Die Bezeich­nung des Beru­fungs­be­klag­ten in der Beru­fungs­schrift

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 gehört zu dem not­wen­di­gen Inhalt der Beru­fungs­schrift nach § 519 Abs. 2 ZPO wie auch der Revi­si­ons­schrift nach § 549 Abs. 1 ZPO die Anga­be, für und gegen wel­che Par­tei das Rechts­mit­tel ein­ge­legt wird. Die Rechts­mit­tel­schrift muss ent­we­der für sich allein betrach­tet oder mit Hil­fe wei­te­rer Unter­la­gen bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist ein­deu­tig erken­nen las­sen, wer Rechts­mit­tel­füh­rer und wer Rechts­mit­tel­geg­ner sein soll.

Die Bezeich­nung des Beru­fungs­be­klag­ten in der Beru­fungs­schrift

Dabei sind an die Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­geg­ners weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Besteht der in der Vor­in­stanz obsie­gen­de Geg­ner aus meh­re­ren Streit­ge­nos­sen, rich­tet sich das Rechts­mit­tel im Zwei­fel gegen die gesam­te ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und somit gegen alle geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen, es sei denn, die Rechts­mit­tel­schrift lässt eine Beschrän­kung der Anfech­tung erken­nen 2. Eine sol­che Beschrän­kung kann sich dar­aus erge­ben, dass in der Rechts­mit­tel­schrift nur eini­ge der auf der Gegen­sei­te ste­hen­den Streit­ge­nos­sen ange­ge­ben wer­den 3. Dies ist jedoch nicht zwin­gend. So hat der Bun­des­ge­richts­hof eine unbe­schränk­te Beru­fungs­ein­le­gung auch in Fäl­len bejaht, in denen als Rechts­mit­tel­geg­ner nur einer von meh­re­ren Streit­ge­nos­sen, und zwar der im Urteils­ru­brum an ers­ter Stel­le Ste­hen­de, genannt wur­de 4. Wer­den in der Rechts­mit­tel­schrift nur eini­ge der geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen als Rechts­mit­tel­be­klag­te bezeich­net, so lässt dies nicht stets und unab­hän­gig von den Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les eine ent­spre­chen­de Beschrän­kung des Rechts­mit­tels erken­nen 5.

Weil auch die Bezeich­nung einer Par­tei als Teil einer Pro­zess­hand­lung aus­le­gungs­fä­hig ist, kommt es für die Fra­ge, ob eine Beschrän­kung der Anfech­tung gewollt ist, letzt­lich auf eine voll­stän­di­ge Wür­di­gung des gesam­ten Vor­gangs der Rechts­mit­tel­ein­le­gung bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist an. Dabei kön­nen sich aus einer bei­gefüg­ten Aus­fer­ti­gung oder beglau­big­ten Abschrift des ange­foch­te­nen Urteils oder aus sons­ti­gen bei­gefüg­ten Unter­la­gen ent­schei­den­de Hin­wei­se auf den Umfang der Anfech­tung erge­ben. Beson­de­re Bedeu­tung kommt der Fra­ge zu, ob eine Beschrän­kung des Rechts­mit­tel­an­griffs auf einen Teil der bis­he­ri­gen Pro­zess­geg­ner in Anbe­tracht des der Vor­in­stanz unter­brei­te­ten Streit­stoffs unge­wöhn­lich oder gar fern­lie­gend erscheint 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2013 – II ZR 291/​11

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 15.05.2006 – II ZB 5/​05; Beschluss vom 09.09.2008 – VI ZB 53/​07, NJW-RR 2009, 208 Rn. 5; Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, NJW-RR 2011, 281 Rn. 9; Urteil vom 15.12.2010 – XII ZR 18/​09, NJW-RR 2011, 359 Rn. 10; Beschluss vom 12.07.2011 – XI ZB 36/​10, jew. mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 15.05.2006 – II ZB 5/​05; Beschluss vom 09.09.2008 – VI ZB 53/​07, NJW-RR 2009, 208 Rn. 5; Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, NJW-RR 2011, 281 Rn. 11[]
  3. BGH, Beschluss vom 26.09.1961 – V ZB 24/​61, NJW 1961, 2347; Urteil vom 29.06.1987 – II ZR 173/​86, ZIP 1987, 1316, 1317[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1983 – VI ZR 245/​81, NJW 1984, 58 f.; Urteil vom 08.11.2001 – VII ZR 65/​01, NJW 2002, 831, 832; Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, NJW-RR 2011, 281 Rn. 12; Urteil vom 15.12.2010 – XII ZR 18/​09, NJW-RR 2011, 359 Rn. 12[]
  5. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 21.06.1983 – VI ZR 245/​81, NJW 1984, 58, 59; Urteil vom 20.01.1988 – VIII ZR 296/​86, NJW 1988, 1204, 1205; Urteil vom 08.11.2001 – VII ZR 65/​01, NJW 2002, 831, 832; Urteil vom 11.07.2003 – V ZR 233/​01, NJW 2003, 3203, 3204; Urteil vom 14.02.2008 – III ZR 73/​07[]
  6. BGH, Urteil vom 15.12.2010 – XII ZR 18/​09, NJW-RR 2011, 359 Rn. 12 f. mwN[]