Das Gut­ach­ten in Unter­brin­gungs­sa­chen

Zweck der Begut­ach­tung nach § 321 Abs. 1 FamFG ist die Sicher­stel­lung einer sorg­fäl­ti­gen Sach­ver­halts­auf­klä­rung zur Fest­stel­lung der medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen einer Unter­brin­gung.

Das Gut­ach­ten in Unter­brin­gungs­sa­chen

Dabei hat das Gericht sei­ner Pflicht nach­zu­kom­men, das Gut­ach­ten auf sei­ne wis­sen­schaft­li­che Begrün­dung, sei­ne inne­re Logik und sei­ne Schlüs­sig­keit hin zu über­prü­fen.

Auf­grund einer sol­chen Über­prü­fung hat das Gericht die im Gut­ach­ten getrof­fe­nen Schluss­fol­ge­run­gen ohne Wei­te­res zu ver­wer­fen, wenn die dort geäu­ßer­te Sicht der Din­ge nicht auf dem Boden der vom Gesetz­ge­ber für das Betreu­ungs­recht ent­wi­ckel­ten Rechts­grund­sät­ze steht, weil die Gut­ach­te­rin eine vom gel­ten­den Recht abwei­chen­de Hand­ha­bung prä­fe­riert und inso­weit – sich selbst als "Hard­li­ner" bezeich­nend – ihr eige­nes Kon­zept nach Maß­ga­be ihrer eige­nen ethi­schen Grund­sät­ze ver­folgt.

Mit die­ser, sowohl vom her­ge­brach­ten medi­zi­ni­schen Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tem (ICD10) als auch vom gel­ten­den Betreu­ungs­recht abge­wand­ten Grund­hal­tung erfüllt die Gut­ach­te­rin nicht die fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen an eine sach­kun­dig neu­tra­le Begut­ach­tung, wie sie zur Fest­stel­lung der medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Unter­brin­gung eines Such­ter­krank­ten anhand der gel­ten­den recht­li­chen Maß­stä­be erfor­der­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2016 – XII ZB 95/​16