Schutz für Musi­ker auf einem Stra­ßen­fest

Bestehen für den Betrei­ber eines dörf­li­chen Stra­ßen­fes­tes kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für eine Gefähr­dung dort auf­tre­ten­der Musi­ker, dann ist er nicht ver­pflich­tet, einen Sicher­heits­dienst zu enga­gie­ren.

Schutz für Musi­ker auf einem Stra­ßen­fest

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Musi­kers, der für sei­ne Ver­let­zung auf einem Stra­ßen­fest vom Ver­an­stal­ter Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld ver­langt hat. Der Klä­ger war Mit­glied einer Rock `n Roll Band die am 2. Juni 2007 auf dem "Stör­te­be­cker Stra­ßen­fest" in Mari­en­ha­fe auf­ge­tre­ten ist. In einer Dar­bie­tungs­pau­se kam es zu einer tät­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit einem alko­ho­li­sier­ten Besu­cher des Fes­tes. Nach der Dar­stel­lung des Klä­gers habe der Besu­cher zwei Bier­glä­ser auf die Laut­spre­cher­bo­xen der Band gestellt. Nach­dem der Klä­ger ihn auf­ge­for­dert hat­te, die Bier­glä­ser zu ent­fer­nen sei der Streit eska­liert und der Besu­cher habe ihm ein Bier­glas ins Gesicht geschleu­dert und ihn von dem als Büh­ne die­nen­den Lkw-Anhän­ger gesto­ßen. Der Musi­ker ver­letz­te sich schwer.

Der Klä­ger hat sich mit dem Angrei­fer auf die Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des geei­nigt, ver­lang­te aber von der Inter­es­sen­ge­mein­schaft als Ver­an­stal­ter des Stra­ßen­fes­tes eben­falls die Zah­lung von Scha­dens­er­satz nebst Schmer­zens­geld in Höhe von ins­ge­samt 40.000 Euro. Nach­dem eine ent­sprechnde Kla­ge vor dem Lan­ge­richt Aurich ohne Erfolg blieb, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg sei die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Aurich nicht zu bean­stan­den: Der Ver­an­stal­ter eines klei­nen Stra­ßen­fes­tes sei nicht ver­pflich­tet, einen Sicher­heits­dienst zu enga­gie­ren, der die Musi­ker vor tät­li­chen Über­grif­fen der Besu­cher schützt. Das "Stör­te­be­cker Stra­ßen­fest" sei ein Fest in dörf­li­chem Umfeld, das sich grund­sätz­lich an die Bewoh­ner der nähe­ren Umge­bung rich­te, kei­ne über­re­gio­na­le Bedeu­tung habe und schon gar kei­ne Mas­sen­ver­an­stal­tung sei. Auch sei das Fest in der Ver­gan­gen­heit stets fried­lich ver­lau­fen.

Schließ­lich hät­te auch das Ein­schal­ten eines Sicher­heits­diens­tes die Situa­ti­on nur dann ent­schär­fen kön­nen, wenn die­ser vor jeder Büh­ne einen Mit­ar­bei­ter posi­tio­niert hät­te. Einen sol­chen Auf­wand müs­se der Ver­an­stal­ter aber nicht betrei­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt äußer­te aber, dass mög­li­cher­wei­se heu­te ande­re Maß­stä­be als im Jahr 2007 gel­ten könn­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 5. Dezem­ber 2013 – 1 U 14/​13