Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Dar­stel­lungs­an­for­de­run­gen im Urteil

Wird ein Ange­klag­ter aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen, so müs­sen im Urteil regel­mä­ßig zunächst die­je­ni­gen Tat­sa­chen fest­ge­stellt wer­den, die das Tat­ge­richt als erwie­sen erach­tet.

Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Dar­stel­lungs­an­for­de­run­gen im Urteil

Erst auf die­ser Grund­la­ge ist in der Beweis­wür­di­gung dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den die zur Ver­ur­tei­lung not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den konn­ten; nur hier­durch wird das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt, zu prü­fen, ob der Frei­spruch auf recht­lich beden­ken­frei­en Erwä­gun­gen beruht 1.

Den Urteils­grün­den muss fer­ner zu ent­neh­men sein, dass das Gericht die erfor­der­li­che Gesamt­wür­di­gung aller für und gegen die Täter­schaft des Ange­klag­ten spre­chen­den Umstän­de tat­säch­lich vor­ge­nom­men hat.

Hier­zu ist es nicht aus­rei­chend, wenn sich die Beweis­wür­di­gung dar­auf beschränkt, die ein­zel­nen Belas­tungs­in­di­zi­en jeweils geson­dert zu erör­tern und auf ihren jewei­li­gen Beweis­wert zu prü­fen, ohne sie zuein­an­der in Bezie­hung zu set­zen. Denn damit hat das Gericht nicht erkenn­bar bedacht, dass ein­zel­ne Belas­tungs­in­di­zi­en, die für sich genom­men zum Beweis der Täter­schaft nicht aus­rei­chen, doch in ihrer Gesamt­heit die für eine Ver­ur­tei­lung not­wen­di­ge rich­ter­li­che Über­zeu­gung begrün­den kön­nen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Febru­ar 2015 – 5 StR 621/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, NStZ-RR 2014, 220 mwN[]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 07.11.2012 – 5 StR 322/​12 mwN[]