Zwei­ter Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens im Sozi­al­ge­richts­ver­fah­ren

Eine wie­der­hol­te Antrag­stel­lung auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nach § 109 SGG ist nur bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de zuläs­sig. Dabei fällt die Beur­tei­lung von Schmerz­zu­stän­den nicht in ein spe­zi­el­les Fach­ge­biet. Das Antrags­recht steht grund­sätz­lich nur ein­mal in bei­den Tat­sa­chen­in­stan­zen zur Ver­fü­gung.

Zwei­ter Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens im Sozi­al­ge­richts­ver­fah­ren

Denn das Antrags­recht nach § 109 SGG steht grund­sätz­lich nur ein­mal in bei­den Tat­sa­chen­in­stan­zen zur Ver­fü­gung1. Es ent­spricht dem Beweis­recht, dass das Gericht nicht ver­pflich­tet ist, einem Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Beweis einer bestimm­ten Tat­sa­che belie­big oft nach­zu­kom­men2. Außer­dem ist § 109 SGG als Aus­nah­me­vor­schrift (§ 103 Satz 2 SGG) eng aus­zu­le­gen und bezieht sich die Vor­schrift nur auf die gut­ach­ter­li­che Anhö­rung eines bestimm­ten Arz­tes. Eine wie­der­hol­te Antrag­stel­lung nach § 109 SGG recht­fer­tigt sich daher nur bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de3.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts4 kann die Beur­tei­lung von Schmerz­zu­stän­den nicht vor­ran­gig einer beson­de­ren fach­ärzt­li­chen Aus­rich­tung zuge­wie­sen wer­den. Für die Qua­li­fi­ka­ti­on eines Gut­ach­ters kommt es nicht dar­auf an, ob er von Haus aus als Inter­nist, Rheu­ma­to­lo­ge, Ortho­pä­de, Neu­ro­lo­ge, Psych­ia­ter oder Schmerz­the­ra­peut tätig ist. Not­wen­dig sind viel­mehr fach­über­grei­fen­de Erfah­run­gen hin­sicht­lich der Dia­gnos­tik und Beur­tei­lung von Schmerz­stö­run­gen5.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg Urteil vom 2.3.2011, L 6 SB 4878/​08

  1. so bereits LSG Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 06.02.2006 – L 1 U 2572/​05; und zuletzt Urteil vom 01.02.2011 – L 11 R 221/​09
  2. BSG, Urteil vom 15.04.1991 – 5 RJ 32/​90, SozR 3 – 1500 § 109 Nr. 1; BSG, Beschluss vom 17.03.2010 – B 3 P 33/​09 B
  3. Mey­er-Lade­wi­g/Kel­ler/​Leitherer, Kom­men­tar zum SGG, 9. Auf­la­ge 2008, § 109 SGG Rdnr. 10b
  4. BSG SozR 4 – 1500 § 160 a Nr 3
  5. vgl. LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20.10.2009 – L 11 R 4832/​08