Streit um Lis­ten­auf­stel­lung der Pira­ten­par­tei

Bei ver­eins­in­ter­nen Strei­tig­kei­ten um eine Kan­di­da­ten­auf­stel­lung muss ein Par­tei­mit­glied zuerst die Par­tei­schieds­ge­rich­te anru­fen. Es kann des­halb grund­sätz­lich erst nach erfolg­lo­ser Aus­schöp­fung des par­tei­in­ter­nen Rechts­mit­tel­we­ges die staat­li­chen Gerich­te in Anspruch neh­men.

Streit um Lis­ten­auf­stel­lung der Pira­ten­par­tei

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag eines Mit­glieds der Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen auf Fest­stel­lung, dass der Ein­spruch des Lan­des­vor­stan­des gegen sei­ne Wahl zum Direkt­kan­di­da­ten unwirk­sam ist und auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gegen die erneu­te Durch­füh­rung einer Auf­stel­lungs­ver­samm­lung abge­lehnt. Das Par­tei­mit­glied war am 31.03.2012 von der Auf­stel­lungs­ver­samm­lung als Bewer­ber der um ein Direkt­man­dat im Wahl­kreis 28 (Han­no­ver – Mit­te) für die Wahl zum Nie­der­säch­si­schen Land­tag am 20.01.2013 bestimmt wor­den. Am 09.04.2012 hat­te der Lan­des­vor­stand der Par­tei Ein­spruch gegen die Wahl des Antrag­stel­lers ein­ge­legt und dazu erklärt, er hal­te es für äußerst unan­ge­bracht und unan­ge­mes­sen, in aller Öffent­lich­keit für die For­de­rung nach der Ent­kri­mi­na­li­sie­rung der Leug­nung des Holo­caust ein­zu­tre­ten. Der Regi­ons­vor­stand der Par­tei berief dar­auf­hin am 04.07.2012 eine erneu­te Auf­stel­lungs­ver­samm­lung für den Wahl­kreis 28 ein, die am 19.07.2012 statt­fin­den soll. Dage­gen rich­tet sich der Eil­an­trag des Antrag­stel­lers.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver sei ein Rechts­schutz­be­dürf­nis für den Eil­rechts­schutz nicht dar­ge­legt wor­den: Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung müs­se ein Par­tei­mit­glied bei ver­eins­in­ter­nen Strei­tig­kei­ten um eine Kan­di­da­ten­auf­stel­lung zuerst die Par­tei­schieds­ge­rich­te anru­fen. Es kön­ne des­halb grund­sätz­lich erst nach erfolg­lo­ser Aus­schöp­fung des par­tei­in­ter­nen Rechts­mit­tel­we­ges die staat­li­chen Gerich­te in Anspruch neh­men. Dass die­ses schon gesche­hen oder unzu­mut­bar sei, habe der Antrag­stel­ler nicht glaub­haft gemacht.

Unab­hän­gig davon las­se die Antrags­be­grün­dung nicht erken­nen, dass der Durch­füh­rung einer Auf­stel­lungs­ver­samm­lung für den Wahl­kreis 28 am 19. Juli 2012 recht­li­che Vor­schrif­ten ent­ge­gen­stün­den, auf deren Ver­let­zung sich der Antrag­stel­ler beru­fen kön­ne. Durch die ursprüng­li­che Bestim­mung des Antrag­stel­lers zum Bewer­ber für den Wahl­kreis 28 habe die­ser kei­ne recht­lich geschütz­te Stel­lung erlangt, denn sei­ne Wahl habe von vorn­her­ein unter dem Vor­be­halt gestan­den, dass der Lan­des­vor­stand nicht von sei­nem gesetz­li­chen Ein­spruchs­recht (§ 18 Abs. 1 Satz 1 Nds. Lan­des­wahl­ge­setz) Gebrauch mach­te. Das Ein­spruchs­recht des Lan­des­vor­stands ste­he in des­sen par­tei­po­li­ti­schem Ermes­sen. Die Ermes­sens­aus­übung kön­ne von einem staat­li­chen Gericht nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob ihr ersicht­lich will­kür­li­che oder grob rechts­wid­ri­ge Über­le­gun­gen zugrun­de lagen. Davon kön­ne hier nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 18. Juli 2012 – 6 B 4234/​12