Rechts­mit­tel in noch nicht erle­dig­ten Wehr­pflicht­kla­gen

Der Aus­schluss der Beru­fung in Wehr­pflicht­sa­chen nach § 34 WPflG gilt auch in allen Ver­fah­ren, die bei Inkraft­tre­ten des § 2 WPflG noch nicht abge­schlos­sen waren.

Rechts­mit­tel in noch nicht erle­dig­ten Wehr­pflicht­kla­gen

Die Beru­fung gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts ist gemäß § 34 Satz 1 WPflG aus­ge­schlos­sen. Nach § 135 VwGO ist statt­haf­tes Rechts­mit­tel gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts des­halb die Revi­si­on und bei deren Nicht­zu­las­sung – wie hier – die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de (§ 34 Satz 2 WPflG, § 135 Satz 2 VwGO).

Aus § 2 Abs. 1 Satz 1 WPflG in der Fas­sung des Wehr­rechts­än­de­rungs­ge­setz 2011 [1] ergibt sich nichts ande­res. Nach die­ser Vor­schrift gel­ten die §§ 3 bis 53 WPflG, und damit auch § 34 WPflG, im Span­nungs- oder Ver­tei­di­gungs­fall (Art. 80a Abs. 1 GG, Art. 115a Abs. 1 GG). Die Vor­schrift ist nach Art. 13 Abs. 1 Wehr­RÄndG am 1.07.2011 in Kraft getre­ten. Aus ihr lässt sich aber nicht her­lei­ten, dass seit dem 1.07.2011 die Beru­fung gegen Urtei­le der Ver­wal­tungs­ge­rich­te in Wehr­pflicht­sa­chen nicht mehr aus­ge­schlos­sen ist, son­dern nun­mehr man­gels beson­de­rer Vor­schrif­ten die Beru­fung oder der Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung die statt­haf­ten Rechts­mit­tel gegen sol­che Urtei­le sind.

Zwar ist nach der gewohn­heits­recht­li­chen Regel des inter­tem­po­ra­len Ver­fah­rens­rechts neu­es Ver­fah­rens­recht grund­sätz­lich auch auf Ver­fah­ren anzu­wen­den, die vor der Rechts­än­de­rung begon­nen wor­den sind. Die­se sind danach mit dem Inkraft­tre­ten des Ände­rungs­ge­set­zes nach neu­em Recht zu beur­tei­len. Die­ser Ver­fah­rens­grund­satz ist jedoch nicht anwend­bar, soweit es um unter der Gel­tung des alten Rechts abge­schlos­se­ne Pro­zess­hand­lun­gen und abschlie­ßend ent­stan­de­ne Pro­zess­la­gen geht, in die aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes und der Rechts­mit­tel­si­cher­heit nicht nach­träg­lich ver­än­dernd ein­ge­grif­fen wer­den darf [2], oder soweit sich aus dem Sinn und Zweck der betref­fen­den Vor­schrift oder aus dem Zusam­men­hang mit ande­ren Grund­sät­zen des Pro­zess­rechts etwas Abwei­chen­des ergibt.

Auch ohne beson­de­re Über­gangs­re­ge­lung ergibt sich hier unmit­tel­bar aus dem Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung, dass es für Ver­fah­ren in Wehr­pflicht­sa­chen, die am 1.07.2011 noch nicht abge­schlos­sen waren, bei der bis­he­ri­gen Rege­lung des Rechts­mit­tel­rechts blei­ben soll. Nach dem Sinn und Zweck des § 2 WPflG soll die Wehr­pflicht aus­ge­setzt wer­den. Ab dem 1.07.2011 sol­len kei­ne neu­en Ver­wal­tungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wer­den, die auf die Voll­zie­hung der Wehr­pflicht gerich­tet sind. Der Gesetz­ge­ber ist als selbst­ver­ständ­lich davon aus­ge­gan­gen, dass bereits anhän­gi­ge Ver­wal­tungs- und Gerichts­ver­fah­ren, soweit sie sich nicht erle­di­gen, son­dern noch Ent­schei­dun­gen erfor­dern, nach dem bis­he­ri­gen Recht abge­wi­ckelt wer­den. Der Gesetz­ge­ber hat kein neu­es Recht an die Stel­le des bis­he­ri­gen Rechts gesetzt, son­dern das bis­he­ri­ge Recht bei­be­hal­ten, sei­ne künf­ti­ge Anwen­dung aber auf den Span­nungs- und Ver­tei­di­gungs­fall beschränkt. Bezo­gen auf § 34 WPflG hat er kein neu­es Rechts­mit­tel­recht geschaf­fen, das für künf­ti­ge Fäl­le gel­ten soll. Nach sei­ner Vor­stel­lung bleibt es viel­mehr dabei, dass in Wehr­pflicht­sa­chen die Beru­fung aus­ge­schlos­sen sein soll. Damit unver­ein­bar wäre eine Aus­le­gung des § 2 WPflG, dass nur in den weni­gen noch ent­schei­dungs­be­dürf­ti­gen Alt­fäl­len abwei­chend von der Regel des § 34 WPflG nun­mehr die Beru­fung zuläs­sig sein soll.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 31. August 2011 – 6 B 35.11

  1. Gesetz zur Ände­rung wehr­recht­li­cher Vor­schrif­ten 2011 – Wehr­rechts­än­de­rungs­ge­setz 2011 – Wehr­RÄndG 2011 – vom 28.04.2011, BGBl I S. 678[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 07.07.1992 – 2 BvR 1631/​90, 2 BvR 1728/​90, BVerfGE 87, 48, 64 f.; BVerwG, Urteil vom 12.03.1998 – 4 CN 12.97, BVerw­GE 106, 237, 238[]