Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus als außer­or­dent­lich beschwe­ren­de Maß­nah­me darf nur ange­ord­net wer­den, wenn eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des besteht, dass der Täter infol­ge sei­nes Zustands in Zukunft erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten bege­hen wird, die schwer­wie­gen­de Stö­run­gen des Rechts­frie­dens besor­gen las­sen 1.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se

In jedem Fall bedarf es der Dar­stel­lung des Zusam­men­han­ges zwi­schen der vor­lie­gen­den psy­chi­schen Stö­rung, der abge­ur­teil­ten Tat und der fest­ge­stell­ten Gefahr erheb­li­cher rechts­wid­ri­ger Taten in der Zukunft 2.

Die Gefahr­pro­gno­se ist auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters, sei­nes Vor­le­bens sowie der von ihm began­ge­nen Anlas­s­tat zu tref­fen, wobei an die Dar­le­gun­gen umso höhe­re Anfor­de­run­gen zu stel­len sind, je mehr es sich bei dem zu beur­tei­len­den Sach­ver­halt um einen Grenz­fall han­delt 3.

Bei der inso­fern vor­zu­neh­men­den Gesamt­wür­di­gung des Täters und der Sym­ptom­tat sind etwai­ge Vor­ta­ten von beson­de­rer Bedeu­tung 4.

Als gewich­ti­ges Indiz gegen die Wahr­schein­lich­keit künf­ti­ger Straf­ta­ten ist es anzu­se­hen, wenn ein Täter trotz bestehen­den Defekts über Jah­re hin­weg kei­ne erheb­li­chen Straf­ta­ten began­gen hat 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2017 – 2 StR 53/​17

  1. BGH, Urteil vom 23.11.2016 – 2 StR 108/​16; Beschluss vom 17.02.2016 – 2 StR 545/​15, StV 2016, 720; Beschluss vom 02.09.2015 – 2 StR 239/​15[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 05.02.2003 – 2 StR 1/​03, NStZ-RR 2003, 168[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.01.2016 – 3 StR 521/​15, NStZ-RR 2015, 135, 136; Beschluss vom 04.07.2012 – 4 StR 224/​12, NStZ-RR 2012, 337, 338[]
  4. BGH, Beschluss vom 07.06.2016 – 4 StR 79/​16, NStZ-RR 2016, 306, 307[]
  5. BGH, Urteil vom 10.12 2014 – 2 StR 170/​14, NStZ-RR 2015, 72, 73[]