Nut­zungs­aus­fall für gewerb­lich genutz­te Fahr­zeu­ge

Ein Geschä­dig­ter hat grund­sätz­lich für die Dau­er, in wel­cher er sein Fahr­zeug unfall­be­dingt nicht nut­zen kann, einen Anspruch auf Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung, § 251 Abs. 1 BGB.

Nut­zungs­aus­fall für gewerb­lich genutz­te Fahr­zeu­ge

Der unfall­be­ding­te Aus­fall eines Kraft­fahr­zeugs stellt nach stän­di­ger Recht­spre­chung einen wirt­schaft­li­chen Scha­den dar, weil die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit eines Kraft­fahr­zeugs als geld­wer­ter Vor­teil anzu­se­hen ist. Vor­aus­set­zung ist, dass der Geschä­dig­te einen Nut­zungs­wil­len und eine hypo­the­ti­sche Nut­zungs­mög­lich­keit hat 1.

Für die­se Vor­aus­set­zun­gen ist der Geschä­dig­te dar­le­gungs- und beweis­be­las­tet 2, wobei die Lebens­er­fah­rung dafür spricht, dass der Hal­ter und Fah­rer eines pri­vat genutz­ten Pkw die­ses wäh­rend eines unfall­be­ding­ten Aus­falls benutzt hät­te 3.

Beim Aus­fall eines gewerb­lich genutz­ten Kraft­fahr­zeugs bemisst sich der Scha­den dage­gen nach dem kon­kret zu berech­nen­den ent­gan­ge­nen Gewinn, § 252 BGB 4, den Vor­hal­te­kos­ten eines Reser­ve­fahr­zeugs oder der Mie­te eines Ersatz­fahr­zeugs 5. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn das beschä­dig­te Kraft­fahr­zeug unmit­tel­bar zur Erbrin­gung gewerb­li­cher Leis­tun­gen dient 6.

Umstrit­ten ist, ob der Geschä­dig­te auch beim Aus­fall eines gewerb­lich genutz­ten Kraft­fahr­zeugs Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung ver­lan­gen kann, wenn sich auf­grund sei­ner beson­de­ren Anstren­gun­gen oder der Eigen­art sei­nes Betriebs der Nut­zungs­aus­fall weder gewinn­min­dernd noch kos­ten­stei­gernd aus­ge­wirkt hat 7.

Bei gemischt genutz­ten Kraft­fahr­zeu­gen ist der Anteil der Pri­vat­nut­zung soweit erfor­der­lich gemäß § 287 ZPO zu schät­zen 6.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 13. August 2015 – 13 U 28/​15

  1. BGH, NJW 2005, 277; OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 22.01.2007 – 1 U 151/​06; OLG Stutt­gart, Urteil vom 14.01.2010 – 13 U 92/​09[]
  2. vgl. etwa OLG Hamm, Urteil vom 23.02.2006 – 28 U 164/​05[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, a.a.O., m.w.N.[]
  4. BGH, DAR 2014, 144[]
  5. Palandt /​Grüneberg a.a.O., § 249 RN 47[]
  6. Palandt /​Grüneberg, a.a.O., § 249 RN 47 m.w.N.[][]
  7. so BGH, NJW 1978, 812; 85, 2471; offen gelas­sen von BGH, DAR 2014, 144; kri­tisch hier­zu Palandt/​Grüneberg, a.a.O., § 249 RN 47[]