Rich­ter­li­che Hin­weis­pflich­ten – und der fik­ti­ve Sach­ver­halt

Eine rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht besteht nach § 139 Abs. 2 ZPO gegen­über den Par­tei­en nicht all­ge­mein und umfas­send, son­dern nur, wenn Par­tei­vor­trag wider­sprüch­lich oder unklar ist, wenn der Sach­vor­trag nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert ist oder wenn das Gericht an den Sach­vor­trag Anfor­de­run­gen stellt, mit denen eine gewis­sen­haf­te und kun­di­ge Pro­zess­par­tei nach dem Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen braucht 1.

Rich­ter­li­che Hin­weis­pflich­ten – und der fik­ti­ve Sach­ver­halt

Trägt die Par­tei einen Sach­ver­halt, sei er auch fik­tiv, kon­kret vor, besteht kei­ne Ver­pflich­tung des Gerichts dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein ande­rer tat­säch­li­cher Sach­ver­halt für die Par­tei aus Rechts­grün­den güns­ti­ger wäre und des­halb der Sach­ver­halt geän­dert wer­den soll­te.

Zwar kann der Vor­trag eines fik­ti­ven Sach­ver­halts – anders als bei einem tat­säch­li­chen Sach­ver­halt – nicht gegen die pro­zes­sua­le Wahr­heits­pflicht ver­sto­ßen. Es ist aber Sache der Par­tei, einen fik­ti­ven Sach­ver­halt, der ihr güns­tig sein kann, schlüs­sig vor­zu­tra­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juli 2015 – IX ZR 197/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2008 – I ZB 59/​07, NJW 2008, 1742 Rn. 13 mwN[]