ne­tou[]
  6. vgl. BGH, GRUR 2009, 949 Rn.20 My World; vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.06.2002 – I ZB 1/​00, GRUR 2002, 1070, 1072 = WRP 2002, 1281 Bar jeder Ver­nunft; BGH, GRUR 2009, 778 Rn. 16 Will­kom­men im Leben[]
  7. vgl. auch BGH, Beschluss vom 01.03.2001 – I ZB 54/​98, GRUR 2001, 1042, 1043 = WRP 2001, 1205 REICH UND SCHOEN; BGH, GRUR 2009, 949 Rn.20 My World[]
  8. vgl. EuGH, Beschluss vom 12.02.2009 – C‑39 und C‑43/​08, GRUR 2009, 667 Rn. 17 und 19 Bild digi­tal und ZVS Zei­tungs­ver­trieb Stutt­gart[]
  9. vgl. EuGH, GRUR 2009, 667 Rn. 18 Bild digi­tal und ZVS Zei­tungs­ver­trieb Stutt­gart; BGH, Beschluss vom 17.08.2010 I ZB 59/​09, GRUR 2011, 230 Rn. 12 = WRP 2011, 347 SUPER­girl; Beschluss vom 17.08.2010 I ZB 61/​09, WRP 2011, 349 Rn. 12 FREIZEIT Rät­sel Woche[]