Eigen­be­darfs­kün­di­gung durch die Evan­ge­li­sche Kir­che

Wird die Kün­di­gung eines Miet­ver­hält­nis­ses durch eine dem Ver­mie­ter "nahe­ste­hen­de" juris­ti­sche Per­son aus­ge­spro­chen, deren Tätig­keit der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben auch des Ver­mie­ters dient, dann begrün­det dies ein eige­nes berech­tig­tes Inter­es­se des Ver­mie­ters an der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses.

Eigen­be­darfs­kün­di­gung durch die Evan­ge­li­sche Kir­che

So die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts orga­ni­sier­te Evan­ge­li­sche Kir­chen­kreis Düs­sel­dorf, als Ver­mie­ter die Räu­mung einer von dem Beklag­ten inne­ge­hal­te­nen Miet­woh­nung in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus bean­sprucht. Das Miet­ver­hält­nis wur­de dem Beklag­ten mit Schrei­ben vom 23. Janu­ar 2009 gekün­digt. Die Kün­di­gung wur­de dar­auf gestützt, dass das gesam­te Anwe­sen, ein­schließ­lich der vom Beklag­ten genutz­ten Woh­nung, für die Unter­brin­gung der von der Dia­ko­nie Düs­sel­dorf e.V. betrie­be­nen Bera­tungs­stel­le für Erziehungs‑, Ehe‑, und Lebens­fra­gen benö­tigt wer­de. Der Beklag­te stellt das Vor­lie­gen eines berech­tig­ten Inter­es­ses im Sin­ne des § 573 Abs. 1 BGB* in Abre­de und ist der Ansicht, dass der Klä­ger sich nicht auf den Nut­zungs­be­darf der Dia­ko­nie beru­fen kön­ne, da die­se im Ver­hält­nis zum Klä­ger eine recht­lich selb­stän­di­ge juris­ti­sche Per­son sei. Der Räu­mungs­kla­ge ist vor dem Amts­ge­richt Düs­sel­dorf statt­ge­ge­ben wor­den 1. Nach­dem die Beru­fung des Beklag­ten 2 zurück­ge­wie­sen wor­den ist, ver­folgt der Mie­ter mit der Revi­si­on sein Ziel wei­ter.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs dient die Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses nicht nur der Ver­wirk­li­chung frem­der Inter­es­sen, son­dern auch der Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen des Klä­gers. Nach den von der Revi­si­on nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts erfüllt die Dia­ko­nie Düs­sel­dorf e.V., die eben­so wie der Klä­ger zum Gesamt­kom­plex der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land gehört, für die Düs­sel­dor­fer Kir­chen­ge­mein­den dia­ko­ni­sche Auf­ga­ben, unter ande­rem durch die Unter­hal­tung von Bera­tungs­stel­len. Es han­delt sich daher bei ihr um eine dem Klä­ger "nahe­ste­hen­de" juris­ti­sche Per­son, deren Tätig­keit der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben auch des Klä­gers dient. Die­ser Umstand begrün­det ein eige­nes berech­tig­tes Inter­es­se des Klä­gers an der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses über die von dem Beklag­ten inne­ge­hal­te­ne Woh­nung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Mai 2012 – VIII ZR 238/​11

  1. AG Düs­sel­dorf, Urteil vom 21.04.2010 – 35 C 14555/​09[]
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 09.06.2011 – 21 S 190/​10[]