Unter­halts­vor­schuss wegen aus­län­der­recht­li­cher Zuzugs­be­schrän­kun­gen

Ein fak­ti­sches Getrennt­le­ben von Ehe­gat­ten wegen aus­län­der­recht­li­cher Zuzugs­be­schrän­kun­gen stellt kein dau­ern­des Getrennt­le­ben im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Nr. 2 UVG dar. Eine Ana­lo­gie der 2. Alter­na­ti­ve von § 1 Abs. 2 UVG bzw. eine erwei­tern­de Aus­le­gung die­ser Vor­schrift auf Fäl­le der Zuzugs­be­schrän­kung kommt nicht in Betracht.

Unter­halts­vor­schuss wegen aus­län­der­recht­li­cher Zuzugs­be­schrän­kun­gen

Nach § 1 Abs. 2 UVG gilt ein Eltern­teil, bei dem das Kind lebt, als dau­ernd getrennt lebend im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Nr. 2 UVG, wenn im Ver­hält­nis zum Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner ein Getrennt­le­ben im Sin­ne des § 1567 BGB vor­liegt oder wenn sein Ehe­gat­te oder Lebens­part­ner wegen Krank­heit oder Behin­de­rung oder auf Grund gericht­li­cher Anord­nung für vor­aus­sicht­lich wenigs­tens sechs Mona­te in einer Anstalt unter­ge­bracht ist.

Dau­ernd getrennt im vor­ge­nann­ten Sinn leben Ehe­gat­ten nur dann, wenn zumin­dest ein Ehe­gat­te die ehe­li­che Gemein­schaft nicht her­stel­len will. Ein fak­ti­sches Getrennt­le­ben der Ehe­gat­ten wegen aus­län­der­recht­li­cher Zuzugs­be­schrän­kun­gen steht einem dau­ern­den Getrennt­le­ben im Sin­ne von § 1 Abs 1 Nr. 2 UVG nicht gleich.

Eine Ana­lo­gie zu § 1 Abs. 2 UVG schei­det in die­sen Fäl­len wegen der aus­drück­li­chen Ver­wei­sung in § 1 Abs. 2 UVG auf die Defi­ni­ti­on des Getrennt­le­bens in § 1567 BGB aus, nach der Ehe­gat­ten nur dann getrennt leben, wenn kei­ne häus­li­che Gemein­schaft besteht und zumin­dest ein Ehe­gat­te die häus­li­che Gemein­schaft nicht her­stel­len will, weil er die ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft ablehnt. Hier­von kann im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Rede sein, weil der den Unter­halts­vor­schuss wei­ter bean­tra­gen­de Vater und sei­ne neue Ehe­frau die ehe­li­che Gemein­schaft durch­aus her­stel­len woll­ten und nur aus­län­der­recht­lich hier­an gehin­dert waren 1.

Auch im Übri­gen, das heißt im Hin­blick auf die 2. Alter­na­ti­ve von § 1 Abs. 2 UVG, kommt eine Ana­lo­gie bzw. eine erwei­tern­de Aus­le­gung auf Fäl­le von Zuzugs­be­schrän­kun­gen nicht in Betracht, weil die dort genann­ten Aus­nah­me­tat­be­stän­de abschlie­ßend und wegen ihres Cha­rak­ters als Aus­nah­me­re­ge­lun­gen eng aus­zu­le­gen sind 2.

Damit lagen und lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Bewil­li­gung von Leis­tun­gen nach dem Unter­halts­vor­schuss­ge­setz im vor­lie­gen­den Fall seit der Ehe­schlie­ßung nicht mehr vor.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg – Beschluss vom 10. Janu­ar 2014 – 4 K 515/​13

  1. wie hier: VGH Bad.-Württ., Urteil vom 02.01.2006 – 7 S 468/​03; und Beschluss vom 27.06.2005, NJW 2006, 167; eben­so Sächs. OVG, Beschluss vom 27.03.2012 – 5 D 155/​11, m.w.N.; OVG NRW, Beschluss vom 19.10.2010 – 12 B 1235/​10, m.w.N.; BayVGH, Urteil vom 26.05.2003 – 12 B 03.43, FEVS 55, 171, m.w.N; sowie Beschluss vom 13.04.2007 – 12 C 07.639; Nie­ders. OVG, Beschluss vom 11.11.2003 – 12 LA 400/​03; VG Frei­burg, Beschluss vom 06.07.2005 – 4 K 456/​05[]
  2. sie­he auch hier­zu VGH Bad.-Württ., Urteil vom 02.01.2006 und Beschluss vom 27.06.2005, jew. a.a.O.; OVG NRW, Beschluss vom 19.10.2010, a.a.O., m.w.N.; Bay­er. VGH, Urteil vom 26.05.2003, a.a.O.; VG Frei­burg, Beschluss vom 06.07.2005, a.a.O.; soweit das Nie­ders. OVG mit Beschluss vom 10.03.1999, NVwZ-RR 1999, 764, hier­zu eine ande­re Auf­fas­sung ver­tre­ten hat­te, betraf das eine ande­re [älte­re] Fas­sung des Unter­halts­vor­schuss­ge­set­zes, vgl. hier­zu Nie­ders. OVG, Beschluss vom 11.11.2003, a.a.O.[]