Die Rechts­be­schwer­de im Insol­venz­ver­fah­ren

Die Rechts­be­schwer­de ist in Insol­venz­sa­chen seit der mit Wir­kung vom 27.10.2011 erfolg­ten Auf­he­bung des § 7 InsO gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO nur noch unter der Vor­aus­set­zung statt­haft, dass sie vom Beschwer­de­ge­richt zuge­las­sen wor­den ist 1. Hat das Beru­fungs­ge­richt in sei­nem sach­ent­schei­den­den Beschluss eine Zulas­sung weder im Tenor noch in den Ent­schei­dungs­grün­den aus­ge­spro­chen, so ist die in einem spä­te­ren Beschluss aus­ge­spro­che­ne Zulas­sung wir­kungs­los.

Die Rechts­be­schwer­de im Insol­venz­ver­fah­ren

Bei die­sem Beschluss über die nach­träg­li­che Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de han­delt es sich der Sache nach – unge­ach­tet sei­ner äuße­ren Form als Berich­ti­gungs­be­schluss – um eine Ergän­zungs­ent­schei­dung ent­spre­chend § 321 ZPO, die jedoch unzu­läs­sig ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat für § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO ent­schie­den, dass eine im Beschwer­de­be­schluss unter­blie­be­ne Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht durch einen Ergän­zungs­be­schluss nach­ge­holt wer­den kann. Ent­hält der Beschluss kei­nen Aus­spruch der Zulas­sung, so heißt das, dass die Rechts­be­schwer­de nicht zuge­las­sen wird. Eine nach­träg­li­che Zulas­sung holt nicht eine unter­blie­be­ne Ent­schei­dung nach, wie § 321 ZPO vor­aus­setzt, son­dern wider­spricht ent­ge­gen § 318 ZPO der bereits getrof­fe­nen Ent­schei­dung und ändert die­se ab 2.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes kann aller­dings eine Berich­ti­gung des Beschlus­ses, in den eine beschlos­se­ne Zulas­sung ver­se­hent­lich nicht auf­ge­nom­men wur­de, nach § 319 ZPO erfol­gen. Dass die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de beschlos­sen und nur ver­se­hent­lich nicht in dem Beschluss aus­ge­spro­chen war, muss sich dann aber aus dem Zusam­men­hang des Beschlus­ses selbst oder min­des­tens aus den Vor­gän­gen bei sei­nem Erlass oder sei­ner Ver­kün­dung erge­ben, weil nur dann eine offen­ba­re Unrich­tig­keit vor­lie­gen kann 3.

Die­se Umstän­de müs­sen nach außen her­vor­ge­tre­ten sein. Ein nur gerichts­in­tern geblie­be­nes Ver­se­hen, das meist nicht ohne wei­te­re Beweis­erhe­bung über­prüft wer­den könn­te, ist kei­ne "offen­ba­re" Unrich­tig­keit im Sin­ne von § 319 ZPO. Da die­se Vor­schrift erlaubt, dass die Ent­schei­dung durch einen Beschluss berich­tigt wer­den kann, der von kei­nem der an der ers­ten Ent­schei­dung mit­wir­ken­den Rich­ter gefasst wird, wird deut­lich, dass die Unrich­tig­keit der Ent­schei­dung für die ande­ren Rich­ter ohne wei­te­res erkenn­bar sein muss. Ist dies nicht der Fall, hat ein auf § 319 ZPO gestütz­ter Berich­ti­gungs­be­schluss kei­ne bin­den­de Wir­kung 4.

An der­ar­ti­gen, nach außen getre­te­nen Umstän­den, die den gerichts­in­ter­nen Bereich ver­las­sen hät­ten, fehlt es im hier ent­schie­de­nen Fall. Die Über­tra­gung der Sache vom Ein­zel­rich­ter auf die Kam­mer erfolg­te ohne nähe­re Begrün­dung gemäß § 568 Satz 2 ZPO. Auch wenn in drei Par­al­lel­fäl­len eben­so ver­fah­ren wur­de, besagt dies nichts dar­über, wel­ches Ergeb­nis die Kam­mer­be­ra­tung hin­sicht­lich einer Zulas­sung hat­te.

