Min­dest­lohn für sechs wei­te­re Bran­chen

Das neu­ge­fass­te Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz und das Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­setz wur­den heu­te in 2. und 3. Lesung im Deut­schen Bun­des­tag beschlos­sen. Damit gel­ten jetzt für sechs wei­te­re Bran­chen Min­dest­löh­ne, näm­lich für Pfle­ge­diens­te, für die Abfall­wirt­schaft, für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be, für bestimm­te Groß­wä­sche­rei­en, für einen bestimm­ten Bereich der Wei­ter­bil­dung und für Berg­bau-Spe­zi­al­diens­te.

Min­dest­lohn für sechs wei­te­re Bran­chen

Das Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz bie­tet einen Rechts­rah­men, um tarif­ver­trag­li­che Min­dest­löh­ne für alle Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen einer Bran­che ver­bind­lich zu machen, unab­hän­gig davon, ob der Arbeit­ge­ber sei­nen Sitz im In- oder Aus­land hat. Durch die Neu­fas­sung soll das Gesetz kla­rer und ver­ständ­li­cher gestal­tet wer­den. Inhalt­lich erge­ben sich im Wesent­li­chen fol­gen­de Ände­run­gen:

  • Mit einem Antrag auf All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung eines Tarif­ver­tra­ges einer Bran­che ist zunächst der Tarif­aus­schuss zu befas­sen. Die­ser erhält Gele­gen­heit, über die Bran­che hin­aus­ge­hen­de Erwä­gun­gen in den Ent­schei­dungs­pro­zess mit ein­zu­brin­gen.
  • Neben kla­ren Geset­zes­ziel­be­stim­mun­gen wer­den dem Ver­ord­nungs­ge­ber für den Fall kon­kur­rie­ren­der Tarif­ver­trä­ge in einer Bran­che kla­re Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en vor­ge­ge­ben.
  • Es wird klar­ge­stellt, dass die Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trä­ge aus­nahms­los für alle in- und aus­län­di­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen ver­bind­lich sind. Damit wird gleich­zei­tig den Vor­ga­ben des euro­päi­schen Rechts Rech­nung getra­gen.

Sechs wei­te­re Bran­chen wer­den mit der heu­ti­gen Neu­re­ge­lung in das Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz auf­ge­nom­men:

  • Pfle­ge­bran­che (Alten­pfle­ge und häus­li­che Kran­ken­pfle­ge),
  • Sicher­heits­dienst­leis­tun­gen,
  • Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten auf Stein­koh­le­berg­wer­ken,
  • Wäscherei­dienst­leis­tun­gen im Objekt­kun­den­ge­schäft,
  • Abfall­wirt­schaft (ein­schließ­lich Stra­ßen­rei­ni­gung und Win­ter­dienst) sowie
  • Aus- und Wei­ter­bil­dungs­dienst­leis­tun­gen nach dem Zwei­ten und Drit­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch.

    Ins­ge­samt neun Bran­chen mit rund rund 3 Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten unter­fal­len damit jetzt den Min­dest­lohn­be­din­gun­gen des Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes.

    Im Gegen­satz zum Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz ermög­licht das Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­setz die Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­ent­gel­ten für sol­che Wirt­schafts­zwei­ge, in denen die tarif­ge­bun­de­nen Arbeit­ge­ber bun­des­weit weni­ger als 50 % der unter den Gel­tungs­be­reich aller Tarif­ver­trä­ge fal­len­den Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen beschäf­ti­gen.

    Dazu wird aller­dings ein kom­pli­zier­tes Ver­fah­ren vor­ge­se­hen: Ein dau­er­haft ein­zu­rich­ten­der Haupt­aus­schuss prüft, ob in einem Wirt­schafts­zweig sozia­le Ver­wer­fun­gen vor­lie­gen und ent­schei­det, ob in die­sem Wirt­schafts­zweig Min­dest­ar­beits­ent­gel­te fest­ge­setzt, geän­dert oder auf­ge­ho­ben wer­den. Ein Fach­aus­schuss kann dann die kon­kre­te Höhe des jewei­li­gen Min­dest­lohns anhand vor­ge­ge­be­ner Kri­te­ri­en durch Beschluss fest­le­gen. Auf Vor­schlag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les kann die Bun­des­re­gie­rung dann die vom Fach­aus­schuss fest­ge­setz­ten Min­dest­ar­beits­ent­gel­te als Rechts­ver­ord­nung erlas­sen.

    Die fest­ge­setz­ten Min­dest­ar­beits­ent­gel­te sind für alle in- und aus­län­di­schen Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen zwin­gend und unab­ding­bar. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes gehen zu einem Stich­tag bestehen­de Tarif­ver­trä­ge nach dem Tarif­ver­trags­ge­setz für die Zeit ihres Bestehens den fest­ge­setz­ten Min­dest­ar­beits­ent­gel­ten vor. Tarif­ver­trä­ge, mit denen die Tarif­ver­trags­par­tei­en die­se ablö­sen, genie­ßen eben­falls Vor­rang.