Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze mehr fin­det1. Das ist unter ande­rem dann der Fall, wenn ein Gericht die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs miss­ach­tet, wonach die Ableh­nung eines Beweis­an­trags für eine erheb­li­che Tat­sa­che nur zuläs­sig ist, wenn die­se so unge­nau bezeich­net ist, dass ihre Erheb­lich­keit nicht beur­teilt wer­den kann oder wenn sie ins Blaue hin­ein auf­ge­stellt wor­den ist2. Die der Beweis­erhe­bung vor­ge­schal­te­te Hand­ha­bung der Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen ver­letzt Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie offen­kun­dig unrich­tig ist3.

Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots

Sach­vor­trag ist erheb­lich, wenn Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen wer­den, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, den gel­tend gemach­ten Anspruch zu begrün­den4. Die Anga­be nähe­rer Ein­zel­hei­ten ist nur dann erfor­der­lich, wenn die­se für die Rechts­fol­gen von Bedeu­tung sind. Der Sach­vor­trag bedarf im Hin­blick auf die Erwi­de­rung des Geg­ners nur dann der Ergän­zung, wenn er infol­ge die­ser Ein­las­sung unklar wird und nicht mehr den Schluss auf die Ent­ste­hung des gel­tend gemach­ten Rechts zulässt. Eine Beweis­auf­nah­me zu einem bestrit­te­nen erheb­li­chen Vor­brin­gen darf nicht abge­lehnt wer­den, wenn die Behaup­tung kon­kret genug ist, um eine Stel­lung­nah­me des Geg­ners zu ermög­li­chen und die Erheb­lich­keit des Vor­brin­gens zu beur­tei­len5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Novem­ber 2012 – VII ZR 199/​11

  1. BVerfG, NJW 2009, 1585; BGH, Beschluss vom 22.08.2012 – VII ZR 2/​11, juris Rn. 14 m.w.N.
  2. vgl. BVerfG, ZIP 1996, 1761, 1762
  3. BGH, Beschluss vom 22.08.2012 – VII ZR 2/​11, juris Rn. 14; BGH, Beschluss vom 16.11.2010 – VIII ZR 228/​08, juris Rn. 14
  4. vgl. BGH, Urteil vom 30.09.2003 XI ZR 232/​02, NJW-RR 2004, 45 m.w.N.
  5. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, NJW 2009, 502 Rn. 32