Bei­rat einer GmbH – der Fall Media-Saturn

Die Ein­rich­tung eines Bei­rats bei einer GmbH ist als unter­neh­me­ri­sche Ermes­sens­ent­schei­dung anzu­se­hen, wenn nach der Sat­zung der GmbH für den Beschluss über die Ein­rich­tung die ein­fa­che Mehr­heit der Stim­men genügt und ein beson­de­rer, sach­li­cher Grund für die Ein­rich­tung eines Bei­rats nach der Sat­zung nicht erfor­der­lich ist.

Bei­rat einer GmbH – der Fall Media-Saturn

Die Fra­ge, mit wel­cher Mehr­heit der Bei­rat ent­schei­den muss und für wel­che Geschäf­te und Maß­nah­men der Bei­rat (nicht) zustän­dig ist, hat dann ein Schieds­ge­richt zu ent­schei­den, wenn eine ent­spre­chen­de Klau­sel in der Sat­zung ent­hal­ten ist, nach der alle Strei­tig­kei­ten unter Gesell­schaf­tern oder zwi­schen der Gesell­schaft und den Gesell­schaf­tern nicht von staat­li­chen Gerich­ten, son­dern von einem Schieds­ge­richt zu ent­schei­den sind – mit Aus­nah­me von "Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten".

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines "Kamp­fes um die Macht bei Media­Sa­turn" einen Gesell­schaf­ter­be­schluss für wirk­sam erklärt und den zwei­ten wegen Unzu­stän­dig­keit offen gelas­sen. Der zwi­schen der Con­ver­gen­ta Invest GmbH als Klä­ge­rin einer­seits, der (1) Media-Saturn Hol­ding GmbH, der (2) METRO Kauf­haus Fach­markt Hol­ding GmbH und 3 wei­te­ren Par­tei­en als Beklag­ten ande­rer­seits geführ­te Pro­zess ende­te dabei zum Nach­teil der beru­fungs­füh­ren­den Klä­ge­rin.

Die Klä­ge­rin und die Beklag­ten zu 2) bis 5) sind Gesell­schaf­ter der beklag­ten Media-Saturn Hol­ding GmbH, bei der es sich um die Kon­zern­ge­sell­schaft der Media Saturn Grup­pe han­delt. Von den Gesell­schafts­an­tei­len an der Media-Saturn Hol­ding GmbH wer­den der­zeit von der Klä­ge­rin 21,62 % und von der Beklag­ten zu 2) 75,41 % gehal­ten. Den Rest tei­len sich die Beklag­ten zu 3) bis 5). Die Klä­ge­rin und die Media-Saturn Hol­ding GmbH strei­ten im Wege einer Beschluss­an­fech­tungs­kla­ge über die Wirk­sam­keit zwei­er Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se, durch die die Ein­rich­tung eines Bei­rats und die Abbe­ru­fung des Gesell­schaf­ter­aus­schus­ses bei der Media-Saturn Hol­ding GmbH beschlos­sen wur­den. Die Klä­ge­rin hält den Beschluss über die Ein­rich­tung eines Bei­rats für rechts­wid­rig und hat dazu unter ande­rem vor­ge­tra­gen, der Beklag­ten zu 2) gin­ge es mit der Ein­rich­tung des Bei­rats dar­um, die sat­zungs­mä­ßig abge­si­cher­te Sperr­mi­no­ri­tät der Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter, hier also der Klä­ge­rin, aus­zu­he­beln. Zudem wür­de durch die Ein­rich­tung eines Bei­rats die Media-Saturn Hol­ding GmbH zur abhän­gi­gen Gesell­schaft der Beklag­ten zu 2). Hier­für bedür­fe es einer posi­ti­ven sach­li­chen Begrün­dung, an der es feh­le.

Fer­ner will die Klä­ge­rin im Wege der Fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Media-Saturn Hol­ding GmbH und die Beklag­ten zu 2) – 5) klä­ren, dass der Bei­rat mit einer Mehr­heit von mehr als 80 % der abge­ge­be­nen Stim­men zu ent­schei­den habe und für bestimm­te Maß­nah­men und Geschäf­te nicht zustän­dig sei. Die beklag­te Media-Saturn Hol­ding GmbH und die Beklag­te zu 2) haben gegen die Fest­stel­lungs­kla­ge die Schieds­ge­richts­ein­re­de erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen ist der Beschluss, einen Bei­rat bei der Media Saturn Hol­ding GmbH ein­zu­rich­ten, wirk­sam. Inso­weit bestä­tig­te das Ober­lan­des­ge­richt die von der Klä­ge­rin ange­foch­te­ne Ent­schei­dung des Land­ge­richts.

