Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Qua­li­fi­ka­ti­on des Sach­ver­stän­di­gen

Ergibt sich die Qua­li­fi­ka­ti­on des Sach­ver­stän­di­gen nicht ohne Wei­te­res aus sei­ner Fach­be­zeich­nung als Arzt, ist sei­ne Sach­kun­de vom Gericht zu prü­fen und in der Ent­schei­dung dar­zu­le­gen. Hier­für genügt regel­mä­ßig die tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung, dass der beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge Arzt mit Erfah­rung auf dem Gebiet der Psych­ia­trie ist 1.

Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Qua­li­fi­ka­ti­on des Sach­ver­stän­di­gen

Gemäß § 280 Abs. 1 Satz 2 FamFG soll der in einem Betreu- ungs­ver­fah­ren mit der Erstel­lung eines Gut­ach­tens beauf­trag­te Sach­ver- stän­di­ge Arzt für Psych­ia­trie oder Arzt mit Erfah­rung auf dem Gebiet der Psych­ia­trie sein. Ergibt sich die Qua­li­fi­ka­ti­on nicht ohne Wei­te­res aus der Fach­be­zeich­nung des Arz­tes, ist sei­ne Sach­kun­de vom Gericht zu prü­fen und in der Ent­schei­dung dar­zu­le­gen 2.

Dem ist das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall gerecht gewor­den: Zwar ist der Sach­ver­stän­di­ge aus­weis­lich sei­nes Gut­ach­tens ledig­lich Fach­arzt für Inne­re Medi­zin. Nach­dem aber bereits das Amts­ge­richt fest­ge­stellt hat­te, dass der Sach­ver­stän­di­ge Arzt mit Erfah­rung auf dem Gebiet der Psych­ia­trie sei, hat das Land­ge­richt in der Sache eben­falls aus­ge­führt, dass es sich bei dem Sach­ver­stän­di­gen um einen auf dem Gebiet der Psych­ia­trie erfah­re­nen Arzt han­de­le. Zwar ver­mag nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der all­ge­mein gehal­te­ne Hin­weis des Tatrich­ters auf den gerichts­be­kannt sorg­fäl­ti­gen und kom­pe­ten­ten Sach­ver­stän­di­gen, der ihm aus vie­len Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­ver­fah­ren als sorg­fäl­tig arbei­tend und fach­kun­dig bekannt sei, den Nach­weis der kon­kret erfor­der­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on nicht zu erset­zen 3. Anders als in jenem Fall hat das Land­ge­richt vor­lie­gend jedoch – wenn auch knapp fest­ge­stellt, dass es sich bei dem Sach­ver­stän­di­gen um einen auf dem Gebiet der Psych­ia­trie erfah­re­nen Arzt han­delt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Juli 2016 – XII ZB 46/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 16.12 2015 – XII ZB 381/​15 , Fam­RZ 2016, 456[]
  2. BGH, Beschluss vom 16.12 2015 XII ZB 381/​15 , Fam­RZ 2016, 456 Rn. 14 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.05.2012 XII ZB 454/​11 , Fam­RZ 2012, 1207 Rn. 14[]