Er­satz­schul­för­de­rung und der grund­recht­li­che Schutz­an­spruch des Er­satz­schul­trä­gers

Von Art. 7 Abs. 4 GG gehen kei­ne den dies­be­züg­li­chen Ge­stal­tungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers ein­engen­den Vor­ga­ben im Hin­blick auf die Be­rech­nungs­wei­se für Zu­schüs­se an Er­satz­schul­trä­ger aus, so­lan­ge im Er­geb­nis die Er­satz­schu­le als In­sti­tu­ti­on nicht exis­ten­ti­ell ge­fähr­det ist.

Er­satz­schul­för­de­rung und der grund­recht­li­che Schutz­an­spruch des Er­satz­schul­trä­gers

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – die der Senat sich zu eigen gemacht hat – ist geklärt, dass aus Art. 7 Abs. 4 Satz 1 GG kein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Anspruch auf Gewäh­rung staat­li­cher Finanz­hil­fe folgt. Der grund­recht­li­che Schutz­an­spruch des ein­zel­nen Ersatz­schul­trä­gers ist nur dar­auf gerich­tet, dass der Gesetz­ge­ber die­je­ni­gen Gren­zen und Bin­dun­gen beach­tet, die sei­nem poli­ti­schen Hand­lungs­spiel­raum durch die Schutz- und För­der­pflicht zu Guns­ten des Ersatz­schul­we­sens als Insti­tu­ti­on gesetzt sind. Der gericht­li­che Rechts­schutz bezieht sich unter die­sen Umstän­den auf die Prü­fung einer Untä­tig­keit, einer gro­ben Ver­nach­läs­si­gung und eines ersatz­lo­sen Abbaus getrof­fe­ner Maß­nah­men 1. Der Gesetz­ge­ber ver­nach­läs­sigt sei­ne Pflicht gröb­lich, wenn bei wei­te­rer Untä­tig­keit der Bestand des Ersatz­schul­we­sens evi­dent gefähr­det wäre 2. Hier­aus folgt zwin­gend, dass von Art. 7 Abs. 4 GG kei­ne – den dies­be­züg­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ein­engen­den – Vor­ga­ben im Hin­blick auf die Berech­nungs­wei­se für gewähr­te Zuschüs­se und die hier­bei ange­setz­ten Ver­gleichs­pa­ra­me­ter aus­ge­hen, solan­ge im Ergeb­nis die Ersatz­schu­le als Insti­tu­ti­on nicht exis­ten­ti­ell gefähr­det wird. Es wäre nor­ma­tiv wider­sprüch­lich, wenn für die Gewäh­rung von Finanz­hil­fe dem Grun­de nach und für die Moda­li­tä­ten ihrer Berech­nung aus dem Blick­win­kel von Art. 7 Abs. 4 GG unter­schied­lich weit­rei­chen­de Maß­stä­be ange­legt wür­den 3. Daher besteht auch schon kei­ne Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, sich bei der Bemes­sung von Zuschüs­sen über­haupt an den ver­gleich­ba­ren Kos­ten öffent­li­cher Schu­len zu ori­en­tie­ren 4. Was das Ver­bot der evi­den­ten insti­tu­tio­nel­len Exis­tenz­ge­fähr­dung des Ersatz­schul­we­sens als Gren­ze des Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers in – jed­we­den – schul­ge­setz­li­chen Rege­lungs­zu­sam­men­hän­gen betrifft, so ist dies­be­züg­li­cher rechts­grund­sätz­li­cher Klä­rungs­be­darf weder von der Beschwer­de dar­ge­tan noch sonst in einem Zusam­men­hang ersicht­lich, der für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Fal­les von Bedeu­tung sein könn­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 5. Sep­tem­ber 2012 – 6 B 24.12

  1. BVerfG, Beschluss vom 09.03.1994 – 1 BvR 682, 712/​88, BVerfGE 90, 107, 117; BVerwG, Urteil vom 21.12.2011 – 6 C 18.10, Rn. 14[]
  2. BVerwG, Urteil vom 21.12.2011, a.a.O.[]
  3. vgl. bereits BVerwG, Beschluss vom 25.08.2011 – 6 B 16.11, im Hin­blick auf Fäl­lig­keits­vor­aus­set­zun­gen gesetz­li­cher För­der­an­sprü­che[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 21.12.2011, a.a.O. Rn. 23[]