Fest­stel­lung einer Schwer­be­hin­de­rung auch noch nach dem Tod

Der Tod führt nicht zwangs­läu­fig zum Erlö­schen des Anspruchs auf Fest­stel­lung einer Schwer­be­hin­de­rung. Wenn die Fest­stel­lung einer Schwer­be­hin­de­rung (Grad der Behin­de­rung – GdB – von 50 und mehr) für die Ent­schei­dung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers über die Gewäh­rung einer Alters­ren­te wegen Schwer­be­hin­de­rung not­wen­dig ist, erlischt der Anspruch auf die Fest­stel­lung aus­nahms­wei­se nicht mit dem Tode des Klä­gers.

Fest­stel­lung einer Schwer­be­hin­de­rung auch noch nach dem Tod

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Sozi­al­ge­richt Spey­er einer ent­spre­chen­den Kla­ge der Rechts­nach­fol­ger eines ver­stor­be­nen Klä­gers statt­ge­ge­ben und das Land Rhein­land-Pfalz ver­ur­teilt, bei dem ver­stor­be­nen Klä­ger einen Gesamt-GdB von 50 ab Janu­ar 2008 fest­zu­stel­len. Die durch­ge­führ­ten umfang­rei­chen medi­zi­ni­schen Ermitt­lun­gen hat­ten erge­ben, dass der Klä­ger ent­ge­gen der Ein­schät­zung des Lan­des­am­tes bereits im Janu­ar 2008 auf­grund sei­ner Erkran­kun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­stel­lung eines GdB von 50 erfüllt hat.

Die Tat­sa­che, dass der Klä­ger im Lau­fe des Ver­fah­rens ver­stor­ben ist, steht dem Anspruch der Rechts­nach­fol­ger des Klä­gers auf rück­wir­ken­de Fest­stel­lung des GdB aus­nahms­wei­se nicht ent­ge­gen. Zwar erlischt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts der Anspruch auf Fest­stel­lung des Gra­des der Behin­de­rung im Regel­fall mit dem Tode des Klä­gers. Im vor­lie­gen­den Fall ist hier­von jedoch eine Aus­nah­me zu machen. Denn der Klä­ger hat­te im August 2010 bei dem zustän­di­gen Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger einen Antrag auf Gewäh­rung einer Alters­ren­te wegen Schwer­be­hin­de­rung ab dem 01.09.2010 gestellt. Für die Gewäh­rung der bean­trag­ten Alters­ren­te wegen Schwer­be­hin­de­rung ist es gemäß der gesetz­li­chen Vor­ga­ben erfor­der­lich, dass der Klä­ger bei Beginn der Alters­ren­te als schwer­be­hin­der­ter Mensch von der Beklag­ten aner­kannt ist. Die Fest­stel­lung der Schwer­be­hin­de­rung durch die Beklag­te ist somit not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Gewäh­rung der bean­trag­ten Ren­te. Dem­entspre­chend erlischt der Anspruch des Klä­gers auf die Fest­stel­lung des GdB trotz sei­nes Todes aus­nahms­wei­se nicht.

Sozi­al­ge­richt Spey­er, Urteil vom 16. Janu­ar 2012 – S 5 SB 563/​08)

  1. AG Ful­da, Beschluss vom 18.06.2019 – 87 XIV 280/​19 L /​87 XIV 281/​19 L[]