Anony­me Samen­spen­de und die Adop­ti­on durch die Lebens­part­ne­rin

Wenn ein als Wunsch­kind bei­der Lebens­part­ne­rin­nen durch Inse­mi­na­ti­on (künst­li­che Befruch­tung) mit dem Samen eines anony­men Spen­ders ent­stan­de­nes Kind durch die Lebens­part­ne­rin der Mut­ter ange­nom­men wer­den soll, ist nach einem rechts­kräf­ti­gen Beschluss des Amts­ge­richts Elms­horn kein Adop­ti­ons­pfle­ge­jahr abzu­war­ten.

Anony­me Samen­spen­de und die Adop­ti­on durch die Lebens­part­ne­rin

In dem hier vom Amts­ge­richts Elms­horn ent­schie­de­nen Fall hat­te ein les­bi­sches Paar, das im Jahr 2007 eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen war, den gemein­sa­men Wunsch, ein Kind zu bekom­men. Im Jahr 2009 wur­de eine der Frau­en auf­grund die­ses Wun­sches bei­der Lebens­part­ne­rin­nen in einer däni­schen Kli­nik mit dem Samen eines anony­men Spen­ders befruch­tet und bekam im Jahr 2010 ein Kind. Die ande­re Lebens­part­ne­rin stell­te dar­auf­hin einen Antrag auf Adop­ti­on die­ses Kin­des beim Amts­ge­richt Elms­horn. Wenn es dem Kin­des­wohl ent­spricht, kann auch bei einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft ein Lebens­part­ner das Kind sei­nes Lebens­part­ners anneh­men mit der Fol­ge, dass das Kind den Sta­tus eines gemein­sa­men Kin­des der bei­den Lebens­part­ner erhält und die Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­se zu einem ande­ren Eltern­teil erlö­schen. Das Gesetz sieht bei Adop­tio­nen vor, dass eine Pro­be­zeit, ein soge­nann­tes Adop­ti­ons­pfle­ge­jahr, ein­ge­hal­ten wer­den soll. Sinn und Zweck des Adop­ti­ons­pfle­ge­jahrs ist, die Pro­gno­se zum Kin­des­wohl und zum Ent­ste­hen einer wirk­li­chen Eltern-Kind-Bezie­hung zu erleich­tern. Bei­de Lebens­part­ne­rin­nen baten dar­um, das Adop­ti­ons­pfle­ge­jahr nicht ein­zu­hal­ten.

Das Amts­ge­richt Elms­horn hat dem Wunsch der Lebens­part­ne­rin­nen nach einer zeit­na­hen Annah­me ent­spro­chen. Es hat zunächst fest­ge­stellt, dass die Adop­ti­on dem Kin­des­wohl ent­spre­che. Eine Mut­ter-Kind-Bezie­hung zwi­schen der Anneh­men­den und dem Kind bestehe, da das Kind ein Wunsch­kind bei­der Part­ne­rin­nen sei, auf­grund eines gemein­sa­men Ent­schlus­ses der Part­ne­rin­nen ent­stan­den sei und von bei­den Part­ne­rin­nen glei­cher­ma­ßen geliebt und umsorgt wer­de. Es sei nicht zu erwar­ten, dass sich an die­ser Eltern-Kind-Bezie­hung etwas ändern könn­te.

Zudem sei­en ehe­lich gebo­re­ne, unehe­lich gebo­re­ne und in einer Lebens­part­ner­schaft gebo­re­ne Kin­der gleich zu behan­deln. Es gebe kei­nen hin­rei­chen­den sach­li­chen Grund, dem durch künst­li­che Befruch­tung mit dem Samen eines anony­men Spen­ders ent­stan­de­nen und in einer Lebens­part­ner­schaft gebo­re­nen Kind anders als ehe­lich gebo­re­ne oder unehe­lich gebo­re­ne Kin­der zu behan­deln, die von Geburt an die Mög­lich­keit haben, mit zwei Eltern­tei­len auf­zu­wach­sen. Denn die recht­li­che Ver­bin­dung, die das Kind durch die Adop­ti­on zum anneh­men­den Eltern­teil erhält, kann sehr rele­vant wer­den. Sie kann etwa beim Tod eines der Eltern­tei­le bedeu­ten­de erb- und sor­ge­recht­li­che Fol­gen haben.

Amts­ge­richt Elms­horn, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2010 – 46 F 9/​10