Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten bei einer Schu­le mit Haupt- und Neben­stel­le

Bestehen in einer Gemein­de Haupt­stel­le und Neben­stel­le einer Schu­le und es sind kei­ne getrenn­ten Schul­be­zir­ke fest­ge­legt wor­den, ist für die Schü­ler­be­för­de­rung nicht der Weg von der Haus­tür des Schü­lers bis zum nächst­ge­le­ge­nen Schul­ge­bäu­de maß­geb­lich. Viel­mehr kommt es dann allein dar­auf an, wel­ches Schul­ge­bäu­de (Haupt- oder Außen­stel­le) der Schü­ler tat­säch­lich besucht.

Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten bei einer Schu­le mit Haupt- und Neben­stel­le

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge der Eltern eines Schul­kin­des statt­ge­ge­ben, mit der die­se die Über­nah­me der Beför­de­rungs­kos­ten zur Schu­le begehr­ten. Die im Jah­re 2005 gebo­re­ne Schü­le­rin wohnt rund 1 km neben der Außen­stel­le einer Grund­schu­le. Die Haupt­stel­le der Schu­le liegt über 6 km ent­fernt. Das Kind wur­de 2011 nicht in die näher gele­ge­ne Außen­stel­le der Grund­schu­le ein­ge­schult, son­dern in die wei­ter ent­fern­te Haupt­stel­le, weil die­se als ver­läss­li­che Grund­schu­le geführt wird und sich dort ein Hort befin­det, wo das Kind nach dem Schul­un­ter­richt unter­kom­men kann. Der Land­kreis Har­burg lehn­te es ab, die Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten zu über­neh­men, weil das Kind die näher gele­ge­ne Außen­stel­le der Schu­le hät­te besu­chen kön­nen. Dar­auf­hin haben die Eltern Kla­ge erho­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung führt das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg aus, dass nach dem Nie­der­säch­si­schen Schul­ge­setz die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der 1. – 10. Schul­jahr­gän­ge zur Schu­le zu beför­dern sind, oder ihnen die not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen für den Schul­weg zu erstat­ten sind. Die Beför­de­rungs- oder Erstat­tungs­pflicht hängt aber von einer Min­dest­ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und Schu­le ab, die Min­dest­ent­fer­nung beträgt für das ers­te bis vier­te Schul­jahr 2 km. Wer­den Schul­be­zir­ke fest­ge­legt, ist die Ent­fer­nung zu der maß­geb­li­chen Schu­le ent­schei­dend.

Bestehen – wie im vor­lie­gen­den Fall – in einer Gemein­de Haupt­stel­le und Außen­stel­le einer Schu­le, kann die Gemein­de als Schul­trä­ger für die Haupt- und Außen­stel­le einen ein­heit­li­chen Schul­be­zirk fest­le­gen, sie kann aber auch für Haupt­stel­le und Außen­stel­le einen jeweils eige­nen Schul­be­zirk fest­le­gen. Wird aller­dings für Haupt­stel­le und Außen­stel­le kein jeweils eige­ner Schul­be­zirk fest­ge­legt, so ist – im Hin­blick auf die Schü­ler­be­för­de­rung – der Fall so zu behan­deln, als bestün­de ein gemein­sa­mer ein­heit­li­cher Schul­be­zirk für bei­de Schul­stand­or­te, denn es gibt recht­lich nur eine ein­zi­ge Schu­le mit Haupt­stel­le und Außen­stel­le. Wird dem­zu­fol­ge von der Ermäch­ti­gung, getrenn­te Schul­be­zir­ke fest­zu­le­gen, kein Gebrauch gemacht, ist für die Schü­ler­be­för­de­rung nicht maß­geb­lich der Weg von der Haus­tür des Schü­lers bis zum nächst­ge­le­ge­nen Schul­ge­bäu­de. Viel­mehr kommt es dann allein dar­auf an, wel­ches Schul­ge­bäu­de (Haupt- oder Außen­stel­le) der Schü­ler tat­säch­lich besucht.

Hier­von aus­ge­hend waren im kon­kre­ten Fall die Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten zu über­neh­men. Der beklag­te Land­kreis wur­de ver­pflich­tet, der Schü­le­rin die not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen für den Schul­weg von ihrer Woh­nung zur wei­ter ent­fern­ten Haupt­stel­le der Grund­schu­le zu erstat­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2012 – 4 A 211/​11