Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung im finanz­ge­richt­li­chen Urteil

Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einem Finanz­ge­richt, Urteil für die Erhe­bung einer Beschwer­de wegen der Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on muss kei­nen Hin­weis auf die Mög­lich­keit der Ein­le­gung auf elek­tro­ni­schem Weg ent­hal­ten. Weist die Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einem Finanz­ge­richt, Urteil für die Erhe­bung einer Beschwer­de wegen der Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on auf die Mög­lich­keit der Ein­le­gung auf elek­tro­ni­schem Weg hin, genügt die Anga­be, dass für den elek­tro­ni­schen Weg § 52a FGO gilt.

Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung im finanz­ge­richt­li­chen Urteil

Hin­sicht­lich der Rechts­be­helfs­be­leh­rung für die Ein­le­gung eines Ein­spruchs nach § 357 Abs. 1 Satz 1 AO hat der Bun­des­fi­nanz­hof wie­der­holt ent­schie­den, dass sie dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes ‑GG-; Art.19 Abs. 4 GG) Rech­nung tra­gen muss, aber auch so ein­fach und klar wie mög­lich sein soll. Unrich­tig ist eine Beleh­rung daher erst dann, wenn sie in wesent­li­chen Aus­sa­gen unzu­tref­fend oder der­art unvoll­stän­dig oder miss­ver­ständ­lich gefasst ist, dass hier­durch ‑bei objek­ti­ver Betrach­tung- die Mög­lich­keit zur Fris­t­wah­rung gefähr­det erscheint. Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist auch dann noch voll­stän­dig und rich­tig, wenn sie im Hin­blick auf die Form der Ein­le­gung des Rechts­be­helfs nur den Wort­laut des Geset­zes ‑im Fall der Ein­le­gung des Ein­spruchs also den des § 357 Abs. 1 Satz 1 AO- wie­der­holt, und zwar auch in Bezug auf die Ein­le­gung des Rechts­be­helfs per E‑Mail1. Das Finanz­amt muss kei­nen ergän­zen­den Hin­weis auf § 87a AO (elek­tro­ni­sche Form als Alter­na­ti­ve zur Schrift­lich­keit im Sin­ne der her­ge­brach­ten Schrift­form) geben2.

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Im Hin­blick auf die Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einer Ein­spruchs­ent­schei­dung zur Erhe­bung der Kla­ge hat der BFH eben­falls ent­schie­den, dass sie nicht gemäß § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO unrich­tig erteilt wor­den ist, weil sie kei­nen Hin­weis auf die Mög­lich­keit der Über­mitt­lung der Kla­ge mit­tels eines elek­tro­ni­schen Doku­ments gemäß § 52a FGO ent­hielt. Denn gemäß § 64 Abs. 1 FGO ist die Kla­ge bei dem Gericht schrift­lich oder zur Nie­der­schrift zu erhe­ben. Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist rich­tig erteilt, wenn sie den Wort­laut des § 64 Abs. 1 FGO wie­der­gibt. Einen Ver­weis auf die Mög­lich­keit der Über­mitt­lung der Kla­ge­schrift mit­tels elek­tro­ni­schen Doku­ments ent­hält § 64 Abs. 1 FGO nicht3.

Die­sel­ben Grund­sät­ze gel­ten in Bezug auf die Rich­tig­keit einer Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einem Finanz­ge­richt, Urteil für die Ein­le­gung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de bei dem BFH. § 116 Abs. 2 Satz 2 FGO ver­langt hin­sicht­lich der Form der Ein­le­gung, dass die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de das ange­foch­te­ne Urteil bezeich­nen soll. Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ist schrift­lich ein­zu­le­gen4. Das ergibt sich für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ‑anders als für die Revi­si­on (§ 120 Abs. 1 FGO) und für die Beschwer­de nach § 128 FGO (§ 129 Abs. 1 FGO)- zwar nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz, aber aus dem Umstand, dass es sich um einen bestim­men­den Schrift­satz han­delt. Die­ses Ergeb­nis wird bestä­tigt durch die Anord­nung in § 116 Abs. 2 Satz 3 FGO, dass der Beschwer­de­schrift eine Aus­fer­ti­gung oder Abschrift des ange­foch­te­nen Urteils bei­gefügt wer­den soll5. Eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung für die Ein­le­gung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ist rich­tig i.S. des § 55 Abs. 1 FGO, wenn sie dar­auf hin­weist, dass die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de inner­halb eines Monats nach Zustel­lung des voll­stän­di­gen Urteils schrift­lich ein­zu­le­gen ist, in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de das ange­foch­te­ne Urteil bezeich­net wer­den muss und der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de eine Aus­fer­ti­gung oder Abschrift des Urteils, gegen das Revi­si­on ein­ge­legt wer­den soll, bei­gefügt wer­den soll. Ein Hin­weis auf die Mög­lich­keit der Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf elek­tro­ni­schem Weg ist nicht notwendig.

