Ord­nungs­geld gegen den nicht erschie­ne­nen Zeu­gen nach Erle­di­gung des Rechts­streits

Die öffent­lich-recht­li­che Pflicht des ord­nungs­ge­mäß gela­de­nen Zeu­gen, zum Ter­min zu erschei­nen, hat im Fal­le sei­nes Aus­blei­bens zur Fol­ge, dass dem Zeu­gen die dadurch ver­ur­sach­ten Kos­ten auf­er­legt wer­den und gegen ihn ein Ord­nungs­geld fest­ge­setzt wird. Die­se Maß­nah­men sind gesetz­lich zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Sie ent­fal­len nur, wenn der Zeu­ge das Aus­blei­ben –zumin­dest nach­träg­lich– genü­gend ent­schul­digt (§ 82 FGO i.V.m. § 381 ZPO).

Ord­nungs­geld gegen den nicht erschie­ne­nen Zeu­gen nach Erle­di­gung des Rechts­streits

Die Auf­he­bung der Ord­nungs­geld­fest­set­zung ist auch nicht des­halb gebo­ten, weil es auf­grund der Erle­di­gung des Rechts­streits in der Haupt­sa­che der Zeu­gen­aus­sa­ge des Beschwer­de­füh­rers nicht mehr bedurf­te 1.

Indes­sen ist das vom Finanz­ge­richt fest­ge­setz­te Ord­nungs­geld von 500 EUR zu hoch. Maß­ge­bend für die nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu bestim­men­de Höhe des Ord­nungs­gel­des, das 5 EUR bis 1000 EUR betra­gen darf (Art. 6 Abs. 1 des Ein­füh­rungs­ge­set­zes zum Straf­ge­setz­buch), sind ins­be­son­de­re die Bedeu­tung der Rechts­sa­che sowie der Zeu­gen­aus­sa­ge für die Ent­schei­dung, fer­ner die Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung und die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Zeu­gen 2. Von die­sen Kri­te­ri­en hat das Finanz­ge­richt –neben den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, unter denen Ord­nungs­geld fest­ge­setzt wer­den kann– ledig­lich das Feh­len eines Hin­de­rungs­grun­des, die aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung der erwar­te­ten Zeu­gen­aus­sa­ge sowie wei­ter aus­ge­führt, dass der Fest­set­zung des Ord­nungs­gel­des die Been­di­gung des Ver­fah­rens in der münd­li­chen Ver­hand­lung durch Eini­gung der Betei­lig­ten nicht ent­ge­gen­ste­he.

Dies trägt die Fest­set­zung des Ord­nungs­gel­des in Höhe von 500 EUR nicht. Auch ist durch das Aus­blei­ben des Beschwer­de­füh­rers infol­ge der Haupt­sa­cheer­le­di­gung weder für das Finanz­ge­richt noch für die übri­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein zusätz­li­cher Zeit­auf­wand, etwa für einen neu­en Ter­min zur Beweis­auf­nah­me, ent­stan­den. Ande­rer­seits ist das Ver­schul­den des Beschwer­de­füh­rers nicht so gering ein­zu­schät­zen, dass von einem Ord­nungs­geld ins­ge­samt abzu­se­hen wäre 3. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält des­halb ein Ord­nungs­geld von 100 EUR für ange­mes­sen.

Eine Auf­he­bung des Ord­nungs­gel­des ins­ge­samt –wie im BFH-Beschluss vom 17.09.2012 4– schei­det aus. Die­ser Beschluss ist nicht zum Ord­nungs­geld gegen einen Zeu­gen (§ 380 ZPO), son­dern gegen einen Betei­lig­ten (§ 80 FGO, § 141 ZPO) ergan­gen. Die­se Unter­schei­dung ist erheb­lich, da die Ord­nungs­maß­nah­me gegen einen Zeu­gen nicht den­sel­ben Cha­rak­ter hat wie die­je­ni­ge gegen einen Betei­lig­ten.

Die Vor­schrift des § 380 ZPO dient dem Zweck der Ach­tung und Durch­setz­bar­keit der den Zeu­gen tref­fen­den staats­bür­ger­li­chen Pflich­ten 5, wohin­ge­gen die Vor­schrif­ten des § 80 FGO und des § 141 ZPO auf der Mit­wir­kungs­pflicht des Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten beru­hen 6, der die Ver­fah­rens­be­en­di­gung im Übri­gen selbst in der Hand hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2013 – XI B 111/​12

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2007, 468; vom 17.03.2011 – III B 46/​11, BFH/​NV 2011, 1004[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 01.06.1988 – X B 41/​88, BFHE 153, 310, BSt­Bl II 1988, 838; in BFH/​NV 2007, 468, m.w.N.[]
  3. vgl. dazu BFH, Beschlüs­se vom 04.08.1993 – II B 25/​93, BFH/​NV 1994, 640; in BFH/​NV 2007, 468[]
  4. BFH, Beschluss vom 17.09.2012 – V B 77/​12, BFHE 238, 330, BSt­Bl II 2013, 28[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 07.03.2007 – X B 76/​06, BFHE 216, 500, BSt­Bl II 2007, 463[]
  6. vgl. hier­zu BFH, Beschluss in BFHE 238, 330, BSt­Bl II 2013, 28[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.