Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk

§ 7 Abs. 2 Satz 2 des Tarif­ver­trags über die För­de­rung der beruf­li­chen Aus­bil­dung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk vom 24. Sep­tem­ber 2012 (TV AKS 2012) ist unwirk­sam, soweit Betrie­be ohne Arbeit­neh­mer (sog. Solo­selb­stän­di­ge) Bei­trä­ge an die Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk zah­len müs­sen. Zugleich hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt ernst­haf­te Zwei­fel an der Tarif­fä­hig­keit und der Tarif­zu­stän­dig­keit des am Abschluss der Tarif­ver­trä­ge über die För­de­rung der beruf­li­chen Aus­bil­dung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk vom 24. Sep­tem­ber 2012 (TV AKS 2012) und vom 1. Juli 2014 (TV AKS 2014) betei­lig­ten Zen­tral­ver­bands Deut­scher Schorn­stein­fe­ger e. V. (ZDS).

Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk

In den hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len hat­te die vom Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band (ZIV) – und dem ZDS als Gemein­sa­me Ein­rich­tung gegrün­de­te Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleichs­kas­se im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk (AKS) geklagt. Nach der Sat­zung des ZDS kann „jede/​r nicht selb­stän­di­ge Schornsteinfeger/​in …, der/​die Gesel­len­prü­fung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk bestan­den hat“, Mit­glied wer­den. Selb­stän­di­ge Schorn­stein­fe­ger kön­nen bei­trags­pflich­ti­ge „För­der­mit­glie­der“ des ZDS sein.

Der ZDS und der ZIV haben den TV AKS 2012 und den TV AKS 2014 abge­schlos­sen. Die Wirk­sam­keit der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung bei­der Tarif­ver­trä­ge hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg rechts­kräf­tig fest­ge­stellt. Zweck der AKS ist die För­de­rung der Bereit­stel­lung einer aus­rei­chen­den Anzahl von Aus­bil­dungs­plät­zen und die Sicher­stel­lung einer qua­li­fi­zier­ten Berufs­aus­bil­dung im Schorn­stein­fe­ger­hand­werk. Die Tarif­ver­trä­ge regeln die Höhe der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung. Betrie­be, die Schorn­stein­fe­ger aus­bil­den, haben Anspruch auf Aus­bil­dungs­kos­ten­aus­gleich gegen die AKS. Die Tarif­ver­trä­ge regeln fer­ner die Bei­trags- und Aus­kunfts­pflich­ten der Betrie­be gegen­über der AKS. Nach § 7 Abs. 2 Satz 2 TV AKS 2012 beträgt der an die AKS abzu­füh­ren­de Min­dest­bei­trag 800,00 Euro pro Kalen­der­jahr.

Die Kla­gen der AKS rich­te­ten sich jeweils gegen selb­stän­di­ge Schorn­stein­fe­ger, die sich dage­gen weh­ren, Bei­trä­ge an die AKS zu leis­ten, und die die Tarif­ver­trä­ge für unwirk­sam hal­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln hat den Kla­gen der AKS statt­ge­ge­ben 1. Anders nun das Bun­des­ar­beits­ge­richt:

In drei Ver­fah­ren 2 haben die Revi­sio­nen der Schorn­stein­fe­ger, die im Streit­zeit­raum jeweils min­des­tens einen Arbeit­neh­mer beschäf­tig­ten, zur Aus­set­zung der Rechts­strei­tig­kei­ten nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG* geführt. Die Tarif­ver­trä­ge begeg­nen kei­nen mate­ri­ell­recht­li­chen Beden­ken, soweit Arbeit­ge­bern Bei­trags- und Aus­kunfts­pflich­ten gegen­über der AKS auf­er­legt wer­den. Der Senat hat jedoch ernst­haf­te Zwei­fel dar­an, ob der ZDS tarif­fä­hig und tarif­zu­stän­dig für den Abschluss der Tarif­ver­trä­ge war. Auf­grund der in der Sat­zung vor­ge­se­he­nen „För­der­mit­glied­schaft“ von selb­stän­di­gen Schorn­stein­fe­gern bestehen Beden­ken dar­an, dass der ZDS bei Tarif­ab­schluss geg­ner­frei war. Die Tarif­zu­stän­dig­keit ist zwei­fel­haft, weil die Sat­zung kei­ne Mit­glied­schaft für Aus­zu­bil­den­de vor­sieht. Die­se ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen sind in einem geson­der­ten Beschluss­ver­fah­ren zu klä­ren.

Im vier­ten Ver­fah­ren 3 hat­te die Revi­si­on des selb­stän­di­gen Schorn­stein­fe­ger­meis­ters, der kei­ne kei­ne Arbeit­neh­mer beschäf­tig­te, vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Erfolg: § 7 Abs. 2 Satz 2 TV AKS 2012 ist unwirk­sam, soweit Betrie­be ohne Arbeit­neh­mer Bei­trä­ge an die AKS zah­len müs­sen. Durch die­se Rege­lung haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en ihre tarif­li­che Rege­lungs­macht über­schrit­ten.

Bun­des­ar­beits­ge­richt – Beschlüs­se vom 31. Janu­ar 2018 – 10 AZR 60/​16 (A) – 10 AZR 695/​16 (A) – 10 AZR 722/​16 (A)

  1. LAG Köln, Urtei­le vom 23.10.2015 – 9 Sa 395/​15, vom 22.07.2016 – 9 Sa 132/​16 und 9 Sa 118/​16[]
  2. BAG – 10 AZR 60/​16, 10 AZR 695/​16 und 10 AZR 722/​16[]
  3. BAG – 10 AZR 279/​16[]