Errich­tung einer neu­en Gesamt­schu­le in Nie­der­sach­sen

Die Außer­voll­zug­set­zung der Vor­schrif­ten der nie­der­säch­si­schen Schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­ord­nung, nach denen neu zu errich­ten­de Inte­grier­te Gesamt­schu­len min­des­tens fünf­zü­gig sein müs­sen und der Schul­trä­ger sei­nen schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen eine Pro­gno­se der Schü­ler­zah­len für min­des­tens zehn Jah­re zugrun­de zu legen hat, ist jetzt vor dem Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg geblie­ben.

Errich­tung einer neu­en Gesamt­schu­le in Nie­der­sach­sen

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg lehn­te einen ent­spre­chen­den Eil­an­trag des Land­krei­ses Nord­heim ab. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sind die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der Schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­ord­nung nach sum­ma­ri­scher Prü­fung mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar. Ins­be­son­de­re liegt ein von dem Land­kreis ange­führ­ter Ver­stoß gegen die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie und den Gleich­heits­satz nicht vor. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber hat bei der Schul­or­ga­ni­sa­ti­on einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum. Damit geht die Befug­nis ein­her, im Ein­zel­nen die Vor­aus­set­zun­gen für die Errich­tung und die Grö­ße neu­er Schu­len näher fest­zu­le­gen. Die Vor­ga­be der Fünf­zü­gig­keit für Inte­grier­te Gesamt­schu­len ver­stößt nicht gegen den Gleich­heits­satz. Zwar muss die neue Schul­form der Ober­schu­le dem­ge­gen­über nur zwei- oder drei­zü­gig sein. Für die­se Dif­fe­ren­zie­rung gibt es aber sach­li­che Grün­de. Wäh­rend die Inte­grier­te Gesamt­schu­le grund­sätz­lich im Sekun­dar­be­reich I einen gym­na­sia­len Teil und eine Ober­stu­fe mit den Klas­sen­stu­fen 11 und 12 (Sekun­dar­be­reich II) führt, ist dies bei der Ober­schu­le vom Prin­zip her nicht der Fall, weil die­se nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers die bis­he­ri­gen Schul­for­men der Haupt- und der Real­schu­le erset­zen soll. Auch die Aus­nah­me für vor dem 1. August 2008 errich­te­te Gesamt­schu­len, die im Sekun­dar­be­reich I nur vier- bzw. drei­zü­gig sein müs­sen, ist unter Ver­trau­ens­schutz­ge­sicht­punk­ten nicht zu bean­stan­den.

Schließ­lich ist der Pro­gno­se­zeit­raum von min­des­tens zehn Jah­ren von dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Lan­des­norm­ge­bers gedeckt. Gera­de mit Blick auf die mit der Errich­tung einer neu­en Schu­le ein­her­ge­hen­den finan­zi­el­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­wir­kun­gen und die erfor­der­li­che Pla­nungs­si­cher­heit für die Eltern und Schü­ler ist die­ser Zeit­raum nicht über­mä­ßig lang.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Febru­ar 2012 -2 MN 244/​11