Fris­ten­kon­trol­le und Gegen­kon­trol­le

Es gehört zu den Pflich­ten des Rechts­an­walts bei der Unter­zeich­nung der Beru­fungs­schrift, die Notie­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist auf ihre Rich­tig­keit zu über­prü­fen, und zwar unbe­scha­det der Fra­ge, ob dem Rechts­an­walt die Beru­fungs­schrift zusam­men mit der Hand­ak­te vor­ge­legt wird.

Fris­ten­kon­trol­le und Gegen­kon­trol­le

Über­lässt der Rechts­an­walt die Berech­nun­gen und Notie­run­gen von Fris­ten einer gut aus­ge­bil­de­ten, als zuver­läs­sig erprob­ten und sorg­fäl­tig über­wach­ten Büro­kraft, hat er durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass die Fris­ten fest­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den. Zu den zur Ermög­li­chung einer Gegen­kon­trol­le erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen im Rah­men der Fris­ten­kon­trol­le gehört ins­be­son­de­re, dass die Rechts­mit­tel­fris­ten in der Hand­ak­te notiert wer­den und die Hand­ak­te durch ent­spre­chen­de Erle­di­gungs­ver­mer­ke oder auf sons­ti­ge Wei­se erken­nen lässt, dass die Fris­ten in den Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen wor­den sind.

Wird dem Rechts­an­walt die Sache im Zusam­men­hang mit einer frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung zur Bear­bei­tung vor­ge­legt, hat er die Ein­hal­tung sei­ner Anwei­sung zur Berech­nung und Notie­rung lau­fen­der Rechts­mit­tel­fris­ten ein­schließ­lich deren Ein­tra­gung in den Fris­ten­ka­len­der eigen­ver­ant­wort­lich zu prü­fen, wobei er sich grund­sätz­lich auf die Prü­fung der Ver­mer­ke in der Hand­ak­te beschrän­ken darf.

Die­se anwalt­li­che Prü­fungs­pflicht besteht auch dann, wenn die Hand­ak­te zur Bear­bei­tung nicht zugleich mit vor­ge­legt wor­den ist, so dass in die­sen Fäl­len die Vor­la­ge der Hand­ak­te zur Fris­ten­kon­trol­le zu ver­an­las­sen ist 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Dezem­be 2012 – III ZB 47/​12

  1. BGH, Beschluss vom 22.09.2011 – III ZB 25/​11, BeckRS 2011, 24117 Rn. 8 mwN[]