Aus­rei­chen­de nach außen tre­ten­de Umstän­de kön­nen sich zwar durch­aus auch aus der Hand­ha­bung in Par­al­lel­ver­fah­ren erge­ben, so wenn in sol­chen Ver­fah­ren das Rechts­mit­tel zuge­las­sen wur­de, in einem Ver­fah­ren, das ersicht­lich gleich­be­han­delt wer­den soll­te, jedoch nicht 5. Vor­lie­gend sind jedoch alle Par­al­lel­ver­fah­ren gleich behan­delt wor­den. In allen Ver­fah­ren ist die Rechts­be­schwer­de zunächst nicht zuge­las­sen wor­den. Spä­ter ergin­gen in allen Ver­fah­ren Berich­ti­gungs­be­schlüs­se. Nach außen ist zuvor gera­de nicht erkenn­bar gewor­den, dass die Rechts­be­schwer­de zuge­las­sen wer­den soll­te.

Aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes vom 22.11.2001 6 ergibt sich nichts ande­res. Dort ging es schon nicht um die Zulas­sung eines Rechts­mit­tels. Davon abge­se­hen wur­de in die­ser Ent­schei­dung letzt­lich offen­ge­las­sen, ob sich aus dem Grund­satz der Rechts­staat­lich­keit eine wei­ter­ge­hen­de Berich­ti­gungs­mög­lich­keit, als sie § 319 ZPO vor­sieht, von Ver­fas­sungs wegen erge­ben könn­te. Dies wur­de nur für den Fall erwo­gen, dass das Gericht eine in kei­ner Wei­se begrün­de­te Sach­ent­schei­dung mit einem in sich schlüs­si­gen Tenor ver­kün­det hat­te, der mit dem vom Gericht Gewoll­ten jedoch nicht im Ein­klang stand. Um den Inhalt der Sach­ent­schei­dung geht es hier nicht. Der III. Zivil­se­nat hat sei­ner­zeit letzt­lich nur ent­schie­den, dass gegen einen unter den genann­ten beson­de­ren Umstän­den erlas­se­nen Berich­ti­gungs­be­schluss kei­ne außer­or­dent­li­che Beschwer­de wegen "greif­ba­rer Gesetz­wid­rig­keit" gege­ben sei. Eine sol­che Beschwer­de, auch als Rechts­be­schwer­de, ist nach der Neu­re­ge­lung des Beschwer­de­rechts durch das Zivil­pro­zess­re­form­ge­setz ohne­hin nicht mehr eröff­net 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 6. Febru­ar 2014 – IX ZB 109/​12 und IX ZB 113/​12

  1. BGH, Beschluss vom 19.07.2012 – IX ZB 31/​12, Rn. 2 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.11.2003 – II ZB 37/​02, NJW 2004, 779; vom 12.03.2009 – IX ZB 193/​08, WM 2009, 1058 Rn. 7[]
  3. BGH, Beschluss vom 24.11.2003, aaO; vom 12.03.2009, aaO Rn. 8 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 08.07.1980 – VI ZR 176/​78, BGHZ 78, 22 f; vom 12.01.1984 – III ZR 95/​82, WM 1984, 1351, 1352; Beschluss vom 11.05.2004 – VI ZB 19/​04, NJW 2004, 2389 und stän­di­ge Recht­spre­chung des BGH; vgl. auch HKZPO/​Saenger, 5. Aufl., § 319 Rn. 6, 13; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 319 Rn. 4, 16; Prütting/​Gehrlein/​Thole, ZPO, 5. Aufl., § 319 Rn. 8[]
  5. BGH, Urteil vom 08.07.1980, aaO S. 23[]
  6. BGH, Beschluss vom 22.11.2001 – III ZR 195/​01, NJW-RR 2002, 712, 713[]
  7. BGH, Beschluss vom 30.11.2011 – III ZB 54/​11, GuT 2011, 403 mwN[]