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Ent­hält eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung auch Anga­ben, die nicht zwin­gend vor­ge­schrie­ben sind, muss sie die­se rich­tig, voll­stän­dig und unmiss­ver­ständ­lich dar­stel­len6. Der BFH hat mit Rück­sicht auf die im Inter­es­se des Steu­er­pflich­ti­gen lie­gen­de Klar­heit der Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einem Fall, in dem die Fra­ge des Frist­be­ginns in Rede stand, ent­schie­den, dass es aus­rei­chend ist, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung den Geset­zes­wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung wie­der­gibt und ver­ständ­lich über die all­ge­mei­nen Merk­ma­le des Frist­be­ginns unter­rich­tet. Letz­te­res setzt nicht vor­aus, dass in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung den Beson­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les Rech­nung zu tra­gen ist. Viel­mehr genügt eine abs­trak­te Beleh­rung anhand des Geset­zes­tex­tes über die vor­ge­schrie­be­ne Anfech­tungs­frist. Die kon­kre­te Berech­nung ist den Betei­lig­ten über­las­sen; es kann nicht auf sämt­li­che Moda­li­tä­ten hin­ge­wie­sen wer­den. Es besteht kei­ne Ver­an­las­sung, bei Anga­ben in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung, die nicht Pflicht­an­ga­ben sind, höhe­re Anfor­de­run­gen an die Detail­liert­heit der Rechts­be­helfs­be­leh­rung zu stel­len als bei sol­chen Anga­ben, die not­wen­di­ges Ele­ment der Rechts­be­helfs­be­leh­rung sind. Bezüg­lich einer Frist als Pflicht­an­ga­be und ihrer im Ein­zel­fall sehr kom­pli­zier­ten Berech­nung reicht es daher aus, den Wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung wie­der­zu­ge­ben. Dies gilt erst recht, wenn Anga­ben zur Form gemacht wer­den, die schon dem Grun­de nach nicht zwin­gen­der Bestand­teil der Rechts­be­helfs­be­leh­rung sind7.

Die­se Grund­sät­ze sind auf Anga­ben in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung des Finanz­ge­richts bezüg­lich der elek­tro­ni­schen Ein­le­gung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zu über­tra­gen. Inso­weit ist aus­rei­chend, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung ‑falls sie auf die Mög­lich­keit der elek­tro­ni­schen Ein­le­gung ver­weist, was kei­ne Pflicht­an­ga­be ist‑, die Anga­be ent­hält, dass für den elek­tro­ni­schen Weg § 52a FGO gilt.

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Nach die­sen Maß­stä­ben genüg­te es, dass in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung des Finanz­ge­richts hin­sicht­lich der Anga­be der elek­tro­ni­schen Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf § 52a FGO und die ERVV ver­wie­sen wur­de. Es waren kei­ne Anga­ben not­wen­dig, wel­che Adres­se beim Bun­des­fi­nanz­hof für die elek­tro­ni­sche Ein­le­gung im kon­kre­ten Fall ein­schlä­gig ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Mai 2021 – II S 5/​21 (PKH)

  1. BFH, Urteil vom 20.11.2013 – X R 2/​12, BFHE 243, 158, BStBl II 2014, 236, Rz 13 ff., m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 243, 158, BStBl II 2014, 236, Rz 16[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 18.06.2015 – IV R 18/​13, BFH/​NV 2015, 1349, Rz 22, m.w.N.[]
  4. all­ge­mei­ne Mei­nung, vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 15.01.2002 – X B 143/​01, BFH/​NV 2002, 669, m.w.N.[]
  5. BFH, Beschluss vom 17.08.2010 – X B 190/​09, BFH/​NV 2010, 2285, Rz 3[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 21.06.2007 – III R 70/​06, BFH/​NV 2007, 2064, unter II. 2.a, m.w.N.[]
  7. s. BFH, Urteil in BFHE 243, 158, BStBl II 2014, 236, Rz 22, und BFH, Beschluss vom 28.04.2015 – VI R 65/​13, BFH/​NV 2015, 1074, Rz 15[]