Die unter­blie­be­ne Ladung des Sach­ver­stän­di­gen zur Erläu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens

Hat das Gericht ers­ter Instanz dem Antrag einer Par­tei auf Ladung des Sach­ver­stän­di­gen zur Erläu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens in münd­li­cher Ver­hand­lung zu Unrecht nicht ent­spro­chen, muss das Beru­fungs­ge­richt dem im zwei­ten Rechts­zug wie­der­hol­ten Antrag statt­ge­ben. Ande­ren­falls ver­letzt es den Anspruch der Par­tei auf recht­li­ches Gehör 1.

Die unter­blie­be­ne Ladung des Sach­ver­stän­di­gen zur Erläu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es für die Fra­ge, ob die Ladung eines Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung des von ihm erstat­te­ten Gut­ach­tens gebo­ten ist, nicht dar­auf an, ob das Gericht noch Erläu­te­rungs­be­darf sieht oder ob zu erwar­ten ist, dass der Gut­ach­ter sei­ne Auf­fas­sung ändert. Wei­ter ist uner­heb­lich, ob das schrift­li­che Gut­ach­ten Män­gel auf­weist.

Die Par­tei­en haben zur Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs nach §§ 397, 402 ZPO einen Anspruch dar­auf, dass sie dem Sach­ver­stän­di­gen die Fra­gen, die sie zur Auf­klä­rung der Sache für wesent­lich erach­ten, in einer münd­li­chen Anhö­rung stel­len kön­nen. Die­ses Antrags­recht der Par­tei­en besteht unab­hän­gig von § 411 Abs. 3 ZPO 2. Hat das Gericht ers­ter Instanz einem recht­zei­tig gestell­ten Antrag auf Ladung eines Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung nicht ent­spro­chen, so muss das Beru­fungs­ge­richt dem im zwei­ten Rechts­zug wie­der­hol­ten Antrag statt­ge­ben 3.

Dabei kann von der Par­tei, die einen Antrag auf Ladung des Sach­ver­stän­di­gen stellt, nicht ver­langt wer­den, dass sie die Fra­gen, die sie an den Sach­ver­stän­di­gen zu rich­ten beab­sich­tigt, im Vor­aus kon­kret for­mu­liert. Es genügt, wenn sie all­ge­mein angibt, in wel­cher Rich­tung sie durch ihre Fra­gen eine wei­te­re Auf­klä­rung her­bei­zu­füh­ren wünscht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Okto­ber 2013 – IV ZR 307/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 15.03.2006 – IV ZR 182/​05, VersR 2006, 950 Rn. 6 – 8[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 15.03.2006 – IV ZR 182/​05, VersR 2006, 950 Rn. 6 m.w.N.; vom 10.05.2005 – VI ZR 245/​04, VersR 2005, 1555 unter 2 a m.w.N. und stän­dig[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.03.2006 aaO; Urteil vom 24.10.1995 – VI ZR 13/​95, VersR 1996, 211 f.[]