Aus­la­gen­vor­schus­ses für die Beweis­auf­nah­me und die raten­frei­en Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe

Für die Anwend­bar­keit des § 122 Abs. 2 ZPO kommt es für die im Rah­men eines Ver­bund­ver­fah­rens anhän­gi­ge Fol­ge­sa­che nur auf die jewei­li­ge Betei­lig­ten­rol­le an. Wur­de einem Antrag­stel­ler für eine Fol­ge­sa­che raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­ligt, ist der Antrags­geg­ner von der Erbrin­gung von Gerichts­kos­ten befreit, wenn er in der Schei­dungs­sa­che selbst Antrag­stel­ler ist.

Aus­la­gen­vor­schus­ses für die Beweis­auf­nah­me und die raten­frei­en Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe

Die Bewil­li­gung raten­frei­er Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für den Antrag­stel­ler eines Ver­fah­rens hat gemäß § 122 Abs. 2 ZPO für den Geg­ner die einst­wei­li­ge Befrei­ung von den in § 122 Abs. 1 Nr. 1 lit. a) ZPO bezeich­ne­ten Kos­ten zur Fol­ge. Zu den davon erfaß­ten Gerichts­kos­ten gehö­ren gericht­li­che Gebüh­ren und Aus­la­gen (vgl. § 1 FamGKG), wozu im Fal­le der Ein­ho­lung eines gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens auch die Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten gehö­ren, ein­schließ­lich dafür zu erbrin­gen­der Aus­la­gen­vor­schüs­se nach §§ 402, 379 ZPO [1]. Ohne die Kos­ten­be­frei­ung für den Geg­ner aus § 122 Abs. 2 ZPO könn­te die­ser im Fal­le eines gan­zen oder teil­wei­sen Obsie­gens und einer dem­entspre­chen­den Kos­ten­ent­schei­dung die Erstat­tung ver­lan­gen, wovor den Antrag­stel­ler auch die ihm bewil­lig­te Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe nicht schützt, vgl. § 123 ZPO; dies wäre indes­sen mit der Rege­lung des § 122 Abs. 1 Nr. 1 ZPO unver­ein­bar, nach der der Antrag­stel­ler von den Gerichts­kos­ten gera­de befreit sein soll. Vor­aus­set­zung für den Ein­tritt der Wir­kun­gen des § 122 Abs. 2 ZPO ist ledig­lich, dass sich der auf Aus­la­gen­vor­schuss in Anspruch Genom­me­ne zum jet­zi­gen Ver­fah­rens­stand in der Rol­le des Antrags­geg­ners befin­den, so dass es dem­entspre­chend auch uner­heb­lich ist, ob in der vor­an­ge­gan­ge­nen Instanz die Rol­len umge­kehrt waren [2].

Dies ist im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Rechts­streit bezüg­lich der Antrag­stel­le­rin der Fall, die in der Güter­recht­fol­ge­sa­che Antrags­geg­ne­rin ist.