Nach der Sat­zung der Media Saturn Hol­ding GmbH genügt für den Beschluss über die Ein­rich­tung eines Bei­rats die ein­fa­che Mehr­heit der Stim­men. Eines beson­de­ren, sach­li­chen Grun­des für die Ein­rich­tung des Bei­rats bedurf­te es nach der Sat­zung nicht. Die Ein­rich­tung des Bei­rats hat der Senat damit als unter­neh­me­ri­sche Ermes­sens­ent­schei­dung ange­se­hen, die vom Gericht nicht zu über­prü­fen ist.

Die Mehr­heits­ge­sell­schaf­te­rin, die METRO Kauf­haus Fach­markt Hol­ding GmbH, hat durch ihr Abstim­mungs­ver­hal­ten auch nicht gegen ihre gesell­schaft­li­chen Treue­pflich­ten ver­sto­ßen. Die Mög­lich­keit, einen Bei­rat ein­zu­rich­ten, wur­de 1990 in der Sat­zung ver­an­kert. Die­ser Sat­zungs­än­de­rung stimm­ten alle dama­li­gen Gesell­schaf­ter, also ein­schließ­lich der Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter, zu. Dass es eine geson­der­te Ver­ein­ba­rung der Gesell­schaf­ter gab, die Ein­rich­tung des Bei­rats zu unter­las­sen, behaup­te­te auch die Klä­ge­rin nicht.
Die­se kann sich auch nicht auf Ver­wir­kung beru­fen. Die Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter durf­ten nicht dar­auf ver­trau­en, dass kein Bei­rat mehr ein­ge­rich­tet wür­de. Ins­be­son­de­re begrün­det die 2009 geplan­te, aber letzt­lich nicht durch­ge­führ­te Ände­rung der Sat­zung der Media Saturn Hol­ding GmbH kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand.

Wei­ter­hin hat das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen die Anträ­ge der Klä­ge­rin, fest­zu­stel­len, dass der Bei­rat mit einer Mehr­heit von mehr als 80% der abge­ge­be­nen Stim­men ent­schei­den muss und dass er für bestimm­te Geschäf­te und Maß­nah­men nicht zustän­dig ist, im Hin­blick auf die beklag­ten Media-Saturn Hol­ding GmbH und METRO Kauf­haus Fach­markt Hol­ding GmbH (nur sie haben die die­sem klä­ge­ri­schen Antrag teil­wei­se statt­ge­ben­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts ange­foch­ten) auf­grund der erho­be­nen Schieds­ein­re­de als ins­ge­samt unzu­läs­sig ange­se­hen.

Inso­weit änder­te das Ober­lan­des­ge­richt die Ent­schei­dung des Land­ge­richts ab, soweit die­ses näm­lich der Auf­fas­sung war, dass die Fest­stel­lungs­kla­ge hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­trags bezüg­lich der erfor­der­li­chen Mehr­hei­ten für Bei­rats­be­schlüs­se zuläs­sig und begrün­det und nur hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­trags bezüg­lich der Zustän­dig­kei­ten des Bei­rats unzu­läs­sig sei.

Die beklag­te Mehr­heits­ge­sell­schaf­te­rin, die METRO Kauf­haus Fach­markt Hol­ding GmbH und die beklag­te Media Saturn Hol­ding GmbH haben sich auf die Schieds­klau­sel in der Sat­zung beru­fen. Nach die­ser Klau­sel sind alle Strei­tig­kei­ten unter Gesell­schaf­tern oder zwi­schen der Gesell­schaft und den Gesell­schaf­tern nicht von staat­li­chen Gerich­ten, son­dern von einem Schieds­ge­richt zu ent­schei­den. Aus­ge­nom­men hier­von sind nur die "Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten". Die Fest­stel­lungs­an­trä­ge der Klä­ge­rin sind aber, so das Ober­lan­des­ge­richt, kei­ne der­ar­ti­gen Beschluss­män­gel­strei­tig­kei­ten. Die Fra­ge, mit wel­cher Mehr­heit der Bei­rat ent­schei­den muss und für wel­che Geschäf­te und Maß­nah­men der Bei­rat (nicht) zustän­dig ist, war daher vom Ober­lan­des­ge­richt nicht zu ent­schei­den. Zustän­dig hier­für ist nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts das Schieds­ge­richt.

Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. August 2012 – 23 U 4173/​11