Ver­let­zung einer Auf­klä­rungs­pflicht in der Anla­ge­be­ra­tung – und die ver­mu­te­te Scha­dens­kau­sa­li­tät

Die Ursäch­lich­keit einer Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht für den Bei­tritt zu einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds wird ver­mu­tet.

Ver­let­zung einer Auf­klä­rungs­pflicht in der Anla­ge­be­ra­tung – und die ver­mu­te­te Scha­dens­kau­sa­li­tät

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht bei einer unrich­ti­gen oder unvoll­stän­di­gen Dar­stel­lung von für die Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­chen Umstän­den eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung dafür, dass die man­gel­haf­te Pro­spekt­dar­stel­lung für die Anla­ge­ent­schei­dung ursäch­lich war 1. Durch unzu­tref­fen­de oder unvoll­stän­di­ge Infor­ma­tio­nen des Pro­spekts wird in das Recht des Anle­gers ein­ge­grif­fen, in eige­ner Ent­schei­dung und Abwä­gung des Für und Wider dar­über zu befin­den, ob er in das Pro­jekt inves­tie­ren will oder nicht. Das Bestehen von Hand­lungs­va­ri­an­ten ist nicht geeig­net, die­se auf der Lebens­er­fah­rung beru­hen­de tat­säch­li­che Ver­mu­tung der Ursäch­lich­keit feh­ler­haf­ter Pro­spekt­dar­stel­lun­gen für die Anla­ge­ent­schei­dung bei Immo­bi­li­en zu ent­kräf­ten, bei denen es in der Regel vor­dring­lich um Sicher­heit, Ren­ta­bi­li­tät und Infla­ti­ons­schutz geht 2. Nach der Auf­fas­sung des XI. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs han­delt es sich dabei nicht ledig­lich um eine Beweis­erleich­te­rung im Sin­ne eines Anscheins­be­wei­ses, son­dern um eine zur Beweis­last­um­kehr füh­ren­de wider­leg­li­che Ver­mu­tung 3.

Danach geht das non liquet im vor­lie­gen­den Fall zu Las­ten der Fond­s­in­itia­to­rin. Dabei kann offen blei­ben, ob die Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses anzu­wen­den oder eine Beweis­last­um­kehr anzu­neh­men ist.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat die Fond­s­in­itia­to­rin die auf der Lebens­er­fah­rung beru­hen­de Ver­mu­tung nicht wider­le­gen kön­nen, dass die behaup­te­ten Pro­spekt­feh­ler für die Anla­ge­ent­schei­dung ursäch­lich waren. Es steht ledig­lich fest, dass der Pro­spekt recht­zei­tig vor der Anla­ge­ent­schei­dung dem Anle­ger über­ge­ben wor­den ist. Auf die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein feh­ler­haf­ter Pro­spekt auch ohne Über­ga­be zu einem Auf­klä­rungs­man­gel führt 4, kommt es mit­hin nicht an.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – II ZR 273/​12

  1. BGH, Urteil vom 06.10.1980 – II ZR 60/​80, BGHZ 79, 337, 346; Urteil vom 15.12 2003 – II ZR 244/​01, ZIP 2004, 312, 313; Urteil vom 02.03.2009 – II ZR 266/​07, ZIP 2009, 764 Rn. 6; Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/​09, ZIP 2010, 1397 Rn. 17 f.; Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, ZIP 2012, 1335 Rn. 28 ff.; Urteil vom 21.02.2013 – III ZR 139/​12, ZIP 2013, 935 Rn. 15[]
  2. BGH, Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/​09, ZIP 2010, 1397 Rn. 17 f.[]
  3. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 28 ff.; Urteil vom 26.02.2013 – XI ZR 318/​10, BKR 2013, 212 Rn. 18 f.[]
  4. s. BGH, Urteil vom 03.12 2007 – II ZR 21/​06, ZIP 2008, 412 Rn. 17; Urteil vom 13.12 2012 – III ZR 70/​12 11; Urteil vom 23.04.2013, – XI ZR 405/​11, BKR 2013, 280 Rn. 27[]