Ande­res gilt auch nicht des­halb, weil sich die Betei­lig­ten vor­lie­gend im Schei­dungs­ver­fah­ren mit im Ver­hält­nis zur Güter­recht­fol­ge­sa­che ver­tausch­ten Betei­lig­ten­rol­len befin­den. Die Beson­der­hei­ten des Schei­dungs­ver­bun­des nach § 137 FamFG beschrän­ken sich im Ver­hält­nis zur Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe auf die gemäß § 149 FamFG kraft Gesetz ein­tre­ten­de Erstre­ckung der im Schei­dungs­ver­fah­ren bewil­lig­ten Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe auf Ver­sor­gungs­aus­gleich­fol­ge­sa­chen, wäh­rend sie in allen ande­ren Fol­ge­sa­chen beson­ders bewil­ligt wer­den muss [3]. Wür­de die Antrag­stel­le­rin nicht im Schei­dungs­ver­bund, son­dern in einem iso­liert geführ­ten güter­recht­li­chen Ver­fah­ren auf Zuge­winn in Anspruch genom­men, stün­de außer Fra­ge, dass zu ihren Guns­ten § 122 Abs. 2 ZPO gilt, soll­te dem Geg­ner raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wor­den sein. Dass das vor­lie­gen­de güter­recht­li­che Ver­fah­ren (Zuge­winn) wegen § 137 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 4 FamFG trotz feh­len­der Fäl­lig­keit der Zuge­winn­aus­gleichs­for­de­rung (vgl. § 1378 Abs. 3 BGB) statt im Anschluss an das rechts­kräf­tig abge­schlos­se­ne Schei­dungs­ver­fah­ren (und der damit ein­ge­tre­te­nen Been­di­gung des Güter­stan­des) gemein­sam mit die­sem im Ver­bund betrie­ben wer­den darf [4], führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Müss­te die Antrag­stel­le­rin in der Güter­recht­fol­ge­sa­che, in der sie im Gegen­satz zur Schei­dungs­sa­che ver­fah­rens­tech­nisch Antrags­geg­ne­rin ist, einen Aus­la­gen­vor­schuss erbrin­gen, könn­te sie die­se von ihr ver­aus­lag­ten (Gerichts-)Kos­ten ganz oder antei­lig vom Geg­ner erstat­tet ver­lan­gen, wenn und sobald eine Kos­ten­grund­ent­schei­dung vor­liegt, nach der auch der Geg­ner einen Teil der Gerichts­kos­ten zu tra­gen hat. Die vom Fami­li­en­ge­richt in der Nicht­ab­hil­fe­ent­schei­dung auf­ge­führ­te Erwä­gung, in Schei­dungs­sa­chen nebst Fol­ge­sa­chen sei ohne­hin regel­mä­ßig eine Kos­ten­auf­he­bung zu erwar­ten, ent­spricht zwar der Rich­tig­keit, vgl. § 150 Abs. 1 FamFG, gibt jedoch für die Beur­tei­lung der vor­lie­gend zu ent­schei­den­den Rechts­fra­ge nichts her. Zum einen kann das Fami­li­en­ge­richt auch eine davon abwei­chen­de Kos­ten­re­ge­lung tref­fen, vgl. § 150 Abs. 4 FamFG, zum ande­ren wür­de eine Kos­ten­auf­he­bung vor­lie­gend ledig­lich dazu füh­ren, dass die Antrag­stel­le­rin nur die Hälf­te der von ihr ver­aus­lag­ten Gerichts­kos­ten vom Geg­ner erstat­tet ver­lan­gen kann [5]. Damit wür­de aber die infol­ge der Bewil­li­gung raten­frei­er Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe ein­tre­ten­de Befrei­ung des Geg­ners von den Gerichts­kos­ten gemäß § 122 Abs. 1 ZPO über den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch der Antrag­stel­le­rin unter­lau­fen (vgl. § 123 ZPO) [6], was § 122 Abs. 2 ZPO gera­de ver­hin­dern will. Dem­entspre­chend kommt es für des­sen Anwend­bar­keit auch in Fol­ge­sa­chen nur auf die jewei­li­ge Betei­lig­ten­rol­le an. Ist dem Antrag­stel­ler in einer Fol­ge­sa­che daher raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­ligt, ist der Antrags­geg­ner selbst dann von der Erbrin­gung von Gerichts­kos­ten befreit, wenn er in der Schei­dungs­sa­che selbst Antrag­stel­ler ist.

Die dem Antrags­geg­ner bewil­lig­te raten­freie Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe in der Fol­ge­sa­che Güter­recht – in der er als Antrag­stel­ler auf­tritt – bewirkt daher glei­cher­ma­ßen wie in einer iso­liert geführ­ten Güter­rechts­sa­che mit iden­ti­schen Betei­lig­ten­rol­len die einst­wei­li­ge Befrei­ung des Geg­ners – vor­lie­gend der Antrag­stel­le­rin – von den in § 122 Abs. 1 Nr. 1 lit. a) ZPO bezeich­ne­ten Kos­ten. Der Anfor­de­rung eines Aus­la­gen­vor­schus­ses von der Antrag­stel­le­rin für ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten durch das Fami­li­en­ge­richt fehlt daher eine gesetz­li­che Grund­la­ge.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 6. August 2012 – 18 WF 145/​12

  1. vgl. OLG Hamm FamRZ 1999, 453; OLG Stutt­gart MDR 1984, 151; Mün­che­ner Kommentar/​Motzer, 3. Auf­la­ge 2008, § 122 Rn. 19[]
  2. vgl. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, 70. Auf­la­ge 2012, § 122 Rn. 31[]
  3. vgl. Bumiller/​Harders, FamFG, 10. Auf­la­ge 2011, § 149 Rn. 4[]
  4. vgl. Mün­che­ner Kommentar/​Heiter, ZPO, 3. Auf­la­ge 2010, § 137 FamFG Rn. 5[]
  5. vgl. Mün­che­ner Kommentar/​Koritz, ZPO, 3. Auf­la­ge 2010, § 150 FamFG Rn. 3[]
  6. Musielak/​Fischer, ZPO, 9. Auf­la­ge 2012, § 123 Rn. 1[]