Stu­fen­kla­ge – und die Beschwer des Aus­kunfts­pflich­ti­gen

Das Ver­fah­rens­grund­recht auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz (Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip) ver­bie­tet es den Gerich­ten, den Par­tei­en den Zugang zu einer in der Ver­fah­rens­ord­nung ein­ge­räum­ten Instanz in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se zu erschwe­ren 1.

Stu­fen­kla­ge – und die Beschwer des Aus­kunfts­pflich­ti­gen

Zur Bewer­tung des vom Aus­kunfts­pflich­ti­gen auf­zu­wen­den­den Zeit­auf­wands ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich auf die Stun­den­sät­ze zurück­zu­grei­fen, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­de, wenn er mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbringt noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­det. Dabei ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass die zur Aus­kunfts­er­tei­lung erfor­der­li­chen Tätig­kei­ten in der Frei­zeit erbracht wer­den kön­nen. Der Aus­kunfts­pflich­ti­ge, der in Abwei­chung hier­von behaup­tet, dass ihm dies nicht mög­lich sei, hat die Grün­de hier­für im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen 2.

Dies ist dem Antrags­geg­ner in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall nicht gelun­gen: Er hat nach dem nun­mehr vom Ober­lan­des­ge­richt gege­be­nen Hin­weis vor­ge­tra­gen, dass er knapp ein­ein­halb Mona­te benö­ti­ge, wenn er die Aus­kunft in sei­ner Frei­zeit erstell­te und die­se unun­ter­bro­chen aus­nut­ze. Damit hat er kei­ne Grün­de vor­ge­tra­gen, die ihn an einer Erle­di­gung der Arbei­ten wäh­rend sei­ner Frei­zeit hin­der­ten, son­dern ledig­lich die dafür nöti­ge Erle­di­gungs­frist mit­ge­teilt. Anhalts­punk­te dafür, dass der Antrags­geg­ner die vom Ober­lan­des­ge­richt ange­setz­ten 100 Stun­den zur Erfül­lung des Aus­kunfts­ver­lan­gens nicht in sei­ner Frei­zeit auf­brin­gen kann, sind ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht ersicht­lich. Daher ist es recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Beschwer­de­ge­richt den Zeit­auf­wand des Antrags­geg­ners ent­spre­chend den Bestim­mun­gen des Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ent­schä­di­gungs­ge­set­zes (JVEG) über die Ent­schä­di­gung von Zeu­gen bewer­tet und dabei auf den in § 20 JVEG fest­ge­leg­ten Stun­den­satz von 3, 50 € zurück­ge­grif­fen hat.

Das Ober­lan­des­ge­richt war in der Fra­ge der Bewer­tung des Stun­den­sat­zes auch nicht durch die Aus­füh­run­gen in dem BGH, Beschluss vom 14.05.2014 3 gebun­den. Zwar hat­te das Ober­lan­des­ge­richt, an das die Sache zurück­ver­wie­sen wor­den war, gemäß § 74 Abs. 6 Satz 4 FamFG die recht­li­che Beur­tei­lung, die der Auf­he­bung zugrun­de liegt, auch sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de zu legen. In Bezug auf den anzu­wen­den­den Stun­den­satz hat­te der Bun­des­ge­richts­hof jedoch kei­ne recht­li­che Fest­le­gung getrof­fen.

Nach­dem das Ober­lan­des­ge­richt bei sei­ner ers­ten Befas­sung kei­ne Fest­stel­lun­gen dar­über getrof­fen hat­te, ob der Antrags­geg­ner die Arbei­ten in sei­ner Frei­zeit erle­di­gen kann oder ob er hier­für Arbeits­zeit auf­wen­den muss, war Letz­te­res im Rah­men der rechts­be­schwer­de­recht­li­chen Über­prü­fung zu unter­stel­len und der Stun­den­satz auf Grund­la­ge des vom Antrags­geg­ner mit­ge­teil­ten monat­li­chen Net­to­ein­kom­mens in einer Grö­ßen­ord­nung von 15 € anzu­neh­men. Die rechts­be­schwer­de­recht­lich not­wen­di­ge Unter­stel­lung bin­det das Ober­lan­des­ge­richt jedoch nicht für das wei­te­re Ver­fah­ren.

In Anbe­tracht des vom Ober­lan­des­ge­richt nun­mehr ermit­tel­ten Stun­den­sat­zes von 3, 50 € wird der nach § 61 Abs. 1 FamFG erfor­der­li­che Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands von über 600 € selbst unter Zugrun­de­le­gung der vom Antrags­geg­ner gel­tend gemach­ten Stun­den­zahl deut­lich unter­schrit­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. April 2016 – XII ZB 527/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.10.2011 – XII ZB 127/​11 , Fam­RZ 2011, 1929 Rn. 8 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 317/​14 , Fam­RZ 2015, 838 Rn. 16 f.[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.05.2014 – XII ZB 487/​13 , Fam­RZ 2014, 1286[]